GoFundMe zahlt 400.000 Dollar Spenden zurück

14.000 Menschen hatten einem wohl betrügerischen Obdachlosen geholfen.

Bild: Elizabeth Robertson, Philadelphia Inquirer

Vor etwa einem Jahr erzählte Katelyn McClure eine wunderschöne Geschichte: Sie war mit leerem Tank an der Autobahn liegen geblieben und hatte weder Geld noch Benzin. Da kam Johnny Bobbitt Jr. vorbei, der in einem nahegelegenen improvisierten Obdachlosencamp wohnte, riet der jungen Frau, das Auto zu verriegeln und kaufte von seinem letzten Geld für 20 Dollar Benzin. Nachdem McClure ihrem Freund Mark D’Amico davon erzählt hatte, setzte dieser eine GoFundMe-Kampagne auf, in der er und seine Freundin um Spenden für den Veteranen Bobbitt Geld sammelten. Ihr Ziel von 10.000 Dollar wurde weit übertroffen, nachdem die Geschichte weltweit von Medien und in den sozialen Netzwerken aufgegriffen wurde – und bald waren 400.000 Dollar zusammengesammelt. Mit dem Geld wollte Bobbitt angeblich ein Haus und ein gebrauchtes Auto kaufen und zudem eine größere Summe all den Organisationen spenden, die ihm in den schweren Zeiten weitergeholfen hatten. So weit, so wunderschön herzzerreißend – genau diese Sorte Geschichte, die einem den Glauben an die Menschheit zurückgibt. Unter anderem auch jetzt berichtete mehrfach über die Spendenaktion

Leider stimmte die Story nicht. Sie war eine sehr dreiste Lüge, die rauskam, als Bobbitt das Pärchen verklagte, weil sie angeblich das Geld veruntreut hatten und ihm nie etwas von dem gesammelten Geld gegeben hatten. 

Nachdem Bobbitt seine Mitkomplizen angeklagt hatte, fiel es der Polizei von New Jersey nicht weiter schwer, die Geschichte und die GoFundMe-Kampagne als Märchen zu enttarnen. Die Sache mit dem Benzin war erlogen, die drei kannten sich schon seit längerer Zeit und hatten sich zusammen diese rührende Geschichte ausgedacht, um schnell an Geld ranzukommen.

Und die Opfer dieser Lügengeschichte? Die Menschen, die genauso gutgläubig waren, wie all die Omas, die auf den Enkeltrick reinfallen? Die müssen sich jetzt mühsam ihren Glauben an die Menschheit zurückholen. Und darauf vertrauen, dass das Karma ihnen holder sein wird, als allen Betrügern und Bescheißern zusammen.

Bild: ap

Immerhin: Die Plattform GoFundMe hat inzwischen das Geld an die Spender zurück überwiesen, inklusive aller Bearbeitungsgebühren, entsprechend der Spenden-Garantie, die die Plattform ihren Spendern verspricht. Das Geld stammt vom Unternehmen selbst, denn die Spenden sind inzwischen zum allergrößten Teil weg. Das Pärchen hatte das Geld für extravagante Reisen, Shopping-Trips und einen BMW ausgegeben. Zum Teil bezahlten sie alte Schulden damit und finanzierten mit den Spenden auch Casino-Besuche. Bankauszüge zeigten, dass das Pärchen insgesamt 85.000 Dollar in Casinos in Atlantic City, Las Vegas und Philadelphia abgehoben hatte.

Inzwischen sind Bobbitt, McClure und D'Amico wegen Diebstahl angeklagt und könnten für bis zu zehn Jahre ins Gefängnis wandern.

chwa

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