Ärzt*innen posieren aus Protest in Badehose oder Bikini

Zuvor war das Posten von Bikini-Fotos auf privaten Social-Media-Kanälen in einer Studie als „unprofessionell“ gegeißelt worden.
buzz bikini cover

Foto: Ray B / @rayy_b_ / twitter

Auf der einen Seite im grünen OP-Kittel, mit Haarnetz und Mund-Nasen-Maske. Auf der anderen im Bikini oder in Badehose, mit einem Cocktail in der Hand, posierend am Sandstrand. Viele solcher Fotos kursieren derzeit auf Instagram und Twitter unter dem Hashtag #MedBikini. Mit Captions wie „Ich trage meinen Arztkittel nicht auf Hawaii“ und „Ich kann anziehen, was immer ich will“ wollen Ärzt*innen ihre Selbstbestimmtheit demonstrieren.

Der Auslöser für die Aktion ist eine umstrittene Studie, die im Dezember 2019 im Journal of Vascular Surgery, einer medizinischen Fachzeitschrift, publiziert wurde. In dieser untersuchten Forscher*innen der Boston University School of Medicine Social-Media-Accounts von angehenden Chirurg*innen auf „unprofessionelle Inhalte“. Als unprofessionell galten in den Augen der Forscher*innen unter anderem Fotos mit „unangemessener Kleidung“, also in Unterwäsche, „aufreizenden“ Halloween-Kostümen und in Bademode.

In der Studie heißt es, wenn Bilder wie diese öffentlich zugänglich seien, gefährde das die professionelle Reputation junger Ärzt*innen. Außerdem beeinflussten solche Inhalte die Entscheidung der Patient*innen, bei welchen Fachleuten und Krankenhäusern sie sich in medizinische Behandlung gäben. Um nach eigenen Angaben bei jungen Mediziner*innen für diese Gefahr Bewusstsein zu schaffen, analysierten die Forscher*innen 235 öffentlich zugängliche Facebook-, Instagram- und Twitter-Kanäle angehender Gefäßchirurg*innen. In über einem Viertel der Accounts identifizierten die Forscher*innen die von ihnen als unprofessionellen definierten Inhalte.

In sozialen Medien hagelt es nun, mehrere Monate nach der Veröffentlichung, Kritik an der Untersuchung. Viele bezeichnen die Studie als sexistisch und wissenschaftlich nicht korrekt durchgeführt. Unter anderem, weil die Forscher*innen keine offizielle Erlaubnis dazu hatten, auf die Daten der betroffenen Chirurg*innen zuzugreifen. Außerdem müsse das Privatleben von Ärzt*innen irrelevant für die Forschung sein und stünde in keinem Zusammenhang mit ihrer professionellen Kompetenz. Unter dem Hashtag #MedBikini zeigen deshalb vor allem Ärztinnen, dass die Kleidung, die sie in ihrer Freizeit tragen, keinen Einfluss darauf hat, wie sie als Mediziner*innen wahrgenommen werden.

Inzwischen haben die Herausgeber der Zeitschrift und die Verfasser der Studie Stellung zur Kritik bezogen. In einem öffentlichen Statement auf Twitter geben sie bekannt, dass der wissenschaftliche Artikel widerrufen werden soll und entschuldigen sich bei den Personen, die sich durch den Artikel angegriffen gefühlt haben:

  • teilen
  • schließen