Was du tippst, das fühlst du

Was der "Qwerty-Effekt" über unsere Vorlieben im Netz aussagt.
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Foto: imago

Buchstaben, die man auf Tastaturen häufig tippt, liegen nicht nebeneinander. Das hat ein Hersteller für Schreibmaschinen vor über 150 Jahren eingeführt, damit die Tasten nicht verhaken. Seitdem steht oben links (auf US-Tastaturen) QWERTY. Auf deutschen Tastaturen steht das Z statt des Y am Ende dieser namensgebenden Folge. Ob der Hersteller damals im Sinn hatte, was Forscher jetzt bestätigt haben, ist zumindest fragwürdig. Klar ist aber: Das Tastaturlayout hat Einfluss auf unsere Gefühle. 

"Qwerty-Effekt" heißt dieses Phänomen und es besagt, dass die meisten Menschen Wörter bevorzugen, die sie mehrheitlich mit Buchstaben auf der rechten Seite der Tastatur tippen. Nun könnte man vermuten, bei 90% Rechtshändern auf der Welt ist eh klar, dass sie mit der rechten Hand mehr schreiben. Aber: Wenn man einen Linkshänder beim Tippen beobachtet, sieht man deutlich, dass auch er seine rechten Finger häufiger benutzt – und damit die Buchstaben auf der rechten Seite der Tastatur. Diese Tatsache alleine sorgt aber nicht für den "Qwerty-Effekt". Sondern die Anordnung der Buchstaben auf der rechten Tastatur-Seite. Wörter mit vielen Buchstaben der rechten Hälfte werden angenehmer empfunden als solche mit Buchstaben der linken.

David Garcia von der Technischen Hochschule Zürich und Markus Strohmaier vom Leibniz Institut in Mannheim haben elf Internetdienste analysiert, um der Frage nachzugehen, inwieweit sich die Rechtstipper-Vorlieben im Internet widerspiegeln. Sie untersuchten, inwiefern rechts getippte Inhalte auf Youtube, Amazon, Yelp, Rotten Tomatoes, Redtube oder Dooyoo positiver bewertet wurden, als links getippte. Die Forscher haben mit statistischen Methoden nachgewiesen, dass sich der "Qwerty-Effekt" deutlich niederschlägt. "Das Ergebnis hat uns wirklich überrascht", sagt Garcia. "Als wir mit der Untersuchung begannen, haben wir nicht erwartet, dass der Effekt wirkt."

  • Einzige Ausnahme: eine Pornoseite

So zeigt die Analyse beispielweise bei Amazon, dass positive Rezensionen mehr Buchstaben von der rechten Tastaturseite beinhalten, negative mehr von der linken. Auf Youtube bekommen Filmtitel mit Buchstaben von rechts deutlich mehr Likes.  Einzige Ausnahme im Datensatz: die Pornoseite "Redtube". Deren Besucher scheinen lieber mit der linken Hand zu tippen.

Welche Auswirkung die Erkenntnisse von Garcia und Strohmaier auf das reale Leben haben könnten, ist noch nicht erforscht. "Dafür hätten wir noch viel mehr Datensätze untersuchen müssen", sagt Garcia. So lässt sich aus der bisherigen Analyse zum Beispiel nicht schlussfolgern, ob Produkte oder Firmen, deren Namen aus rechts getippten Buchstaben bestehen, automatisch erfolgreicher sind. "Es gibt bei Amazon viele Top-Seller, die hauptsächlich linke Buchstaben enthalten", sagt Garcia.

Mit seinem Kollegen wird er zunächst nicht weiter am "Qwerty-Effekt" forschen. Momentan sind beide mit anderen Projekten beschäftigt. "Sollten wir oder jemand anderes aber eines Tages tatsächlich verifizieren, dass die Anordnung der Namens-Buchstaben Auswirkungen auf den späteren Erfolg eines Produkts hat", sagt Garcia, "würde das das Marketing fundamental verändern."

max 

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