"Ich würde Sch**e essen, damit Trump nicht Präsident wird"

"Orange is the New Black"-Star Diane Guerrero erzählt uns, was ihr Problem mit Trump ist.
Von Matthias Kolb, Washington
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Diane Guerrero bei einer Aids-Benefiz-Veranstaltung im Juli 2016.

Foto: Jason Miller/AP

Nicht alle Sätze, die Melania Trump in ihrer Rede beim Parteitag in Cleveland gesagt hat, waren abgeschrieben. Unter anderem meinte die dritte Ehefrau des Präsidentschaftskandidaten der Republikaner über dessen Pläne: "Donald möchte alle Menschen vertreten. Das schließt Christen, Juden und Muslime ebenso ein wie Hispanics, Afroamerikaner und Asiaten – und auch die Armen und die Mittelschicht."

Während einer sehr düsteren, viertägigen Veranstaltung war dies wohl die netteste Aussage über Latinos in den USA. Die übrige Zeit wurden Migranten vor allem als illegale Einwanderer beschrieben, die das Sozialsystem ausnehmen und "unsere wunderschönen Frauen" vergewaltigen oder ermorden wollen. Weder Donald Trump selbst noch andere Redner gaben sich also Mühe, ihr desaströses Image (80 Prozent der Latinos haben eine schlechte Meinung über ihn) zu verbessern. Die Videos aus Cleveland werden damit den Aktivismus mindestens einer Frau weiter befeuern: Diane Guerrero.

Guerrero spielt Maritza Ramos in der Netflix-Knast-Serie "Orange is the New Black", und die Tochter kolumbianischer Eltern ist eine von vielen Latino-Stars, die 2016 nur ein Ziel haben: Trump darf nicht Präsident werden. Kurz vor dem Republikaner-Parteitag trat die 30-Jährige bei einem Abendessen des Jahrestreffens von Lulac ("League of United Latin American Citizens") auf. Wenige Stunden zuvor war Hillary Clinton dort von Tausenden Latinos bejubelt worden. Auch Guerrero wird für die Demokratin stimmen.

Uns erklärte sie vor der Gala-Rede  ihre Botschaft an junge Latinos: "Die Devise ist einfach: Beteiligt euch. Überprüft, ob ihr als Wähler registriert seid und redet mit euren Verwandten darüber. Ich will ihnen klarmachen, dass sie die genau gleichen Chancen haben wie alle Weißen, und dass sie mehr denn je gebraucht werden – heute, wo dieses Land so geteilt ist."

"Ich dachte, alle Amerikaner sind weiß"

Guerrero hat sehr persönliche Gründe, sich gegen die Dämonisierung von Einwanderern zu wehren. In ihrem gerade erschienenen Buch "In the Country we love" beschreibt sie, wie sie als 14-Jährige eines Tages nach Hause kam: Ihre Eltern und ihr Bruder waren gerade verhaftet worden und standen vor der Deportation nach Kolumbien. Diane war als Einzige in den USA geboren und konnte daher bleiben – Verwandte und Freunde kümmerten sich um sie, während sie weiter zur Schule ging. Von Seiten der Regierung gab es keine Hilfe.

"Es war eine grauenvolle Zeit, in der ich mich sehr alleingelassen fühlte, obwohl meine Eltern mich immer darauf vorbereitet hatten, dass dieser Fall eintreten kann", sagt Guerrero. Aus dem Mund einer erfolgreichen Schauspielerin könnte das eine Phrase sein oder Koketterie. Bei Guerrero bedeute es: mehrere Suizidversuche. Jahrelange ging sie zur Therapie, um diese Episoden zu verarbeiten. "Eine Zeit lang gab es oft Streit mit den Eltern, weil ich sie immer angeschrien habe, dass sie mich im Stich gelassen habe. Das war sehr hart, denn unter Latinos ist der Respekt gegenüber den Eltern sehr wichtig."

Dass sie sich entschlossen habe, ihre Familiengeschichte so öffentlich auszubreiten, liege am für sie schockierenden Erfolg von Donald Trump, erklärt sie: "Ich konnte nicht länger schweigen. Millionen Familien in den USA könnten zerrissen werden durch diese Deportationen, und ich will deutlich machen, welche traumatisierenden Folgen das hat."

