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Was soll diese Telefon-Pose?

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Ein bisschen sieht es immer so aus, als ob sie sich selbst ohrfeigen: die Leute, die ihre Handys mit der rechten Hand ans linke Ohr Halten oder umgekehrt. Und das, obwohl sie gerade sowohl beide Hände wie auch beide Ohren frei haben. Warum tun die das nur? Man könnte denken: weil sie die einschlägigen Psychoratgeber gelesen haben, in denen von den beiden Gehirnhälften die Rede ist, die für die jeweils gegenüberliegende Körperhälfte zuständig sind. Okay, kann man machen. Man kann ja so viel machen. Es hat vermutlich einen anderen Grund.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert



Gesten entspringen ja längst nicht immer dem eigenen Körper, oft sind sie antrainiert, mühsam erlerntes Vokabular. Gerade die etwas exaltierten Gesten der letzten Jahre – all die pumpenden Fäuste, das Zeigen in die Menge bei Politveranstaltungen (»Hey, mein alter Freund und Wahlkampfspender, ich sehe dich«), das genervte In-Ear-Kopf-
hörer-Rausreißen von DSDS-Kandidaten (»Verdammt, ich höre die Band nicht mehr! Aber schaut, wie toll ich trotzdem singe«) – haben alle etwas seltsam Hollywoodeskes an sich. Über Kreuz telefonieren, hat man das nicht tausendmal in Filmen gesehen, in denen es gerade brenzlig wurde? In Kontrollcenter-Szenen, Newsroom-Szenen, Wall-Street-Szenen, Houston-wir-haben-ein-Problem-Szenen? Die Geste sagt: Ich bin beschäftigt, siehst du nicht, wie sehr ich im Stress bin? Ich habe nicht mal Zeit, Hand und Ohr zu koordinieren. Lass mich in Ruhe, ich te-le-fo-nie-re. Der Arm ist wie der Schrägbalken auf einem Verbotsschild: hier jetzt nicht. Bitte. Früher hat man sich den Telefonhörer zwischen Ohr und Schulter geklemmt, um Vielbeschäftigtheit zu simulieren, bei diesen modernen und dünnen Handys aber gibt es nicht mehr viel zu klemmen.

Hier kannst du den Text weiter lesen.

Text: jetzt-redaktion - Foto: ddp

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