"Der Prinz von Bel Air" gehört in den Popkultur-Kanon

Bisschen billig, bisschen prollig und bestens geeignet zum Binge Watching.
Von Nadja Schlüter

Die Serie

Als erstes muss man (und wird man) das Intro kennen (und dann tagelang einen Ohrwurm haben):

In diesem Song erklärt Hauptdarsteller Will Smith eigentlich schon alles, was man über die Neunziger-Jahre-Sitcom "The Fresh Prince of Bel Air" (im Deutschen besser bekannt als "Der Prinz von Bel Air") wissen muss oder zumindest über ihre Vorgeschichte. Aber hier trotzdem noch mal eine Zusammenfassung ohne Slang-Einschlag: Der 17-jährige Will Smith (gespielt von, wissen wir ja schon: Will Smith) ist ohne Vater in Philadelphia aufgewachsen und gerät dort auf der Straße in einen Streit, woraufhin seine Mutter Viola (Vernee Watson-Johnson) sich so große Sorgen um seine Zukunft macht, dass sie ihn von der Ost- an die Westküste schickt. Denn in Los Angeles, im feinen Stadtteil Bel Air, lebt ihre Schwester Vivian (Staffel 1 bis 3: Janet Hubert-Whitten, und  Staffel 4 bis 6: Daphne Mawell Reid), Hochschulprofessorin für Literatur und verheiratet mit dem Anwalt und späteren Richter Philip Banks (James Avery). In deren nobler Villa mit Poolhouse soll Will behütet erwachsen werden und an der Bel Air Academy seinen Highschool-Abschluss machen. 

Die Serie selbst steigt erst nach Wills Umzug ein: Er lebt jetzt also in Bel Air bei Tante und Onkel, kabbelt sich mit seinem versnobten Cousin Carlton (Alfonso Ribeiro), seiner schrecklich verwöhnten und naiven Cousine Hilary (Karyn Parsons) und dem vollzeitgenervten Familien-Butler Geoffrey (Joseph Marcell), ist ein schlechter und dann doch wieder guter Einfluss für seine jüngste Cousine Ashley (Tatyana M. Ali), brüskiert die gesamte Familie mit seinem in eher zwielichtigen Kreisen verkehrenden Freund Jazz (DJ Jazzy Jeff) und flirtet jede Frau an, die ihm über den Weg läuft. Die Charaktere sind herrlich überspitzt, die Dialoge schnell und witzig, die Mode ist unfassbar trashig, die Running Gags hat man nach zwei Folgen verinnerlicht und Will Smith bewegt sich dauernd wie ein tanzender Slapstick-Comedian auf Koks (Beispiele? Gerne: hier , hier und hier). Besonders ist auch, dass damals (1990 bis 1996) noch live vor Publikum aufgezeichnet wurde, die Serie hat also einen tollen Theater-Charme.

Nicht alles in "The Fresh Prince" ist reiner Unsinn, denn im Subtext handelt die Sitcom von der afroamerikanischen Community, vom Aufstieg in die Mittelschicht, von überwundener und noch bestehender Diskriminierung. Die Vergangenheit des Ehepaar Banks in der Bürgerrechtsbewegung und ihr Wunsch, ihren Kindern (und damit auch Ziehsohn Will) eine bessere Zukunft zu bieten, spielen immer wieder eine Rolle. Will eckt bei den verwöhnten Bel-Air-Kids mit seiner Street-Credibility an und laufend gibt es Streit über die "Realness" der Afroamerikaner in Bel Air und darüber, ob Cousin Carlton nicht längst ein "Weißer" ist. In diesem Zusammenhang ist die Folge "Mistaken Identity" (Staffel 1, Episode 6) besonders zu empfehlen. In der geraten Will und Carlton mit dem Mercedes eines Kollegen von Philip in eine Polizeikontrolle und werden prompt eingesperrt, weil ihnen niemand glaubt, dass sie den Wagen nicht geklaut haben. Klassischer Fall von "Racial Profiling" also – was Carlton erst nicht wahrhaben will und was ihn schließlich völlig desillusioniert zurücklässt.

Wo findest du die Serie?

Bei Amazon als DVD-Box oder bei iTunes. Weil sie so alt ist, ist sie schön günstig zu haben: Bei iTunes kostet jede Staffel 14,99 Euro, bei Amazon gibt es sie über den Marketplace sogar schon ab 3 oder 4 Euro.

Der Zeitaufwand

Sechs Staffeln mit insgesamt 148 Folgen à 23 Minuten – macht 3404 Minuten, also knapp 57 Stunden. Mehr als ein Wochenende brauchst du also schon. Aber zum Glück kann man so eine Folge auch mal schnell zwischendurch gucken.

Wo du Zeit sparen kannst

Beim Vorspann, den kannst du ja einfach skippen, sobald du ihn auswendig mitrappen kannst. Spart 1 Minute und 30 Sekunden pro Folge. Wenn man mehr Zeit sparen will, kann man auch einfach nach Staffel 3 Schluss machen. Denn zum einen sind die Episoden ab Staffel 4 oft etwas beliebiger, weniger spitz und subtil. Und dass die tolle und charismatische Vivian-Darstellerin Janet Hubert-Whitten durch die langweiligere Daphne Mawell Reid ersetzt wurde, hat der Serie auch ganz und gar nicht gutgetan.

Womit kannst du das vor deinem Gewissen rechtfertigen

Popkulturgut! Muss (oder zumindest: sollte) man kennen! Man erlebt Will Smith in seiner besten Rolle, lernt was über die Neunziger in Amerika, die afroamerikanische Community – und zum Beispiel auch, dass Donald Trump, den hierzulande erst jetzt alle kennen, in Amerika schon damals einer der berühmtesten (und reichsten) Männer war:

So fühlst du dich am Tag danach

Sehr, sehr gut gelaunt. Und falls du eine Frau bist, denkst du intensiv darüber nach, ob dir der Style von Wills bester Freundin Jackie (gespielt von Tyra Banks) stehen könnte, weil: Der wäre heute mal so was von top-notch

 

Und jetzt?

Der Fresh Prince ist der perfekte Einstieg für eine lange, glückliche Phase mit Achtziger- und Neunziger-Jahre-Sitcoms, in der man ganz viel über einfache Witze lachen, aber nebenher auch viel über das Sitcom-Genre an sich lernen kann. Serien mit ähnlich viel relevantem Subtext, aber genauso viel Trash-Potenzial sind zum Beispiel: Full House, The Golden Girls, Who’s the Boss? (Wer ist hier der Boss?), Family Matters (Alle unter einem Dach), The Cosby Show oder Roseanne.

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