„Instagram hat auch eine eigene Show verdient“

Malte Völz präsentiert in seinem persönlichen Wochenrückblick die skurrilsten Instagram-Storys. Mit uns spricht er darüber, warum es diese Show braucht.
Interview von Lina Wölfel
malte voelz cover

Foto: WDR

Malte Völz ist 26 Jahre alt und bezeichnet sich selbst als studierter Social-Media-Chirurg (studiert laut eigenen Angaben aber Politikwissenschaften). In seinem Format „Vorsicht, Völz! Die einzig wahre Insta-Show“ auf dem Kanal von 1Live kommentiert er Instagram-Storys von Politiker*innen, Influencer*innen, Prominenten, Musiker*innen – also Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Als Plattform nutzt er dafür Instagram. 

Die Instagram-Storys dienen ihm dabei als Found-Footage. Er benutzt Material, das nicht von ihm stammt, demontiert es und stellt es in einen neuen, komischen, Zusammenhang. Man kann sich „Vorsicht, Völz! Die einzig wahre Insta-Show“ also ein bisschen vorstellen, wie TV total, gefüttert mit dem Material sämtlicher Illustrierten, der BILD-Zeitung und eben auf Instagram. 

Wir haben mit Malte darüber gesprochen, wer die besten und wer die schlechtesten Storys macht und warum es seine Show überhaupt braucht.

jetzt: Was war die beste Instagram-Story, die du je gesehen hast? 

Malte Völz: Ich liebe ja im Moment das, was Jan Hofer macht. Der hat die Reface App für sich entdeckt und stellt dann immer so lustige Fragen dazu, die nicht so richtig passen. Heute morgen zum Beispiel hat er ein Video von sich als David Hasselhoff gepostet und darunter gefragt, wem sonst noch zu heiß ist. Ich mein, das ist so nen älterer Herr, der bei der Tagesschau eigentlich als sehr seriös wahrgenommen wird, das unterhält mich sehr gut. Jan Hofer, wenn du dieses Interview liest, mach weiter! 

Und wer macht die schlimmsten?

Was mir zu viel ist, das ist der Account von Vera Int-Veen. Die macht alles so interview-mäßig, aber mit sich selbst. Das würde ich jetzt nicht als „schlimm“ bezeichnen, sondern als unangenehm langweilig. Ihre Frau fragt sie, was sie grade macht und sie antwortet „Ja ich pflücke grade Tomaten.“ Acht Storys, in denen sie Tomaten pflückt. Teilweise schau ich das zum Einschlafen. 

Dein Format erinnert stark an die Shows von Stefan Raab oder Oliver Kalkofe. Viel Glotzen, ein paar Effekte darüber und fertig ist die Show. Ist das nicht ein bisschen abgeschaut?

Nö, das würde ich nicht sagen. Man muss sich überlegen, mit welcher Haltung man da ran geht. Dafür braucht jede*r Moderator*in einen eigenen Dreh. Dann muss das Ganze auch noch lustig aufbereitet werden. Wenn die Storys schon lustig genug an sich wären, dann könnte ich die ja einfach unkommentiert zeigen. Ich mach aber keine Top-10-Show, sondern eine Satiresendung.

Warum machst du die Show?

Weil ich finde, dass Instagram auch eine Show verdient hat, die sich um die Inhalte kümmert, die auf der Plattform passieren. Also eine Show auf Insta über Insta.

In deiner Show kommentierst du die Storys von Philipp Amthor (CDU-Politiker) genauso wie die von Riccardo Simonetti (Moderator, Model, Autor). Ist es nicht willkürlich, die gleichwertig zu betrachten?

Wenn man das unter einer Humorbrille betrachtet, fragt man sich einfach, wo die Gags liegen. Und da kann nen CDU-Politiker ebenso dienen, wie ein RTL-2-Promi.  

Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen den Insta-Kanälen von CDU-Politikern und RTL II–Promis?

Manche Politiker haben schon auf Insta-Promi-Status. Wenn Philipp Amthor nicht im Bundestag säße, dann würde der locker 'ne Haarkur empfehlen, der hat ja fast 100.000 Follower*innen. Andere versuchen gerade mit bunten, herausstechenden Überschriften oder auch mal Sprüchen oder Zitaten ihren Feed ansprechender zu gestalten. Norbert Röttgen zum Beispiel. Damit arbeiten auch Promis. Vor allem welche, die ihre Follower motivieren wollen. Daniel Aminati zum Beispiel. Nur sind die Sprüche bei Daniel Aminati halt oft geiler. 

Findest du nicht, dass die “Schaut-mal-wie-blöd-Influencer*innen-sind”-Masche ausgelutscht ist? Viele erreichen Millionen Menschen, sollte man sie dann nicht ernst nehmen?

Generell kann man erstmal jede*n ernst nehmen. Wenn aber jemand mit Tausenden von Follower*innen Fake News oder Verschwörungstheorien verbreitet, dann sollte man den Leuten schon zeigen, dass das nicht geil ist und, dass diese Infos auf dem Account nicht ernst zu nehmen sind. Ich gehe ja auch weniger auf die „Kauft alle meinen neuen Lappen aus Eierschale“- Influencer ein. Es passiert viel mehr auf Instagram. Ich finde skurrile Geschichten, Storys oder Accounts viel interessanter! Der vom Umweltministerium des Saarlandes ist zum Beispiel einer davon. Mein Highlight war vor ein paar Wochen das Entdeckerbuch.

Indem du dich über die Storys an sich lustig machst, machst du dich ja auch über die Menschen lustig, die diese konsumieren. Ist das nicht etwas heuchlerisch, du bist ja selbst Konsument?

Das kann man so sehen. Ich finde, das ist Humor. Man macht sich ja über alle Leute lustig. Ich glaube, meine Zuschauer*innen können reflektieren, dass wenn ich in meiner Show Storys zeige, und danach in der Show frage „Warum schaut man sich sowas eigentlich an?“ ich auch mich selber meine und mich dementsprechend auch über mich selber lustig mache.

Am Ende macht es aber keinen Unterschied ob es ironische Views sind, oder ernst gemeinte. Die Produzent*innen bekommen Klicks. 

Ja und meine Zuschauer*innen Unterhaltung. Da hat jede*r was gewonnen. 

Was macht es mit dir, den ganzen Tag auf Instagram zu verbringen? 

Ich bin weniger unter Leuten, hab ja aber meine Freunde im Internet. Und ich denke in Snip-Its, also in Story-Länge und rede manchmal auch so. Also ich merke gerade auch im Interview, dass ich meine Antworten sehr kurz halte und versuche, Pointen einzubauen. Was mir nicht so gut gelingt, wie man merkt. 

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