Wenn Medizinstudenten zu Influencern werden

Unter dem Hashtag #MedStudents gewinnen sie auf Instagram immer mehr Follower – und Einfluss.
Von Florentina Czerny

Auf einer stylischen Tischdecke in cleanem Weiß steht ein Laptop mit illustriertem Hintergrund, daneben ein Teller mit perfekt geschnittenen Wassermelonenstückchen, die ein gleichmäßiges Kreismuster ergeben. Ein Bild, das man aus der schönen Welt der Instagram-Influencer kennt. Auf diesem allerdings befindet sich ein weiteres Detail, das auf den ersten Blick nicht in die Szene hineinzupassen scheint: ein Stethoskop. 

Auf Instagram gibt es eine neue Spezies der Influencer: Studierende der Medizin. Unter dem Hashtag #MedStudent lassen sich immer mehr Accounts finden, in denen angehende Ärztinnen und Ärzte ihren Fans vom Leben an der Uni erzählen. Wer darunter nun Bilder über stressiges Lernen, blutiges Sezieren und Nächte am Schreibtisch erwartet, liegt falsch. Ihre Posts beschränken sich in den meisten Fällen auf schöne Fotos von Terminkalendern, Laptops und Kaffeetassen – der wahre Alltag eines Medizinstudenten bleibt, zumindest visuell, außen vor.

Die Bilder transportieren viel mehr ein lässiges Hygge-Feeling als trockene Fakten

Jule ist 22 Jahre alt und studiert im fünften Semester Medizin. Neben ihren Vorlesungen und Prüfungen führt sie seit ihrem zweiten Semester einen Blog und einen Instagram-Account über ihr Studium. Ihre Bilder transportieren viel mehr ein lässiges Hygge-Feeling als trockene Fakten über Humanmedizin. Das Konzept kommt an. Bereits nach kürzester Zeit folgen ihr 1000 Abonnenten, dann 5000. Mittlerweile hat sie über 10000 Follower. 

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Unbezahlte Werbung | expectation: - 6.30 Aufstehen, entspannt fertig machen und in Ruhe noch einen Kaffee trinken. ☕️ - 8.15 Ich sitze in der ersten Vorlesung - Pathologie - und lerne endlich mal spannende, klinische Sachen. Danach folgt die Vorlesung in klinischer Chemie. - 13.00 Praktikum klinische Chemie: Vielleicht dürfen wir ja wieder Blut abnehmen? 💉 - 14.45 Last but not least: Histo-Patho. Ich möchte wenigstens versuchen zu erkennen, was die Dozentin angeblich auch erkennen kann. 🔬 - 16.30 Nach einer kleinen Pause setze ich mich an den Schreibtisch und arbeite die Vorlesungen des heutigen Tages nach. - 19.00 Zeit für mich. Und meinen Liebsten. Und Netflix. ... . . vs. reality: - 6.30 Der Wecker klingelt. Es ist kalt. Ich strecke meinen Fuß langsam aus dem Bett - bah, noch kälter. Mhm, Patho ist ja auch nicht soo wichtig... - 8.15 An motivierten Tagen (heute) habe ich es bis zum Hörsaal geschafft. An den anderen .. 😴 - 8.20 Insta-Check 🤓 - 9.00 Statt Pathologie erwartet uns schon wieder eine Dauerwerbesendung mit dem Titel "Werden sie Pathologe! Und nein, wir sind keine Rechtsmediziner!" Ich möchte kein Pathologe werden. - 10.00 Klinische Chemie. "Ach die ganze Gerinnung, das fragt sie so keiner im Detail, das ist jetzt schon für Profis!" LOL, das sieht das IMPP aber dann doch etwas anders #physikum 😂 - 13.00 Ich gebe zu, als wir am ersten Praktikumstag Blut abnehmen durften war das schon ziemlich cool - jetzt zählen wir Leukozyten. Wieder. - 14.45 Histo-Patho / Mittagstief. Und als wäre das nicht schon schlimm genug geht es auch eigentlich meist eher so: "Ist DAS jetzt pathologisch?" "Ne, ich dachte das wäre gesund?!" "Hä, also DAS ist ein Artefakt.." Jaaa. Diese Prüfung wird eine Herausforderung. 16.30 Völlig fertig von acht Stunden Uni komme ich zu Hause an, schaffe es grade noch so mein iPad mit dem Fernseher zu verbinden und meine Serie zu starten, bevor ich irgendwann nach einem kleinen Power-Nap wieder aufwache - in einem anderen Jahrhundert gefühlt. Wer kennt's? 😅 . . Heute also ein bisschen Realität hier auf Instagram. 😬 Solche Phasen gibt es. Oft. Aber das ist auch nicht so schlimm. ☺️ Erkennt Ihr euch irgendwo wieder? Eure Jule ♥️

