Warum sich immer mehr Frauen Männlichkeitsattribute zu eigen machen

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von meredith-haaf Madonna jedenfalls ist von gestern. Die kleine, bald fünfzigjährige Frau lässt sich zwar nach wie vor problemlos in Korsette einschnüren. Sie besitzt immer noch diesen unfassbar trainierten Körper, der für Frauen in den Neunzigerjahren so wichtig wurde. Doch zu bedeuten hat diese Inszenierung nicht mehr viel. Für die symbolische Vermittlung weiblicher Selbstbestimmung hat sie als Rollenmodell ausgedient. Madonna war Fackelträgerin der Idee, dass eine Frau alles sein kann – reich, berühmt und erotisch –, wenn sie sich nur restlos im Griff hat. Durch fortgesetzte Selbstoptimierung erlangte sie Macht, fast wie ein Mann – auch wenn sie nie wirklich wie einer sein konnte. Nun aber machen sich immer mehr Frauen Männlichkeitsattribute zu eigen, die gerade darin bestehen, sich vollkommen gehen zu lassen und die Selbstkontrolle aufzugeben. Die neuen Ikonen der Popkultur und ihre namenlosen Mitstreiterinnen trinken, pöbeln, feiern; sie sind nicht nur wie Männer, sondern sogar die härteren Männer – und vielleicht geht von dieser neuen Hemmungslosigkeit eine emanzipatorische Kraft aus, die der straffe Kontrollwahn Madonnas schon lange nicht mehr hatte. In das englische Standardlexikon Oxford English Dictionary wurden vor einigen Jahren ein paar moderne Begriffe aufgenommen, »SMS« oder »MP3« zum Beispiel. Einer der neuen Einträge aber machte besondere Schlagzeilen: die »Ladette«, der britische Ausdruck für eine junge Frau, die sich wie ein »Lad«, ein halbstarker Typ, benimmt.

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Illustration: Julia Schubert

Halbstark? Amy Winehouse gestern Abend (Donnerstag, 22. Mai) bei einer Veranstaltung in London. (Foto: ap) Ladettes trinken laut Definition bis zum Umfallen, treten in Gruppen auf, arbeiten ungern schwer und zeichnen sich vor allem durch Rüpelhaftigkeit aus. Tatsächlich haben britische Frauen ihre notorisch trinkfesten Landsmänner mittlerweile eingeholt, was den Alkoholkonsum angeht. Auf Platz zwei europäischer Vieltrinkerinnen kommen übrigens deutsche Mädchen. Vor allem beruflich erfolgreiche junge Frauen feiern härter als je zuvor. Aber nicht nur, was die Sauferei betrifft, sind junge Frauen in ihrem Verhalten von Männern nicht mehr zu unterscheiden. Die Journalistin Ariel Levy schuf 2005 den Begriff »female chauvinist pigs« – weibliche Chauvinistenschweine. Damit bezeichnete sie einen beträchtlichen Teil der angelsächsischen Frauen. Sie gehen in Table-Dance-Bars, bilden ein wachsendes Segment der Pornografie-Konsumenten, sie sind dezidiert promisk und kultivieren eine Kaltschnäuzigkeit in sexueller Hinsicht, dass einem Hugh Hefner die faltigen Ohren schlackern würden. Wie der Text weitergeht, liest du bei unseren Kollegen vom SZ-Magazin.

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