Nur Egoisten drücken ihre Versicherung durch Fitness-Armbänder!

Oder ist es fair, sportliche Menschen zu bevorzugen? Die Tagesfrage.
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Umstrittene Teile: Fitness-Armbänder für Versicherte.

Collage: Daniela Rudolf

Die Techniker Krankenkasse hat sich etwas ausgedacht (eigentlich hat sie es sich in den USA abgeschaut – die machen das da schon länger): Versicherte sollen Fitness-Armbänder am Handgelenk tragen, die zum Beispiel Herzfrequenz, Kalorienverbrauch oder Schrittzahl messen. Die Daten werden direkt in der elektronischen Patientenakte gespeichert.  

So soll sich nachvollziehen lassen, ob ein Patient zum Beispiel raucht und trinkt oder ob er sich gesund ernährt, Sport treibt und ausreichend schläft. Und dann wird belohnt oder bestraft: Versicherer wie die Generali-Gruppe lockt gesundheitsbewusste Kunden beispielsweise mit Rabatten.

Ist ja insgesamt ein Trend. Die Oral Roberts University in Tulsa, im amerikanischen Bundesstaat Oklahoma, hat Fitness-Armbänder für Erstsemester schon zur Pflicht gemacht. Die Ergebnisse fließen in die Sportnote ein.

Klingt zunächst ja alles nach einer Win-Win-Situation: Menschen bewegen sich (was gesund ist), und zahlen dafür weniger Geld (was Geld spart). Hat aber eine Kehrseite. Und zwar eine gewichtige. Versicherungen funktionieren, zumindest bislang, nämlich nach dem Solidaritätsprinzip: Alle zahlen dasselbe ein (natürlich jetzt auch schon nach Risikogruppen, aber eben noch lang nicht so individuell), und derjenige, der die Versicherung braucht, bekommt Hilfe. Auch, wenn er selbst schuld ist oder sich zumindest einem höheren Risiko ausgesetzt hat – weil er trinkt, weil er raucht, weil er zu viel Burger frisst oder weil er, um es noch eine Ebene höher zu hängen, ungeschützt Sex hat.

Versicherungstarife, die den Beitrag an ein bestimmtes Verhalten knüpfen, kündigen diese Solidarität also auf. Finden wir. Und jeder, der sich einen solchen Tarif holt, trägt dazu bei, ein sehr gutes System auszuhölen. Für den eigenen Vorteil. Schwere Egonummer also. Kann man aber bestimmt auch anders sehen. Deshalb die heutige Tagesfrage: Verhalten sich potentielle Fitness-Armbandträger unsolidarisch? Oder ist es gerecht, jene zu belohnen, die jeden Tag joggen gehen? Wir gehen jetzt mal schnell in die Kantine – Burger essen.

Und ihr könnt solange unten in den Kommentaren diskutieren.

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