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Masskrüge und Sangria-Eimer sind die SUVs des Trinkens

Eigentlich braucht sie kein Mensch, hermachen sollen sie aber natürlich was.
Von Josef Wirnshofer
  • trinkolumne ballermann
    Illustration: Federico Delfrati

Die Alkolumne handelt vom Trinken. Von den schönen und schlechten Seiten dieses Zeitvertreibs und den kleinen Beobachtungen und Phänomenen an der Bar. Aber egal, worum es grade geht, lieber Leser – bitte immer dran denken: Ist ungesund und kann gefährlich sein, dieser Alkohol.

 

Es war bestimmt nett gemeint, das will ich gar nicht bezweifeln. Letztens, ein Freund von mir feierte Geburtstag: Nachdem die ersten Drinks getrunken waren, das Begrüßungstrara rum war, setzte er sich, wollte gerade sein nächstes Getränk bestellen, aber klonk – stellten ihm zwei seiner Gäste eine Eineinhalb-Liter-Kanne Mai Tai vor die Nase. Sollte wohl ein Zeichen der Freundschaft sein. Sollte wohl heißen: Die übliche Menge Mai Tai reicht nicht aus, um zu zeigen, wie sehr wir dich mögen.

 

Dass so ein großes Glas verdammt unpraktisch ist? Egal. Dass eineinhalb Liter spätestens nach der Hälfte nur noch fad schmecken? Geschenkt. Dass man die verbleibende Hälfte hinunter zwingen muss, obwohl man vielleicht etwas ganz anderes trinken wollte? Scheiß drauf. Hauptsache viel.

 

Große Trinkgefäße, so kommt mir das manchmal vor, sind die SUVs des Nachtlebens. Braucht kein Mensch, tut's kleiner genauso – trotzdem scheinen manche demonstrieren zu müssen, dass sie zumindest in dieser Hinsicht den oder das Größte haben.  

 

Der Mai-Tai-Humpen von neulich mag eine Ausnahme sein. Definitiv keine Ausnahme sind  Masskrüge, egal ob im Wiesn-Zelt oder im Biergarten. Ist ja die einzig gültige Trinkeinheit dort. Hat bekanntermaßen auch Tradition, dass man sich gegenseitig vorrechnet, wie viele Maß man sprichwörtlich reingelitert hat. Aber mal ehrlich: Das letzte Drittel einer Mass schmeckt doch immer mehr nach Pflicht als nach Spaß. Und optisch erst! Wenn ich im Bierzelt sitze und durch die Reihen schaue, fühle ich mich manchmal wie eine Bierkuh unter Bierkühen, jede ihren Trinkeimer vor sich.

 

Eimer – da wären wir beim nächsten Beispiel, beim Luzifer unter den Trinkgefäßen: dem Sangria-Eimer. Letztlich völlig egal, welcher Alkohol da drin ist, Hauptsache viel und mit ausreichend Strohhalmen bestückt. Nach der ersten halben Stunde möchte man ohnehin nicht mehr so genau wissen, was in dem Eimer ist.

 

Soll jetzt nicht heißen, dass man sein Bier, seinen Sangria, sein Was-auch-immer am besten nur aus betulichen Gläschen schlürft, den Finger schön abgespreizt. Soll nur heißen: Mir fällt kein einziger Vorteil ein, den solche XXL-Gefäße haben könnten. Dafür sehr überzeugende Nachteile. Zum Beispiel, dass man mit eineinhalb Litern Mai Tai nunmal eine Weile beschäftigt ist und deshalb womöglich keine anderen Drinks mehr probieren kann. Oder eben, dass Alkohol in so großen Gläsern irgendwann nicht mehr schmeckt.

 

Vor einiger Zeit haben manche Clubs und Bars in München angefangen, ihr Bier nicht mehr als Halbe zu verkaufen, sondern in Nulldreierflaschen. In München an der Biereinheit schrauben: gewagtes Unterfangen. An der Theke war deshalb immer wieder grantiges Gemurmel zu hören. Dass die kleinen Flaschen ein Witz seien, mehr Kölsch als Bier. Inzwischen höre ich das kaum mehr. Wahrscheinlich hat man sich daran gewöhnt, dass Bier in Nulldreierflaschen nicht weniger betrunken macht – aber auch der letzte Schluck noch schmeckt.

 

Der Freund von mir hat seinen XXL-Mai-Tai neulich übrigens stehen gelassen. Nach etwa zwei Dritteln wollte er nicht mehr. Von den anderen Gästen hat sich dem angewärmten Zeug auch keiner erbarmt.

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