"Warum sehen Lampen nicht aus wie Scheinwerfer eines Lamborghini?"

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

Interview: Thomas Bärnthaler; Foto: Bernd Auer 

SZ-Magazin: Herr Grcic, Ihr Beleuchtungssystem »Lunar«, das Sie gerade für Flos entwerfen, sieht aus wie eine Raumsonde und hat auch ähnliche Ausmaße. Passt das auch ins Wohnzimmer?

Mit entsprechender Deckenhöhe ist es durchaus für zu Hause geeignet. Eigentlich ist Lunar aber für den öffentlichen Bereich gedacht. Es gibt kaum mehr Lampen für die Größe der Räume, die heutzutage gebaut werden. Denken Sie nur an Ingo Maurers überdimensionalen Lampenschirm »Dome« – es gibt einen Bedarf für derartige Großformate.

Man könnte sich Lunar auch gut über einem Boxring vorstellen.

Oder über der Bühne eines Rockkonzerts. Tatsächlich haben alle diese Einflüsse eine Rolle gespielt. Wichtig war mir, eine Ableitung zu finden, wo denn neue Ideen für Lampen herkommen. Zum Beispiel von der Automobilindustrie. Da treffen sich High Performance und Styling.

Sie meinen die Scheinwerfer- und Rücklichter neuer Autos?

Nicht nur neuer. (Grcic führt erste Entwurfscollagen vor, die surreal in Räumen verteilte Sportwagenscheinwerfer zeigen.) Mein erster Gedanke war: Warum sehen Lampen für Räume nicht aus wie die Scheinwerfer eines Ferrari Dino oder Lamborghini Murciélago?

Oder wie eine Mondsonde. Auffallend ist bei Lunar die Gerüstkonstruktion, die auch schon Ihren Stahlstuhl »Chair One« auszeichnete.

Konstruktionen interessieren mich immer. Aber nicht als Stil, sondern als Logik, als Methode, etwas zu bauen. Es gibt verschiedene Auffassungen von Licht: die immaterielle, quasi unsichtbare, bei der das Licht aus dem Nichts zu kommen scheint, oder die physische, mit Leuchtkörpern. Mich interessierte Letzteres. Lunar besteht aus einem ganz einfachen Rohrrahmen, der erweiterbar ist. Er kann mit diversen Leuchtelementen bestückt werden, aber natürlich auch mit einem Kronleuchter.

 

Ihr Beitrag besteht also nur aus dem Rohrrahmen? Hat Sie das nicht unterfordert?

Design muss nicht immer alles neu machen. Mir ging es darum, einen Knoten zu konstruieren, der verschiedene Lichtstimmungen erzeugen kann. Es gibt ja architektonische Räume, die je nach Tageszeit unterschiedliche Lichtsituationen benötigen. Tagsüber helles Neonlicht, abends eher warmes, vielleicht farbiges Licht, manchmal ein sehr gerichtetes Licht. Worum es mir gar nicht ging: die absolute Kontrolle des Designs. Lunar ist wandelbar und offen für weitere Entwicklungen. Wer weiß, vielleicht gibt es in ein paar Jahren ganz neue Leuchtquellen?

 

Den zweiten Teil des Interviews findest du auf sz-magazin.de.

 
  • teilen
  • schließen