Weil "Orange is the New Black“" so erfolgreich ist, habe sie nun eine Plattform und auch eine Verpflichtung, sagt Diane. Sie wolle jungen Einwanderern zeigen, dass es normal sei, sich unsicher zu fühlen – und zugleich, dass es dafür keinen Grund gibt: "Als ich aufwuchs, hatte ich das Gefühl, mich verstecken zu müssen. Als junge Frau fiel es mir schwer, zu meinen Entscheidungen zu stehen, weil ich dachte, dass ich nur übergangsweise in den USA bin. Ich dachte, alle Amerikaner sind weiß. Erst als ich merkte, dass dies ein Land voller Einwanderer ist und immer war, wurde ich selbstbewusst. Wir Migranten machen Amerika besonders."

Dass sie heute keine Probleme damit hat, ihre Meinung klar und deutlich auszusprechen, beweist dieser Clip aus der Nightly Show mit Larry Wilmore. Dieser fragt sie in Anspielung auf die aktuelle Staffel von OITNB, ob sie 100 Mäuse essen würde, um zu verhindern, dass Trump jemals Präsident werde. Guerreros Antwort: "Ich würde auch Sch**e essen."

Weil ihre Botschaft an die jungen Latinos ("Geht wählen") so klar ist, fragen wir sie zum Ende des Interviews, ob sie auch eine Botschaft an Donald Trump hat – jenen Mann, der die US-Gesellschaft so spaltet. Guerrero lacht auf und meint dann: "Ich habe ihm absolut nichts zu sagen! Ich konzentriere mich auf die unentschlossenen Wählerinnen und Wähler. Also etwa an alle, die noch verärgert sind, weil Bernie Sanders nicht das Rennen gemacht hat. Es ist ganz klar: Wir müssen jetzt zusammenhalten, denn es gibt nur zwei Optionen: Hillary oder Donald. Ich sage: Ihr müsst euch alle beteiligen oder etwas sehr, sehr Schlimmes wird passieren."

 

"Danke Donald Trump"

 

Nach bisheriger Planung wird Guerrero nicht beim Demokraten-Parteitag auftreten – dafür werden die Sängerin Demi Lovato und andere Schauspielerinnen wie Eva Longoria ("Desperate Housewives") oder America Ferrera ("Ugly Betty") zu den Delegierten sprechen. Ferrera hat wie Guerrero einen offenen Brief geschrieben – die Überschrift "Danke Donald Trump". Sie macht darin klar, dass sie optimistisch ist, dass sich wegen des polarisierenden Milliardärs nun Millionen junge Latinos für Politik interessieren und sich keineswegs für die Republikaner engagieren werden.

 

Beim SXSW-Festival in Austin präsentierte Ferrera außerdem eine App namens Voter Pal (Details hier), mit der man einen Antrag auf Registrierung als Wähler stellen kann. Beim Lulac-Treffen in Washington, wo Guerrero auftrat, wurde eine andere App ("Opurtinidad" ) mit dem gleichen Ziel präsentiert. Die große Mehrheit der Latinos ist jünger als 30, insofern sind sie am besten via Smartphone zu erreichen.

 

Sollte sich das Image von Trump unter den Latinos (sie stellen etwa 17 Prozent der gesamten Wähler) und den Schwarzen (knapp 13 Prozent) bis zum Wahltag am 8. November nicht verbessern, dann sollte es Hillary Clinton ins Weiße Haus schaffen. Hilfreich wäre es, wenn der Parteitag in dieser Woche (Stargäste: Bernie Sanders, Barack Obama, First Lady Michelle) reibungslos abläuft.

 

Linktipps:

 

Wer noch mehr über die Lebensgeschichte von Diane Guerrero erfahren will, der sollte ihren Gastbeitrag in der LA Times  nachlesen oder das 22 Minuten lange Gespräch  nachhören, das sie mit dem sehr tollen Podcast "Latino USA" geführt hat. Und alle Artikel der Kollegen von SZ.de zur US-Wahl (und das sind sehr viele) findet ihr hier

 

Mehr zu Trump und den US-Wahlkampf findest du hier:

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