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Auf Instagram wird die fiktive Geschichte von Ludwig und Luise erzählt. 

Foto: ZDF Info

Ludwig lebt in Berlin, Luise in München. Die beiden sind Anfang 20 und seit ihrer Kindheit befreundet. Ludwig ist in Luise verliebt. Würden die beiden heute leben, würden sie vielleicht chatten und einander Fotos schicken. Doch sie leben im Jahr 1918, der Erste Weltkrieg endet gerade, die Weimarer Republik beginnt. Ludwig und Luise schreiben sich Briefe, die auf der einen Seite eine Liebesgeschichte, auf der anderen ein Stück deutsche Geschichte erzählen.

Doch die beiden Charaktere sind reine Erfindung –  und ein Experiment von ZDF Info. Kann Storytelling so funktionieren? Der Sender publiziert die fiktiven Briefe auf dem Instagram-Account von ZDF Info, und zwar in Form einer Graphic Novel. Jeden Tag um 19 Uhr geht ein neuer Brief online, 14 Tage lang, quasi eine Soap auf Instagram. Eine ganz neue Form,  Geschichte zu vermitteln. Denn der User erfährt nicht nur, wie es mit Ludwigs Liebe zu Luise weitergeht. Ganz nebenbei kommt rüber, wie es vor 100 Jahren in Deutschland zuging, wie es war, in der Weimarer Republik zu leben, welche Ereignisse wichtig waren.

„Die Liebesgeschichte ist natürlich der Kit, aber man bekommt Geschichte subtil rübergebracht“, sagt Jonas Schlatterbeck, Abteilungsleiter Social Media  bei ZDF Digital. „Die beiden Protagonisten leben bewusst an Positionen, an denen sie viel mitbekommen: Ludwig arbeitet in einem Verlag, er hat Freunde im kommunistischen Milieu, er erlebt Rosa Luxemburg. Luise ist Großadelstochter, ihr Vater ist nationalkonservativ. Sie merkt, wie sich immer mehr vom national-völkischen Gedankengut ihrer Eltern entfernt.“

Den ersten Brief schreibt Ludwig am 11. November 1918. Sozialdemokrat Philipp Scheidemann hat gerade vom Balkon des Reichstags die „deutsche Republik“ ausgerufen. „Wie hat es denn dein Herr Vater verkraftet, dass Scheidemann uns zu einer Republik gemacht hat und es nun keinen Kaiser mehr gibt?“, fragt Ludwig seine Freundin. Er schreibt auch: „Ich hoffe, es geht dir gut. Hier ist es viel kälter als in München, und noch viel kälter ohne dich.“ Der erste Brief von Luise stammt vom 1. Januar 1919. „Endlich ist dieses unsinnige Tanzverbot vorbei“, schreibt die 22-Jährige.

Schlatterbeck hofft, dass Luise und Ludwig die User in den Bann ziehen, dass sie dranbleiben. Eine zweite Staffel ist schon in Planung, die Handlung der ersten 14 Folgen erstreckt sich über ein knappes Jahr.

In der zweiten Staffel wird unter anderem der Hitlerputsch am 8. und 9. November 1923 in München behandelt. Und die Frage: Findet Luise Ludwig vielleicht doch gut?

Innovatives Storytelling, das Geschichte vermittelt, wird immer beliebter. Der BR zum Beispiel bietet einen Chat an, in dem Kurt Eisner – Anführer der Revolution von 1918 und erster Ministerpräsident Bayerns – dem Abonnenten täglich Nachrichten aufs Handy schickt und erzählt, was vor 100 Jahren passiert ist.

soas

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