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Warum werden Pflegekräfte so oft respektlos behandelt?

Unter #RespectNurses erzählen Pfleger*innen von ihren üblen Erfahrungen.
Von Magdalena Pulz
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Pflegekräfte fordern in den sozialen Medien einen besseren Umgang - auch von Patient*innen.

Fotot: Sven Hoppe / dpa

Du hast doch Abitur, warum putzt du Ärsche?“, „Na dich würde ich ja auch mal gerne ficken“, „Haben sie das Medizinstudium nicht geschafft?“ Pfleger*innen müssen offenbar immer wieder herablassende Sprüche oder sogar sexuelle Übergriffe aushalten – und zwar ausgerechnet von den Menschen, die eigentlich von ihnen abhängig sind: Patient*innen. Viele Pfleger*innen sammeln daher zur Zeit ihre Erfahrungen auf Twitter unter dem Hashtag #RespectNurses. Den Tweets zufolge sind solche Vorfälle nicht einmal ungewöhnlich, gerade von Übergriffen wird oft berichtet:

Lisa Krippner ist 28 Jahre alt und arbeitet seit 2010 in der Pflege. Über die Jahre war sie auf unterschiedlichen Stationen, hat alte Menschen ebenso gepflegt wie psychisch Kranke. Sie bildete zudem andere Pflegekräfte aus. Sie hat selbst schon schwierige Interaktionen erlebt: etwa mit einem älteren Herrn, der oft „bestimmte Begrifflichkeiten“ benutzte, wie Lisa diplomatisch umschreibt. So etwas komme immer wieder vor, das wisse sie auch von ihren Auszubildenden.

Allerdings würden nicht alle Situationen von mangelndem Respekt zeugen. Oft seien gerade sexuelle Übergriffe durch die Krankheitsgeschichte bedingt: Das betrifft etwa demente Patient*innen, geistig behinderte Menschen oder Leute, die Medikamente nehmen müssen, die den Sexualtrieb beeinflussen. Darauf müssten die Krankenpfleger*innen vermehrt in Schulungen vorbereitet werden, meint Lisa. Man könne den Patient*innen nicht den Vorwurf machen, sich falsch zu verhalten. „Falsch ist nicht das richtige Wort. Patient*innen sind in einer besonderen Situation, die Stress und Hilflosigkeit auslöst.“

Generell müsse man dann „lösungsorientiert bleiben“, sagt Lisa. Es könne beispielsweise helfen, mit der Familie der Patientin oder des Patienten über das Verhalten zu sprechen und gemeinsam zu überlegen, wie man die Situation ohne Aggressionen auflösen kann. Gleichzeitig müssten aber auch die Krankenpfleger*innen unterstützt werden. „Es kommt auf die Gruppendynamik des Teams an.“ Gerade Vorgesetzte müssten ein Auge darauf haben, beobachten, wie jemand auf Vorfälle reagiert, und etwa Supervision anbieten.“ Vor allem sexuelle Übergriffe seien aber nach wie vor noch ein Tabuthema in der Pflege.

Was man wertschätzen sollte: „Professionalität – die ist für den Pflegeberuf wahnsinnig wichtig“

Tatsächlich kann respektloses Verhalten aber auch eine andere Ursache haben: Der Beruf der Krankenpfleger*innen hat durchaus und bekannterweise ein Image-Problem. Das beeinflusst auch, wie Teile der Gesellschaft mit ihnen umgeht – ob im direkten Kontakt in der Klinik als Patient*in oder indirekt, beispielsweise im Kneipengespräch über Pfleger*innen. Davon zeugen am ehesten diese Geschichten:

Dabei mangele es auch hier nicht wirklich an Respekt, wie Sabine Karg, Pressesprecherin vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBFK) sagt. Sie erklärt das so: „Eigentlich bewundern gerade Freunde oder auch Angehörige Personen, die diesen Beruf ausüben. Aber es ist oft die falsche Art von Respekt.“

Das Problem sei, dass die Leute ihre Wertschätzung für Pflegekräfte auf einem mitleidigen Gefühl basieren würden. „Da heißt es: ‚Was du machst, das könnte ich nicht!‘“ Oft gehe es da etwa um Körperpflege von Patienten. Eigentlich müsse man Krankenpfleger*innen aber wegen einer anderen Komponente des Pflegeberufs anerkennen: „Professionalität – die ist für den Pflegeberuf wahnsinnig wichtig.“ Je besser die Qualität in der Pflege sei, desto geringer sei das Sterberisiko der Patienten, so Karg.

Und da ist das Problem: Wie die Öffentlichkeit Pflegekräfte wahrnehme, sei wichtig, sagt Karg. „Hätte der Beruf eher das Image ‚selbstbewusste, professionelle Pflegefachperson‘ als ‚aufopfernde Dienstleistung‘, gäbe es vielleicht mehr Zulauf von jungen Menschen.“ Aufgrund des Fachpersonenmangels werden gute ausgebildete Pflegende in allen Einrichtungen der Pflege händeringend gesucht.

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