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Anne Wizorek  wünscht sich, dass sich noch mehr Menschen feministisch engagieren.

Foto: Anne Koch

Nach fünf Jahren haben Anne Wizorek und ihr Team ihr Blog kleinerdrei eingestellt, mit dem jetzt auch kooperiert hat. Das Blog war eine der prägenden feministischen Stimmen im Internet. Hier nahm #Aufschrei seinen Anfang: Die Autorin Maike Hank schrieb damals unter „Normal ist das nicht“ über die kleinen sexistischen Übergriffigkeiten im Alltag.

Im Interview erzählt Anne Wizorek, was die Gründe für die Trennung sind, welcher Text sie am meisten geprägt hat – und was sie sich von den Menschen wünscht.

jetzt: Anne, nach fünf Jahren ist es vorbei mit kleinerdrei – bist du traurig?

Anne Wizorek: Auf der einen Seite schon. In den vergangenen Tagen habe ich oft melancholisch zurückgeschaut. Aber ich habe auch Lust auf neue Sachen und darauf, andere Ideen weiterzuentwickeln. Dafür war durch die ehrenamtliche Arbeit an kleinerdrei nur noch wenig Platz gewesen.

Ist das der Hauptgrund für die Trennung?  

Ja, wir konnten kleinerdrei nicht mehr weitermachen, ohne dass die Qualität gelitten hätte. Und das wollten wir nicht. In unserem Team sind einige Eltern geworden und haben jetzt weniger Zeit. Unsere Kapazitäten reichen insgesamt einfach nicht mehr und es war klar, dass sich was ändern muss. Außerdem hat sich in den vergangenen Jahren in Sachen Feminismus auch in der Medienlandschaft einiges verändert.

Inwiefern?

#Aufschrei ging ja quasi bei uns los. Seitdem gab es immer wieder wichtige feministische Debatten, unter anderem um sexualisierte Gewalt und Sexismus, geschlechtergerechte Sprache und Körperbilder. Aber es gibt auch immer mehr klassische Medien, die diese Themen aufgreifen und Debatten abbilden. Das ist erstmal super. Wobei ja leider nicht alle Beiträge zu feministischen Themen damit auch automatisch super sind – antifeministischen Müll gibt es immer noch viel zu oft. Ansonsten laufen aber auch viele feministische Debatten heute noch stärker auf Plattformen wie Instagram und eben weniger auf Blogs.

Hättest du bei der Gründung von kleinerdrei gedacht, dass sich die Plattform so gut entwickelt?

Das stand für mich weniger im Vordergrund. Ich dachte damals ja zuerst mal, dass mir selbst eine solche Plattform für feministische Themen fehlte. Den anderen aus dem späteren Team ging es auch so und deswegen haben wir kleinerdrei gestartet und direkt sehr viel positives Feedback bekommen. Besonders tut es mir weh, die Gastbeiträge loszulassen. Wir haben immer wieder tollen, auch unerfahrenen Autorinnen und Autoren die Möglichkeit geben können, sich auszuprobieren.

Kannst du dich auf ein Highlight festlegen?

Ich habe in den vergangenen Tagen viel an den ersten Text gedacht, den wir anonym von einer Gastautorin veröffentlicht haben. Sie hatte ungeschützten Sex mit einem One Night Stand und danach kam bei einer Routineuntersuchung der Verdacht auf, sie könne HIV positiv sein. Im Text beschreibt sie ihre Gedanken und das zermürbende Warten nach weiteren Tests. Mich haben der Text und ihr Vertrauen sehr berührt, aber auch unsere Leserinnen und Leser haben mich umgehauen. Die Community hat sie aufgefangen. Das war toll.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Vor allem, dass sich noch mehr Menschen feministisch engagieren. Wir leben in einer Zeit, in der wir Feminismus mehr brauchen denn je. Ich glaube auch deswegen hat der Abschied von kleinerdrei viele traurig gemacht. Aber ich hoffe, dass dadurch noch mehr Menschen anfangen, selber was zu machen statt „nur“ zu lesen. Dass sie selbst schreiben, demonstrieren und einfach laut sind gegen soziale Ungerechtigkeiten, Diskriminierungen und Gewalt.

Hier gibt es Texte von kleinerdrei: