Die Show „Saturday Night Live“ auf dem Sender NBC ist eine Institution des amerikanischen Fernsehens mit den immer gleichen Abläufen: Eine prominente Figur aus dem Entertainment ist „Host“, also Gastgeber der Show, ein weiterer Gast sorgt für die musikalische Untermalung und tritt - je nach Laune und Talent - auch in Sketchen auf. In der Show werden aktuelle politische und popkulturelle Phänomene satirisch aufgegriffen – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Nach einer mehrmonatigen Sommerpause ist die erste Show der neuen Saison (es ist die 44.) immer mit besonderen Erwartungen verknüpft. So auch am vergangenen Samstag, mit Gastgeber Adam Driver und musikalischem Gast Kanye West.

Hauptthema der Sketche war die Anhörung des Kandidaten für den Obersten Gerichtshof Brett Kavanaugh, gegen den mittlerweile drei Frauen ausgesagt haben, er habe sie während ihrer Jugend sexuell missbraucht. Im ersten Sketch wurde Kavanaugh von Matt Damon gespielt.

Kanye West wiederum, der kurz vor der Show seinen Namen in „Ye“ umgewandelt hatte und am selben Abend noch sein neues Album „Yandhi“ veröffentlichte, lieferte nach Einschätzung vieler Zuschauer einen der schlechtesten musikalischen Auftritte in der über 40-jährigen Geschichte der Show ab. 

Der ganz große Aufreger kam allerdings erst, als die Kameras nicht mehr aufzeichneten. Am Ende jeder Show versammeln sich normalerweise Musiker, Schauspieler und Mitwirkende vor der Kamera, quatschen miteinander und verabschieden sich gemeinsam vom Publikum. Am Samstag dagegen nutzte Kanye die Gelegenheit, nach Ende der Show eine seiner mittlerweile berühmten Reden zu halten. Aus der einen Sinn zu machen sich gerade sehr, sehr viele Menschen Mühe machen. 

Die Rede ist im Netz zu sehen, weil der Comedian Chris Rock im Publikum saß. sie aufnahm und auf Instagram teilte.

Kanye begann seinen Rant damit, dass die Verantwortlichen ihn backstage gebeten hatten, ohne den MAGA-Hut auf die Bühne zu gehen – für Kanye eindeutig ein Versuch, ihn einzuschüchtern und zu drangsalieren. Er verteidigte erneut seine Sympathie für Trump, beschuldigte die Demokratische Partei Amerikas, Menschen – und insbesondere Afroamerikaner - in einem System gefangen zu halten, in dem sie von staatlichen Unterstützungen abhängig seien. Er werde oft von Weißen gefragt, wie er für Trump Sympathien haben könne, wo der doch rassistisch sei. West sagte daraufhin: „Wenn mich Rassismus stören würde, wäre ich schon längst aus Amerika abgehauen.“ Außerdem sprach er erstmals wieder über seine angekündigte Kandidatur für das Präsidentenamt im Jahr 2020 und forderte seine Fans auf, nicht mehr mit ihren Gehirnen zu denken, sondern mit dem Herzen.

Die Reaktionen im Studio waren extrem zurückhaltend: er bekam viele Buh-Rufe zu hören und nur sehr vereinzelte Zustimmung und Klatscher. Die Ensemble-Mitglieder von SNL, die hinter West auf der Bühne standen, schüttelten angesichts von Wests Reden die Köpfe oder lachten verlegen.

Auch in den Sozialen Medien wurde Kanyes Auftritt diskutiert.

Einige waren von dem Auftritt so irritiert, dass sie eine Kunstperformance dahinter vermuteten. 

Vermutlich muss man noch eine Weile abwarten, bis man erfährt, was genau hinter Kanyes Auftritten steckt. 

chwa

 

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