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Andrea Warnecke / dpa

Das Gute an Briefen im digitalen Zeitalter: Sie ordnen sich ganz von selbst. Je weiter eine Nachricht zurückliegt, desto weiter nach unten rutscht sie im virtuellen Stapel – und ist bald außer Sichtweite. Das kann von Vorteil sein, zum Beispiel bei einem wütenden Expartner, der einen mit Nachrichten bombardiert. Anderes dagegen würde man gerne immer wieder lesen: Die letzte Nachricht der besten Freundin. Oder den süßen Typen aus der Uni-Bib, der einen bei Facebook gefunden hat und um ein Date fragt. So oder so: Wir können selbst entscheiden, welche Nachrichten wir wann lesen.

Nicht im Falle des Facebook-Messengers. Der fing nämlich vor ein paar Tagen plötzlich an, willkürlich alte Nachrichten erneut an Nutzer zu verschicken und entsprechende Notifications aufpoppen zu lassen. Auf Twitter berichten Leute von der teils gruseligen, teils verstörenden Erlebnissen, als sie plötzlich Messages von Leuten angezeigt bekamen, von denen sie seit Jahren nichts gehört hatten. Um dann zu merken, dass die ihnen gar nicht jetzt geschrieben hatten, sondern die Nachrichten zu längst vergangenen Gesprächen gehörten.

Für einige war der Algorithmus-Schluckauf des Messengers schlimmer als für andere. Ein Twitter-Nutzer namens Adam schreibt zum Beispiel: „Danke, Facebook, dass du mir Benachrichtigungen über Messages geschickt hast, die über ein Jahr alt sind. Viele stammen von dem Tag, an dem mein Partner, Dean, verstorben ist. Und jetzt habe ich den Abend in ständiger Angst davor verbracht, was da noch so auftauchen könnte.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook seine Nutzer mit ihrer Vergangenheit heimsucht. Die berühmt-berüchtigte Jahresrückblick-Funktion etwa komponiert aus Bildern, alten Posts und Musik ein oft etwas kitschiges Video, das dem Nutzer samt Konfettiregen plötzlich angezeigt wird. Blöd nur, wenn dabei auch nicht so schöne oder gar schmerzhafte Erinnerungen sind. Wiederholt klagten Nutzer darüber, dass ihnen zum Beispiel R-.I.P.-Posts angezeigt wurden oder Fotos von schrecklichen Ereignissen in ihrem Leben, etwa der brennenden Wohnung.

An solchen Ereignissen wird deutlich: Inzwischen steckt für viele von uns das ganze Leben in Facebook. Das Netzwerk wiederum hat eine große Verantwortung, mit den Inhalten auch sensibel umzugehen. Computer stoßen bei der Beurteilung dessen natürlich irgendwann an ihre Grenzen. Im Falle der Geister-Nachrichten aus der Vergangenheit aber hat ein technisches Problem dafür gesorgt, dass Nutzer entweder einen ziemlichen Schreck bekamen – oder aber an Gespräche erinnert wurden, an die sie sich lieber nicht erinnert hätten.

Inzwischen hat Facebook das Problem offenbar behoben. Ursache soll ein Software-Update gewesen sein. Ein Sprecher des Konzerns sagte: „Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.“ Hoffentlich hat Facebook diesmal draus gelernt.

joro

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