Wer zusammen feiert, bleibt zusammen!

Unsere Autorin ist überzeugt: Gemeinsam durchzechte Abende stärken jede Beziehung.
Von Tami Holderried
Illustration: Federico Delfrati

Die Alkolumne handelt vom Trinken. Von den schönen und schlechten Seiten dieses Zeitvertreibs und den kleinen Beobachtungen und Phänomenen an der Bar. Aber egal, worum es grade geht, lieber Leser – bitte immer dran denken: Ist ungesund und kann gefährlich sein, dieser Alkohol. 

Es gibt diesen Spruch, der vor allem auf Instagram und anderen Plattformen immer wieder als Meme kursiert: „Couples who train together, stay together!“ Heißt übersetzt: „Paare, die zusammen trainieren, bleiben zusammen!“ Ich halte das für Schwachsinn, aber darum soll es hier nicht gehen. Ich habe eine andere Theorie, die meiner Meinung nach viel mehr Potential hat. Sie lautet: Paare, die zusammen feiern, bleiben zusammen.

Mein Freund und ich kannten uns gerade mal einen Monat, als sich ein entspannter Barabend mit einem gemeinsamen Freund spontan in ein Besäufnis verwandelte. Von „aber nur ein Drink“ hatte es sich in Richtung „zwei Drinks, zwei Bier und fünf Jägermeister“ entwickelt. Wir waren also stattlich angetrunken. Auf dem Heimweg wurde ich schrecklich sentimental. Mein ganzer Weltschmerz blubberte aus mir heraus, zusammen mit ein paar Tränen. Nicht einer meiner stolzesten Momente, weshalb ich mich am nächsten Tag auch sehr, sehr dafür geschämt habe. Es stellte sich jedoch heraus: Mein Noch-nicht-Freund fand meine betrunkene Sentimentalität nicht schlimm. Im Gegenteil: Er sagte mir hinterher, dass er es richtig gut fand, auch diese sehr betrunkene Seite von mir kennenzulernen.

Denn es ist nunmal so, und Achtung, jetzt kommen zwei Phrasen: Alkohol lockert die Zunge. Und: Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit. Und weil das irgendwie stimmt, lernt man sich beim gemeinsamen Feiern ungefiltert kennen. Man erzählt sich Dinge, die man sonst vielleicht verheimlicht hätte, aus Scham oder Unwohlsein. Man bekommt Dinge erzählt, die man von seinem Partner nicht wusste. So kommt man sich näher.

Zusammen feiern bedeutet: Sich in seinen besten und schlechtesten Momenten kennenzulernen

Näher kommt man sich aber nicht nur, weil man betrunken verdammt ehrliche und tiefgründige Gespräche führt, sondern auch, weil gemeinsames Feiern an sich enorm zusammenschweißt. Zusammen tanzen, zusammen trinken, zusammen katern (und vielleicht kotzen) – das sind die Säulen einer Beziehung. Wer schon gemeinsam Backstreet-Boys-Songs gegrölt hat, zusammen die miese Entscheidung getroffen hat, doch noch einen Tequila zu trinken, am nächsten Morgen mit pochendem Kopfschmerz und flauem Gefühl im Magen nebeneinander aufgewacht ist und sich immer noch mag, den bringt so schnell nichts mehr auseinander. Wer dem Partner die Haare aus dem Gesicht gehalten hat und danach noch genau so verliebt ist wie vorher, der hat ein neues Beziehungslevel erreicht.

Denn sind wir mal ehrlich: Betrunken können wir zwar sehr, sehr lustig sein, aber eben auch sehr, sehr komisch. Ganz zu schweigen vom Tag danach. Zusammen feiern bedeutet also auch: Den anderen in seinen besten und in seinen schlechtesten Momenten kennenzulernen.

 

Manchmal merkt man aber: Oha, feiern, das funktioniert bei uns irgendwie nicht. Manche entschließen sich dann, das einfach nicht mehr zusammen zu tun. Für eine Weile kann das gutgehen, aber niemals auf Dauer. Denn wer seinen betrunkenen Partner nicht ausstehen kann, mag ihn früher oder später auch nüchtern nicht mehr. Er ist ja kein anderer Mensch, nur weil er betrunken ist. Wenn er betrunken ein Arsch ist – naja, dann sind die Chancen ziemlich hoch, dass er nüchtern eigentlich auch ein Arsch ist. Heißt natürlich nicht, dass man alles gut finden muss, was der Partner betrunken so anstellt. Heißt nur, dass es ein schlechtes Zeichen ist, wenn einem alles, was der Partner betrunken anstellt, peinlich ist. 

 

Klar, es gibt noch ganz viele andere Möglichkeiten, sich in einer Beziehung näher zu kommen. Und manchmal funktioniert das Ganze auch, wenn einer von beiden gar nichts trinkt. Solange derjenige sich trotzdem aufs Feiern einlassen kann – und ziemlich tolerant ist. Aber wer überhaupt nicht zusammen feiern geht, der verpasst was. Gemeinsames, wildes Tanzen zum Beispiel. Die tiefgründigen, alkohol-vernebelten Gespräche auf dem Weg nach Hause. Das „Schlimmer kanns nicht mehr werden“-Gefühl, wenn man neben dem Partner auf den Badezimmerfliesen hockt. Wie verdammt romantisch ist das eigentlich?

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