Zum Ende ihrer Talkshow spricht Sabine Christiansen über Kollegen und Gäste

Deutschlands erfolg- und einflussreichste Moderatorin hat viel Kritik einstecken müssen. Jetzt wehrt sie sich.
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Illustration: Julia Schubert

Von: Alexandros Stefanidis (Interview); Isabel Klett (Illustration) 

SZ-Magazin: Frau Christiansen, sind Sie ein bisschen traurig?  

Sabine Christiansen:

Traurig? Nein, warum?

Am Sonntag in einer Woche werden Sie nach knapp zehn Jahren Ihre letzte Sendung moderieren. Mit Sabine Christiansen sind Sie zur Ikone des Ersten Deutschen Fernsehens aufgestiegen.

Ikone? So ein Quatsch. Ich halte nichts von Ikonen. Das klingt furchtbar matronenhaft. Ich sage: Wir haben mit der Sendung eine sehr ansehnliche journalistische Arbeit abgeliefert. Nicht mehr, nicht weniger.

Ein bisschen mehr war es schon. Sabine Christiansen ist fast schon zum nationalen Kulturgut geworden. Als Sie vergangenes Jahr Ihren Abschied bekannt gaben, war das tagelang Thema Nummer eins in den Medien.

Ja, die Schlagzeilen in der Bild-Zeitung waren so groß, dass man annehmen musste, es stünden schon wieder Neuwahlen an, nicht wahr?

Diesem Eindruck hätte man erliegen können, ja.

Im Ernst: Letztlich wird das Ende dieser Sendung als Begleitmusik der Nachwendegeschichte Deutschlands irgendwann verklingen. Sendungen kommen, Sendungen gehen.

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung war vergangenen Juli zu lesen, dass Ihr Rückzug nicht freiwillig zustande kam. Stimmt das?

Nein, diese Entscheidung habe ich gefällt, vor langer Zeit. Die FAZ bedauert wohl, das Opfer ihrer ewigen Polemik zu verlieren.

Haben Sie denn schon konkrete Pläne für die Zeit danach?

Ich werde intensiver als Produzentin und Geschäftsführerin meiner Firma arbeiten. Journalistisch ist das Anspruchsvollste sicher meine internationale Sendung Global Players für CNBC.

Frau Christiansen, zwar wird immer wieder behauptet, dass Sie mit Ihrer CNBC-Sendung mehrere hundert Millionen Haushalte erreichen, aber wir kennen niemanden, der diese Sendung je gesehen hat.

Wie viele internationale Sender sehen Sie und Ihre Freunde denn überhaupt pro Tag?

Keine Sorge, ab und zu schalten wir schon mal bei CNN rein.

Wir sind in Deutschland immer noch sehr auf unsere nationalen Medien fixiert. In den Chefetagen der Wirtschaft – dem Zielpublikum der Sendung – ist das anders. Weltweit gegen die Konkurrenz der Giganten wie CNN oder BBC World anzutreten ist eine ganz andere Herausforderung, als eine Sendung im deutschen Abendprogramm zu gestalten. CNBC ist weltweit der Wirtschaftssender Nummer eins.

Aber was bringt Ihnen ein internationales Programm, wenn es in Deutschland niemand sieht?

Wer liest hierzulande die politischen Magazine Time und Newsweek oder sieht regelmäßig Larry King auf CNN? Entscheider in Politik und Wirtschaft tun das regelmäßig.

Sie meinen Josef Ackermann und Co.?

Schauen Sie sich nur die Debatte um den G8-Gipfel an oder die Klima- und Energiediskussion. Schauen Sie sich an, wie die Wirtschaft mit Bangen nach Asien schaut, weil dort die Börse verrückt spielt, und beachten Sie, wie schnell diese globalen Phänomene ihre Auswirkungen in Deutschland zeigen werden.

Jetzt klingen Sie fast schon wei eine Politikerin aus Ihrer Sendung.

Ich möchte Ihnen nur die Zusammenhänge aufzeigen. All diese Themen kann ich auf CNBC direkt mit den betroffenen Personen diskutieren. Ich kann den südafrikanischen Finanzminister genauso dazu einladen wie den Chef der Börse in Dubai.

Hier findest du den zweiten Teil des Interviews auf sz-magazin.de 

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