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Die Ästhetik ihrer Fotos ist Jule wichtig. Schöne Bilder bringen mehr Leser und mehr Abonnenten. Trotzdem sagt sie: „Es geht mir mehr um die Texte. Ich erreiche meine Follower gerne mit Worten, in denen ich meine Message klar mache.“ Und die lautet: „Das Medizinstudium ist nicht leicht, auch nicht für mich. Wenn ihr daran zweifelt, denkt daran, ihr seid nicht allein.“ Die Influencer-Oberflächlichkeit möchte Jule also trotz gestellter Fotoszenen nicht unterstützen. Für sie ist Instagram mehr als nur eine Platform, auf der man zeigt, wie perfekt das eigene Leben ist. Vielmehr sieht sie darin eine Möglichkeit, sich mit neuen Leuten zu vernetzen, Tipps auszutauschen und ihre Sichtweisen im Austausch mit anderen Studenten zu verändern.

Was sich außerdem in seinem Feed finden lässt: Unzählige Bilder, auf denen er für die unterschiedlichsten Produkte wirbt.

Der Trend kommt ursprünglich aus den USA, wo zahlreiche Studentierende der Humanmedizin zu Influencern werden. Auch Ärztinnen und Ärzte springen auf den Zug auf – teilweise mit bahnbrechendem Erfolg. Einer der beliebtesten Mediziner auf Instagram ist ein Arzt aus New York, der satte drei Millionen Follower vorzuweisen hat. Auf seinem Profil zeigt er zahlreiche Fotos von sich selbst: mal im Arztkittel, mal neben seinem Hund, mal im schicken Anzug, sogar zu Besuch bei Fernsehserien – er ist ein richtiger Star. Was sich außerdem in seinem Feed finden lässt: Unzählige Bilder, auf denen er für die unterschiedlichsten Produkte wirbt – darunter Müsli, Deo, Putzmittel oder ganze Einkaufszentren.

Dass amerikanische Ärzte und Medizinstudierende auf Instagram massiv Werbung machen, liegt wohl daran, dass sie sich so das kostspielige Studium zum Teil finanzieren können. Das vermutet jedenfalls Julia Berger vom Verbraucherschutz. Ein weiterer Grund ist aber auch, dass es dort kein Gesetz gibt, dass es Ärzten verbietet, Produkte anzupreisen. In Deutschland ist das anders. Das Heilmittelwerbegesetz und die Berufsordnung für deutsche Ärzte und Ärztinnen klären genau, wofür Mediziner werben dürfen, um Patienten nicht zu schaden. Demnach sind sachliche und berufsbezogene Informationen gestattet, um den Patienten bestmöglichst aufzuklären. Explizite Produktwerbungen, mit denen der Arzt Geld verdient, sind hingegen verboten. Man muss Ärzten vertrauen können, dass sie nicht aus Eigeninteresse handeln. Sei es beim Verschreiben eines Medikaments oder wenn sie sich in der Debatte um die Schädlichkeit von Dieselabgasen und Feinstaub äußern wie aktuell der Fall.

„Verbraucher gehen davon aus, von Medizinstudenten eine objektive Meinung zu hören“

Die feste Regelung gilt allerdings nicht für Medizinstudedierende, weil sie ihre Ausbildung noch nicht beendet haben. Solange sie Produktwerbungen auf Instagram klar und deutlich sichtbar machen, dürfen sie sie auch posten. Julia Berger von der Verbraucherschutzzentrale hält das für extrem problematisch. Gerade Medizinern spreche man eine altruistische Grundeinstellung zu, und nicht, dass sie sich von kommerziellen Interessen leiten lassen. „Verbraucher gehen davon aus, auch von Medizinstudenten eine objektive Meinung zu hören“, sagt sie. „Dass die Unternehmen bewusst auf die MedStudents zugehen, übersehen viele.“ Sie rät die Verbraucher davor, sich stets eine gewisse Skepsis zu bewahren, wenn sie sich durch die sozialen Medien klicken. Denn obwohl nun auch auf Instagram verstärkt überprüft wird, ob Werbung auch als solche gekennzeichnet wird, kommen die gesetzlichen Pflichten noch immer nicht bei allen Instagramern an. Bezogen auf die immer beliebter werdenden Medizin-Influencer, die sich auf Sponsorships einlassen, nimmt Berger eine eindeutige Position ein: „Ethisch ist das nicht vertretbar.“ 

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Unbezahlte Werbung / "She needed a hero, so that's what she became." Ein Held sein kann ganz vieles bedeuten: Als Superheld die Stadt retten, Held sein durch beherztes Eingreifen, beruflich für andere ein Held sein, zB im Rettungsdienst oder der Medizin. Neben all diesen Helden gibt es aber noch andere, an die wir vielleicht nicht so oft denken: Unsere Alltagshelden. Mein Alltagsheld? Definitiv meine Mama. