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Irgendwann will es ja doch jeder wissen – und bucht sich für Silvester eine Reise in die Hauptstadt.

Silvester in Berlin ist ja auch was ganz Besonderes, supertoll, Böllerbürgerkrieg und Party ohne Ende. Dementsprechend gibt es auch ein paar Sätze, die so nur in der Hauptstadt fallen in der Silvesternacht – und die ihre Tücken haben. Wir haben sie gesammelt, erklärt und mit einer Handlungsanweisung versehen:

1. „Ich ruf uns mal ein Taxi. Wenn wir jetzt losfahren, sind wir um Mitternacht da!“

Wer spricht? Dein Freund Christoph, der seit einem halben Jahr in Berlin wohnt und deshalb glaubt, er wüsste nicht nur die kürzesten Strecken von A nach B, sondern hätte auch besondere Skills, um an Silvester um 23.14 Uhr ein Taxi klarzumachen. Wiederhole: Ein Taxi. An Silvester. In Berlin. Das dann auch noch pünktlich ankommt.

Was tun? Laut lachen, dann das Handy zücken und mit der App ein paar Bike-Sharing-Räder buchen.

2. „Äh, ich glaube, deine Kapuze brennt.“

Wer spricht? Der schüchterne Typ, der irgendwie schon die ganze Zeit mit euch mitläuft, obwohl keiner seinen Namen weiß.

Was tun? Ihm die Club-Mate-Flasche aus der Hand reißen und dir in den Nacken kippen. Und ihn dir dann entweder zum Rumknutschen greifen oder schnell jemand anderen finden. Gegen den Schreck – und damit die Mate gar nicht erst auf der Haut zu kleben beginnt.

3. „Stööööößchen!“

Wer spricht? Die schrill kichernde Reisegruppe aus der Nähe von Osnabrück, dick eingemummelt und mit Piccolo-Sektflaschen bewaffnet für die Schlange vorm Einlass zur Party-Meile am Brandenburger Tor.

Was tun? Freundlich zuprosten und „guten Rutsch“ wünschen, aber dir die Schadenfreude verkneifen. Denn egal, wie dein Abend noch verläuft: Besser als überhöhte Getränkepreise und Volltrunkene, die einander zu Bonnie Tyler herumschubsen, wird es auf jeden Fall.

4. „Aus Sicherheitsgründen hält dieser Zug heute nicht im Bahnhof Friedrichstraße.“

Wer spricht? Die BVG-Durchsagestimme in der U6, irgendwo zwischen leicht genervt und angezwitschert vom ersten Sektchen mit den Kollegen.

Was tun? Wenn du eh weiterfahren willst nach Kreuzberg: nichts. Wenn du hier umsteigen wolltest Richtung Warschauer Straße: Erst ärgern, dann freuen (siehe nächste Frage). Aber was tust du überhaupt in der U-Bahn? Die Gefahr, um Mitternacht darin festzustecken, ist eindeutig zu groß.

5. „Lass’ mal zur Warschauer fahren!“

Wer spricht? Ein paar deiner Mit-Silvester-Touristen aus Stuttgart, die heute Abend noch so richtig eskalieren wollen, am liebsten natürlich im Berghain.

Was tun? Ramm die Beine in den Boden. Neinneinnein. Auf gar keinen Fall willst du heute in der Nähe der Warschauer Straße sein, vor allem nicht um Mitternacht, wenn dir dein Leben / Augenlicht / Trommelfell lieb ist. Gleiches gilt für Neukölln, vor allem rund um den Hermannplatz.

6. „Ich hab kein Neeeeeetz!“

Wer spricht? Du beim Versuch, erst deiner Mama ein frohes neues Jahr zu wünschen und dann per Whatsapp den anderen Bescheid zu sagen, wo ihr seid.

Was tun? Vergiss es. Hat Deutschland auch sonst schon eine schlechtere LTE-Versorgung als Albanien, wie eine aktuelle Studie zeigt, ist Berlin am Abend des 31. Dezember einfach nur ein großes schwarzes Telekommunikationsloch. Deshalb: Abwarten und Trinken! Digital Detox hast du als Vorsatz fürs neue Jahr damit schon mal abgehakt.

7. „Wir feiern noch bei uns weiter, kommt ihr mit?“

Wer spricht? Die Leute, die zufällig neben euch standen, als ihr um Mitternacht am Mehringdamm gestrandet seid. Erst haben sie euch gezeigt, dass man im Viktoriapark super Feuerwerk gucken kann – und jetzt laden sie euch zum Weitertrinken ein. Win-win!

Was tun? Ja sagen! Spontane Hauspartys bei Leuten, die man gar nicht kennt, sind immer noch die besten. Vor allem in Berlin und vor allem an Silvester, wo jede vorab geplante Party an den hohen Erwartungen an sie scheitert. Aber Achtung: Die üblichen Alarmglocken sollten natürlich auch hier in Bereitschaft sein, schließlich geht man immer noch mit fremden Leuten nach Hause.

8, „Ab morgen nur noch vegan!“

Wer spricht? Deine beste Freundin, die diese Ankündigung alle Jahre wieder macht, diesmal aber mit besonderer Ernsthaftigkeit – sie fühlt sich unter Druck gesetzt von all den überschlanken Hipstermädchen mit Chia-Porridge, die euch heute Morgen beim Frühstücken im Café umringt haben .

Was tun? Sie drücken und sagen: Das schaffst du. Und dich auf gar keinen Fall über sie lustig machen, wenn sie nachher wieder unbedingt auf eine Bio-Wurst zu Curry36 will.

9. „Komm, wir nehmen den 106er-Bus, der ist bestimmt nicht so voll!“

Wer spricht? Wieder Christoph, der jetzt unbedingt noch in den Wedding will und meint, den ultimativen Öffi-Trick gefunden zu haben.

Was tun? Ihm erklären, dass der 106er-Bus zwar ein super Weg ist, um ohne Umsteigen von Süden nach Norden zu fahren, aber zum einen an Silvester regelmäßig unterbrochen wird. Und zum anderen fährt er durch einen bestimmten Teil von Schöneberg, der regelmäßig mit Warschauer Straße und Kotti mithalten kann: Gesprengte Bushaltestelle, mit Raketen beschossene Polizisten, mit Böllern beworfene Autos, Passanten und: Busse. Dann lieber wieder U6.

10. „Hat echt keiner von euch was dabei?! Und das Sisyphos hat auch schon vor drei Stunden aufgemacht! “

Wer spricht? Die Stuttgarter lassen nicht locker und sind kurz davor, einen Kurzwahlbefehl fürs Kokstaxi einzurichten.

Was tun? Erst mal ausschlafen und die anderen anstehen lassen. Die Party im Sisyphos geht schließlich noch bis zum 4. Januar – und dann wird's erst richtig gut.

11. „Vorsicht, Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands!“

Wer spricht? Einer der verkleideten Soldaten am Checkpoint Charlie, der sich bei näherem Hinsehen als beschwipster Boris Palmer entpuppt.

Was tun? Ihm einen Platz zum Auskatern und eine Mitfahrgelegenheit Richtung Süden anbieten. Aber nur, wenn er verspricht, Berlin jetzt endlich mal in Ruhe zu lassen.

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