Das ist: Nemonte Nenquimo, Umweltheldin aus Ecuador

Ein bisschen Held*innenhaft kann sie einem schon vorkommen.
Illustration: FDE

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Das ist …

... Nemonte Nenquimo, eine 34-jährige indigene Politikerin und Aktivistin aus dem Amazonas, die Geschichte geschrieben hat: Im vergangenen Jahr zog die Waorani-Frau gegen die ecuadorianische Regierung vor Gericht, weil die mehr als 2000 Quadratkilometer Regenwald an Ölfirmen verkaufen wollte. Im Kern ging es in dem Rechtsstreit darum, dass die ecuadorianische Regierung sich nicht ausreichend mit der dort lebenden Bevölkerung abgestimmt hatte, bevor sie das Land zu Geld machen wollte. Nemonte gewann den Prozess, der Deal musste abgesagt werden. Die junge indigene Frau hat so nicht nur ein riesiges Stück Dschungel vor der Zerstörung durch Ölbohrungen und Waldrodung gerettet, sondern schaffte auch einen Präzedenzfall für indigene Rechte. Das Gericht habe anerkannt, dass die Regierung Rechte der indigenen Bevölkerung verletzt habe, so Nemonte zum New Yorker Magazine: „Frei zu leben, über unser Territorium zu entscheiden und unser Selbstbestimmungsrecht auszuüben“. Unterstützt wurden sie und ihr Volk in diesem Kampf von der Organisation Amazon Frontlines.

Die kann …

... Aufmerksamkeit generieren, aktivistische Strukturen aufbauen und sich für ihr Volk einsetzen. Das zeigt sich nicht nur in dem Gerichtsurteil, sie ist außerdem die erste weibliche Präsidentin ihres Volkes, und eine Mitgründerin der von indigenen Menschen geführten gemeinnützigen Organisation Ceibo Alliance. Das ist ein Bündnis einiger Völker des Amazonas, wie zum Beispiel der Siona, Siekopai, A’i Kofan und Waorani, deren Ziel es ist, indigenes Land, Leben und Kultur zu schützen. Für ihre Bemühungen hat Nemonte mehrere Ehrungen erhalten, unter anderem wurde sie als eine der 100 einflussreichsten Personen 2020 vom Time Magazine genannt. Sie war die einzige indigene Aktivistin auf der Liste in diesem Jahr. Auch die BBC ehrte sie als eine der 100 inspirierensten Frauen aus dem Jahr 2020. Zuletzt gewann sie den „Goldman Environmental Prize“, der seit 30 Jahren jährlich an  sechs Personen verliehen wird – an eine*n „Umweltheld*in“ pro Kontinent.

Die kommt …

... aus dem ecuadorianischen Amazonas, genauer gesagt: dem westlichen Amazonasbeckens im Osten Ecuadors. Die Waorani hatten erst spät Kontakt zum Rest der ecuadorianischen Kultur und wohnen bis heute in kleinen Siedlungen im Urwald. Es wird geschätzt, dass zwischen 2500 und 4000 Waorani im Amazonas leben. Nemonte selbst wuchs in einer traditionellen Woarani-Gemeinschaft in der Nähe des Flusses Río Curaray auf. Später besuchte sie eine Missionsschule. Die Ausbildung dort brach sie allerdings ab, nachdem sie realisiert hatte, dass sie dort gezwungen wäre, ihre kulturelle Identität und ihre Geschichte zurückzulassen. Stattdessen kehrte sie in das Gebiet der Waorani zurück, fest entschlossen, ihrem Volk zu helfen.

Die will …

... die indigene Bevölkerung schützen. Für Nemonte ist das nicht nur ihre politische Aufgabe, sondern Teil ihrer Identität. Auf Instagram schreibt sie etwa, dass sie und ihr Volk den Willen, den Urwald zu schützen, in sich tragen würden: „Wir leben hier seit Tausenden von Jahren dank unserer Vorfahren, die sich auch schon um den Dschungel kümmerten und ihn verteidigten“. Sie wolle, dass ihre Leute in einem sauberen Territorium leben könnten, ohne Umweltverschmutzung und Krankheiten. Sie sagt: „Wir werden unseren Wald niemals an die Unternehmen verkaufen.“

Daraus lernen wir …

... dass man sein Leben einer Sache widmen und sich gleichzeitig trotzdem auch für Andere stark machen kann. Die junge Frau setzt sich zwar primär für die Rechte indigener Völker ein, aber inkludiert Naturschutz und Feminismus ebenfalls in ihren Kampf. Auf ihrem Instagram-Account lobt sie etwa auch über die Kraft ihrer „Schwestern“ bei der „Association of Waorani Women of the Ecuadorian Amazon“, die sich für Frauenförderung in ihrem Volk einsetzen. Auch ihre Erfolge teilt sie mit ihren weiblichen Mitmenschen und betont, dass „die Ehre an alle indigenen Frauen“ gehe, die „unser Leben und die Zukunft unserer Kinder verteidigen“. Sie würden im Angesicht von enormen Gefahren für Land und Leben kämpfen. Das mag dramatisch klingen, ist aber wahr: Nie war es in Südamerika gefährlicher, sich für die Umwelt einzusetzen.

Nur Google weiß …

... dass Nemonte auch den Celebrity-Klimaschützer Leonardo DiCaprio getroffen hat. Der hat daraufhin sogar die Laudatio anlässlich ihrer Ehrung als eine der 100 einflussreichsten Personen 2020 verfasst. „Es war toll für mich, dass ich sie getroffen habe, und noch  toller, dass ich von ihr lernen konnte,“ schreibt diCaprio im Time Magazine über die junge Frau. Nemonte lebe ihren Kampf, und wenn man mit ihr spreche, erkenne man, dass sie eine Klarheit über ihre Bestimmung habe, wie man sie nur selten erlebe. 

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