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Illustration: Katharina Bitzl

Kranke Menschen muss man mit Samthandschuhen anfassen. Sie fühlen sich sowieso schon schniefig und eklig und arm dran. Da wir auf so unterschiedliche Art und Weise leiden, wenn wir krank sind, kann man da aber viel falsch machen. Die fünf häufigsten Kranksein-Typen und wie du dich am besten auf sie einstellst.

Die Zuwendungsbedürftigen:

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Illustration: Katharina Bitzl

So leiden sie: Mit dicken Wollsocken und Kuscheldecke zelebrieren sie ihr Kranksein und möchten dabei auf keinen Fall allein gelassen werden. Gerade jetzt, wo sie sich doch sowieso schon elend fühlen, brauchen sie viel Liebe und Kuscheleinheiten.

Damit heilen sie sich: Sie besorgen sich das Rezept von ihrem Lieblingspudding, den Mama gekocht hat, als sie noch klein waren. Mit viel Zucker und ganz schokoladig. Wenn sie den Pudding nicht selbst kochen müssen, ist das natürlich noch besser. Auch ein gemeinsamer Kuschel-DVD-Abend wirkt Wunder und ist die beste Medizin.

Das sagen sie den Kollegen: Ich habe mich so sehr über eure Gute-Besserungs-Mail gefreut. Jetzt werde ich bestimmt ganz schnell gesund.

So gehst du am besten mit ihnen um: Auch wenn sie mit der wundgescheuerten Nase und den verquollenen Augen nicht gerade zum Knuddeln aussehen: Berührungsängste sind hier fehl am Platz. Überwinde dich und gib ihnen die Nähe, die sie brauchen.

Das tun sie, wenn sie wieder gesund sind: Sie verschenken kleine Pralinenschachteln, mit denen sie sich für die Unterstützung bedanken. Außerdem denken sie sich, dass Kranksein eigentlich doch gar nicht so schlecht ist.

Die Selbstisolierer:

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Illustration: Katharina Bitzl

So leiden sie: Ganz für sich, denn sie wollen niemanden anstecken. Ihr Essen lassen sie sich vom Pizzaboten vor die Wohnung stellen und schieben die Geldscheine mit einer Zange unter der Tür hindurch.

Damit heilen sie sich: Für solche Fälle haben sie einen großen Vorrat an Taschentuch-Packungen, Halspastillen und Hustensaft im Schrank. Von Globoli halten sie aber gar nichts. „Das sind doch nur Zuckerperlen ohne Wirkung.“

Das sagen sie den Kollegen: Keine Sorge, ich komme erst wieder, wenn ich nicht mehr ansteckend bin. Am besten setzt sich erst einmal niemand an meinen Schreibtisch. Den muss ich erst desinfizieren.

So gehst du am besten mit ihnen um: Es hat keinen Zweck auf ihrer Türschwelle um Einlass zu betteln. Sie werden nicht aufmachen. Am besten schreibst du ihnen verständnisvolle und aufmunternde Nachrichten. So können sie auch ihre Stimme schonen.

Das tun sie, wenn sie wieder gesund sind: Sie verbannen jedes Taschentuch tief in den Müllcontainer, stopfen ihre Bettbezüge in die Waschmaschine und reiben diverse Gegenstände und sich selbst mit Handdesinfektionsmittel ein.

Die Übertreiber:

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Illustration: Katharina Bitzl

So leiden sie: Ganz arg! Wenn die Nase läuft und es ein bisschen im Hals kratzt, könnte man meinen, sie sind mit Grippe ans Bett gefesselt – so sehr jammern sie. Dann müssen sie sich unbedingt schonen und können auf keinen Fall einkaufen gehen oder gar das Bad putzen.

Damit heilen sie sich: Mit einem starken Ingwer-Tee, den sie so eklig finden, dass sie sich schütteln. Wer so ein Gebräu zu sich nimmt, muss schon wirklich krank sein.

Das sagen sie den Kollegen: Lass uns das gemeinsame Mittagessen lieber auf nächste Woche verschieben. Morgen liege ich bestimmt krank im Bett.

So gehst du am besten mit ihnen um: Nimm ihr Leiden ernst – aber nicht zu ernst. Wenn du ihnen die Stirn fühlen sollst, nimm dir eine Minute Zeit, bevor du ihnen sagst, dass sie kein Fieber haben.

Das tun sie, wenn sie wieder gesund sind: Sie betonen, dass es ihnen jetzt endlich wieder gut geht. Natürlich nur, weil sie sich so gut geschont haben.

Die Verdränger:

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Illustration: Katharina Bitzl

So leiden sie: Erst einmal gar nicht. Zumindest nicht nach außen hin sichtbar. Nach dem Motto, „Man ist nur so krank, wie man sich fühlt“, gehen sie mit Fieber in die Arbeit und rotzen abends in der Kneipe zehn Taschentücher voll. Das alles mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht: „Wenn ich lächle, denkt mein Körper, ich sei glücklich und dann bin ich auch nicht krank.“

Damit heilen sie sich: Heilend ist an ihrem Verhalten wenig. Aber nach dem vierten Bier spüren sie die pochenden Kopfschmerzen kaum noch. Und am nächsten Vormittag halten sie drei Kannen Kaffee auf dem Bürostuhl, die sie tassenweise exen – ohne Milch und Zucker.

Das sagen sie den Kollegen: Klar kann ich die Schicht übernehmen. Nein, das geht schon. Ich muss nicht zum Arzt. Ich fühl mich super. Oh, du machst Kaffee! Bringst du mir auch einen mit?

So gehst du am besten mit ihnen um: Wenn sie sich nicht mit Worten zur Vernunft bringen lassen,  musst du zu härteren Maßnahmen greifen. Sie an der Hand nehmen, nach Hause begleiten, ihnen die Schuhe ausziehen, Bettdecke fest stopfen. Und zwar wirklich fest. Wenn das auch nicht hilft, solltest du die Nacht mit einem Schlafsack vor der Zimmertür verbringen. Nur so werden sie die strikte Bettruhe einhalten.

Das tun sie, wenn sie wieder gesund sind: Das kann dauern. Wenn andere ihre Erkältung schon längst auskuriert hätten, liegen sie mit einer verschleppten Lungenentzündung im Bett.

Die Hypochonder:

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Illustration: Katharina Bitzl

So leiden sie: Eigentlich immer – und das, obwohl sie vollkommen gesund sind. Sie haben einfach unglaubliche Angst, krank zu werden. Deshalb meiden sie öffentliche Verkehrsmittel und machen Klotüren grundsätzlich nur mit dem Ellbogen auf.

Damit heilen sie sich: Sie boosten ständig ihr Immunsystem. Für diverse Kapseln und Mittelchen geben sie unglaublich viel Geld aus. Aber das ist es ihnen Wert: Es geht schließlich um ihre Gesundheit.

Das sagen sie den Kollegen: Wenn du hustest, bleib doch bitte Zuhause. Wir wollen nicht, dass du uns hier alle ansteckst.

So gehst du am besten mit ihnen um: Es hat keinen Sinn, mit ihnen zu diskutieren. Mit Viren und Bakterien kennen sie sich am besten aus. Zu jedem Symptom können sie fünf mögliche Krankheiten inklusive lateinischer Namen aufsagen.

Das tun sie, wenn sie wieder gesund sind: Sie googlen seltene Krankheiten und wie man sich am besten vor diesen schützen kann.

Auch ganz wichtig: Wer sitzt da neben dir?