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Foto: PolaRocket / photocase.de

Umweltministerin Svenja Schulze hat am Montag ihren Fünf-Punkte-Plan gegen Plastik vorgestellt. Er sieht unter anderem vor, Verpackungsmüll zu reduzieren, Recycling zu fördern und die Deutschen dazu zu bringen, mehr Leitungswasser zu trinken statt Wasser in Plastikflaschen zu kaufen.

Wir haben mit Walter Leal, einem Experten für Umwelt und Plastikmüll und dem Leiter des Forschungs- und Tranferzentrums „Nachhaltigkeit und Klimafolgenmanagement“ in Hamburg darüber gesprochen, wie effektiv dieser Plan wirklich ist. 

jetzt: Der Handel soll in einer freiwilligen Selbstverpflichtung dazu gebracht werden, überflüssige Verpackungen von zum Beispiel Obst und Gemüse zu reduzieren. Ist das wirksam?

Walter Leal: Ich denke, das bringt eher wenig. Der Hersteller muss wirkliche einen Anreiz haben. Plastik ist billig, ein Umdenken ist aufwändig. Daher müsste es strengere Vorschriften geben. Wichtig ist: Derjenige, der das Produkt herstellt, hat auch die Verantwortung dafür, dass es umweltfreundlich ist.

„Viele Menschen sind einfach zu bequem“

In einem Forschungsprojekt soll untersucht werden, welche ökologischen Folgen der Gebrauch von Einweg-Kaffeebechern hat. Wissen wir nicht schon lange, dass Einwegbecher schlecht für die Umwelt sind?

An sich ist es natürlich interessant, Fakten zu haben. Aber wir wissen eigentlich schon, was dabei herauskommen wird. Nämlich, dass wir etwas gegen die Einwegbecher unternehmen müssen. Wir müssten direkt einen Schritt weiter ansetzen: Die Gastronomie dabei unterstützen oder sie sogar dazu verpflichten, keine Einwegbecher mehr herauszugeben, sondern nur noch Mehrwegbecher. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Das muss sich ändern.

Ein Fokus des Plans liegt auf dem Thema Recycling: Die vorgeschriebenen Recyclingquoten von Plastik sollen bis zum Jahr 2022 von derzeit 36 Prozent auf dann 63 Prozent erhöht werden. Ist das realistisch?

Das könnte noch mehr sein. Aber es ist realistisch, dass die Quote eingehalten wird. Wichtig ist dabei auch, dass die Menschen ihren Müll wirklich trennen. Das ist oft ein Problem. Wenn nicht getrennt wird, kann auch nicht recycelt werden.

Auch das ist ja ein Punkt im Plan der Ministerin: Die Menschen darüber aufklären, dass in den Biomüll kein Plastik gehört, da er sonst nicht kompostiert werden kann.

Viele Menschen sind einfach bequem. Sie werfen etwas weg, und fertig. Aber das Material ist danach ja nicht weg, sondern nur aus den Augen der Verbraucher.

Die Bundesregierung stellt aus dem Energie- und Klimafonds ab 2019 über einen Zeitraum von zehn Jahren insgesamt 50 Millionen Euro für den Export von Technologien gegen die Vermüllung der Meere zur Verfügung. Ist das genug?

Nein. Das ist zu wenig. Wir bräuchten meiner Meinung nach mindestens das Doppelte. Es reicht nicht, Technologien zu exportieren. Zusätzlich müssten wir vor Ort in den Entwicklungsländern arbeiten und aufklären, weil das Bewusstsein dort noch nicht so groß ist. Und wir haben wirklich keine Zeit mehr. Ich war neulich in Samoa. Dort habe ich am Strand Forscher getroffen, die einen toten Vogel untersucht haben. Ich war geschockt, wie viel Plastik in seinem Bauch war. Tonnen von Plastikmüll werden dort jedes Jahr angespült.

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Walter Leal.

Foto: privat

Teile des Plans beziehen sich auf das neue Verpackungsgesetz, das bereits beschlossen ist und ab Januar in Kraft tritt. Einweg- und Mehrwegflaschen sollen am Regal gekennzeichnet sein. Außerdem sollen Hersteller für recyclingfreundliche Verpackungen weniger Gebühren zahlen.

Das ist sinnvoll. Das wichtigste Glied in der Kette ist wirklich der Hersteller. Da müssen wir ansetzen. Pfandflaschen deutlich zu kennzeichnen kann sinnvoll sein. So hat es der Verbraucher leichter. Auch eine Verpackungssteuer wäre ein guter und sinnvoller Anreiz für die Hersteller, umzudenken und weniger Plastik zu verwenden. 

Ist der Fünf-Punkte-Plan denn nun eine Trendwende im Umgang mit Plastik, die die Regierung ihn bezeichnet?

Ich würde ihn eher als einen längst überfälligen Schritt bezeichnen. Wenn die Punkte alle kombiniert und durchgesetzt werden, kann er aber durchaus einen positiven Effekt haben.

Bringt es denn überhaupt etwas, wenn Deutschland alleine vorangeht? Müssen nicht alle anderen mitziehen?

Es ist zwar nützlich, wenn Deutschland versucht das Problem hierzulande zu erarbeiten, aber damit es nachhaltig und langfristig auswirkt, brauchen wir ein starkes Engagement auf europäischer Ebene, aber auch mit Einbeziehung der Entwicklungsländern. Denn dort verursacht Plastik große ökologische und soziale Probleme. Internationale Lösungen  sind hier unverzichtbar.

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