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Von Tobias Haberl 

Der Feminismus hat unsere Welt moderner und gerechter und manchmal auch sich selbst lächerlich gemacht: Zum Beispiel, als er sich im Jahr 2001 auf einen Gegner stürzte, der sich nicht wehren konnte, weil er nur aus Luft und Wasser bestand: den Schneemann.

Fünf Jahre hatte Tricia Cusack, Professorin der Kunstgeschichte an der Universität von Birmingham, damit verbracht, »die kulturelle Bedeutung von Schneemännern« zu erforschen, bis sie am Ende so wütend war, dass sie über die BBC ein paar deftige Thesen verbreitete: Der Schneemann sei sexistisch und überholt, er sei weiß, männlich, dick und phallisch – schon wegen der steif gefrorenen Karotte im Gesicht – und werde draußen, also im öffentlich-kommerziellen Bereich, von Jungs und Männern aufgestellt, während sich die Frauen vollkommen abgeschirmt um den Haushalt kümmern, ja eigentlich zu Tode schuften müssten. Ein Zugeständnis musste Frau Professorin aber machen: Man treffe ihn nicht mehr so oft wie früher mit Pfeife im Mund an. Wenigstens das Rauchen schien der alte Macho allmählich aufzugeben.

So weit war es also gekommen: ein Macho und Frauenfeind – ausgerechnet der Schneemann, dieses Symbol für heimeligen Familienfrieden. Irgendwann konnte man ja einen Schneemann nicht mal mehr ansehen, ohne die roten Backen seiner Bauherren und die dampfende Tütensuppe gleich mitzudenken. Und doch gibt und gab es zu allen Zeiten sehr unterschiedliche Schneemänner, wie das gerade erschienene Buch The History of the Snowman beweist, eine Kulturgeschichte des Schneemanns, für die der Autor Bob Eckstein monatelang in Bibliotheken und Archiven recherchiert hat – und die gerade noch rechtzeitig kommt, bevor sich niemand mehr an die Spezies der Schneemänner erinnern kann, weil die Erderwärmung sie ausgerottet hat. Eckstein hat einfach die wichtigsten Fakten und Fotos zusammengesammelt, damit unsere Nachfahren was zum Träumen haben.

 

Den zweiten Teil des Textes findest du auf sz-magazin.de.

 
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