1440 Euro brutto für die Friseurin

Sarah, 23, ist Friseurin. Sie kann sich keinen besseren Beruf vorstellen, wünscht sich aber mehr Anerkennung.
Protokoll von Berit Dießelkämper
job friseurin
Collage: jetzt

Was der Beruf mit meinem Privatleben macht

Die körperliche Belastung war besonders am Anfang groß, schließlich stehe ich den ganzen Tag. Abends taten mir die Beine, Arme und der Rücken weh. Mit der Zeit habe ich mich aber daran gewöhnt. Manchmal geht die Arbeit auch nach dem Feierabend noch weiter, wenn Familienmitglieder sich einen neuen Haarschnitt wünschen. Das mache ich naturlich auch, aber irgendwann brauche ich Feierabend und meine Ruhe, besonders an Tagen, die sehr anstrengend und chaotisch waren.

Was ich wirklich tue

Meine Arbeitstage laufen meist sehr ähnlich ab: Die Schicht beginnt um 8 Uhr morgens und endet um 18 Uhr. Dazwischen habe ich eine feste Mittagspause von mindestens einer Stunde. Meine Hauptaufgabe ist die Kundenbetreuung – Beratung, waschen, schneiden, föhnen und hochstecken. Seltener sind kosmetische Behandlungen oder Warenbestellungen.

Was mir an meinem Beruf besonders gut gefällt, ist, dass ich direkt Feedback bekomme. Ich mag es, Veränderungen an den Kunden zu sehen. Natürlich merke ich auch, wenn jemand nicht zufrieden ist, aber trotzdem sagt, es sei super. Das ist kein gutes Gefühl. Manchmal frage ich beim nächsten Mal nach: „War das letztes Mal wirklich gut, oder heute lieber was anderes?“ Mir ist es wichtig, dass die Kunden zufrieden den Laden verlassen. 

Wie ich dazu gekommen bin

Für mich gab es immer zwei Traumberufe: Floristin oder Friseurin. Nach meinem Realschulabschluss habe ich erst einmal eine EQJ, eine Einstiegsqualifizierung Jugendlicher, als Schauwerbegestalterin gemacht. Das hat mir dann doch nicht gefallen und ich habe ein Langzeitpraktikum bei einem Friseur begonnen. Aus dem Praktikum wurde eine Lehrstelle.

Durch meine Vorkenntnisse konnte ich schon im zweiten Lehrjahr ganz normal im Betrieb mitarbeiten. Sonst übernimmt man zunächst nur kleinere Aufgaben, bevor man Haare schneiden darf. Danach wurde ich direkt übernommen.

Der Spruch auf der Party

Auf Partys muss ich immer direkt für eine Stilberatung herhalten: „Welche Farbe würdest du bei mir machen?“ Auch sehr häufig ist die Frage: „Ich muss am Wochenende zu einer Hochzeit, kannst du mir die Haare hochstecken?“

Ich mache meinen Beruf wirklich gerne, aber das ist schon nervig, ein Teil von mir ist dann immer bei der Arbeit. Ich sage dann, „Melde dich bei uns im Laden, da machen wir das!“. Immerhin habe ich dort auch das Equipment und kann die Person viel besser beraten.

Was ich verdiene

Als festangestellte Friseurin verdiene ich 1440 Euro brutto im Monat. Da kommen monatlich nochmal zwischen 100 und 150 Euro Trinkgeld oben drauf. In manchen Friseurläden gibt es eine Provision. Wer viel Umsatz macht, der bekommt dann anteilig mehr Geld. Das gibt es bei uns allerdings nicht.

Mit meinem Gehalt komme ich gut aus, ich muss aber schon sorgfältig planen. Ich wohne mit meinem Freund zusammen und wir teilen uns die Miete, das macht vieles einfacher. Mit einer eigenen Wohnung, Auto und allen Versicherungen würde es echt knapp werden.

Was ich mir wünsche

Vor einiger Zeit war ich bei einem Friseur in Berlin – ich wollte sehen, was dort anders ist. Es war deutlich ruhiger, der Friseur konnte sich richtig Zeit nehmen. Dafür bezahlt man auch einen höheren Preis. Wir können natürlich nicht den Haarschnitt einfach zehn Euro teurer machen, dann kommen gar keine Kunden mehr. Der Preiskampf ist hart und geht auf Kosten der Gehälter.

Ganz grundsätzlich wünsche ich mir mehr Anerkennung und Akzeptanz für den Beruf als Friseurin, nicht nur in Form von Geld. Was ich mache wird häufig schlechtgeredet, nicht zuletzt wegen der miesen Bezahlung. Dann heißt es, „Sie ist nur eine Friseurin“. Dabei wird außer Acht gelassen, dass es wirklich viele verschiedene Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Für meine eigene Karriere wünsche ich mir zum Beispiel eine Weiterbildung zur Visagistin. 

Und was verdienen die anderen so?

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