"Trump stalkt Hillary auf der Bühne!"

Wie das Netz auf die TV-Debatte reagiert – von Grusel-Trump bis zu dem Mann aus dem Publikum, den jetzt alle lieben.
Von Nadja Schlüter
Foto: Screenshot

Den ersten Hashtag hat diese Debatte schon, da hat noch keiner der Kandidaten ein Wort gesagt: #nohandshake. Denn Clinton und Trump geben sich nicht die Hand. Keiner von beiden macht Anstalten. Lob bekommt dafür aber vor allem Clinton, der Tenor ist: „Die Frau reicht dem Frauenhasser nicht die Hand – finden wir gut!“ 

Mit dem dazu passenden Thema geht es dann auch direkt los: Moderator Anderson Cooper von CNN spricht das Video an, in dem Trump sich brüstet, als Promi jeder Frau in den Schritt fassen zu können. Trump verteidigt sich, und zwar mit den gleichen Worten, die er schon in seinem ersten Statement nach der Veröffentlichung gemacht hat: Es sei bloß „locker room talk“ gewesen. Er sagt das ein Mal. Zwei Mal. Drei Mal. Sehr oft. Und die Tweets häufen sich. "Locker Room Talk" trendet die ganze Debatte über auf Twitter.

Dass Trump dabei wieder genauso häufig die Nase hochzieht, wie schon während der ersten Debatte, geht fast unter. Aber trotzdem freuen sich einige über:

Eine Twitter-Userin hat diesmal aber auch eine Erklärung dafür: Trump habe keine generellen Probleme mit seinem Atem, sondern nur Probleme damit, ihn zu kontrollieren. Und das komme immer dann vor, wenn jemand nervös sei… 

Währenddessen wird der Schlagabtausch zwischen Clinton und Trump zum Thema „sexuelle Belästigung“ fieser. Nachdem Trump gesagt hat, bei ihm seien es „just words“ gewesen, aber bei Bill Clinton "actions" (mehr über die Vorwürfe in diesem SZ.de-Text), macht dieses Foto von Clinton die Runde, der selbstverständlich im Publikum sitzt:

Apropos Gesichter: Die erste halbe bis dreiviertel Stunde Twitter-Reaktionen ist geprägt von Reaction-Gifs die vor allem Fassungslosigkeit oder Fremdscham zeigen:

Und ein Gif illustriert besonders gut, wie schmutzig es zugeht:

Bei dieser Debatte können die beiden Kandidaten die Bühne ganz „bespielen“: Während sie beim ersten TV-Duell hinter ihren Redner-Pulten stehenbleiben mussten, dürfen sie jetzt umhergehen. Das ist üblich beim Townhall-Format, bei dem Fragen aus dem Publikum gestellt und von den Kandidaten direkt beantwortet werden. Clinton macht das nur, wenn sie spricht – Trump aber macht es die ganze Zeit. So entstehen eine Menge Fernsehbilder, auf denen er hinter Clinton steht, während sie auf eine Frage antwortet. Und das finden die Twitter-Nutzer ziemlich gruselig. Es sähe aus, heißt es immer wieder, als sei Trump ein „hoverer“, würde also bedrohlich über Clinton schweben, wie ein Raubvogel, der gleich niederstößt. Oder als würde er sie stalken. Und Hillary Clinton wurde wiederholt gewarnt: "BEHIND YOU!"

Zum Glück gibt es dann aber auch noch ein Bild, das zu einem sehr lustigen Meme taugt: Eines, auf dem beide Kandidaten gleichzeitig reden (denn Trump unterbricht Clinton auch dieses Mal sehr häufig). Und auf dem sie auf Twitter zu einem Gesangsduo werden:

Bevor wir’s vergessen, waren da natürlich auch noch die Moderatoren und das Publikum. Anderson Cooper tauchte vor allem in Form dieses Gifs auf, weil angenommen wurde, dass er so oder so ähnlich nach der Debatte aussehen wird (oder immer dann, wenn er gerade nicht im Bild ist):

Seine Co-Moderatorin Martha Raddatz handelte sich sowohl Lob als auch Kritik ein, als sie Trump in der Diskussion um eine Strategie für Syrien herausforderte:

Und das Publikum? Kam anfangs kaum zu Wort und wurde wiederholt um Ruhe gebeten, wenn es auf eine Aussage reagierte. Die Funktion der Zuschauer für die ganze Sache wurde darum schon angezweifelt:

Später wurden dann zwei Männer doch noch ein bisschen berühmt. Das Publikum beim Townhall-Format besteht aus Wählern, die angeben, sich noch nicht entschieden zu haben, wen sie wählen. Dieser Mann sorgte auf Twitter allerdings als der „not so undecided dude“ für Belustigung:

Und ganz zum Schluss bittet ein Herr namens Karl Becker: „Nennen sie eine positive Sache, die Sie am anderen respektieren.“ Weil die Kandidaten darauf etwas Nettes übereinander sagen müssen (Clinton sagt, sie respektiere Trumps Kinder, Trump sagt, er respektiere, dass Clinton eine Kämpferin ist) endet der Cage Fight doch noch ein bisschen versöhnlich. Das Internet liebt den Mann sofort und seine Tochter platzt vor Stolz. Weder Hillary Clinton noch Donald Trump gewinnt diese Debatte. Der Sieger heißt: Karl Becker.

Und falls du die erste TV-Debatte verpasst hast, kannst du hier nachsitzen:

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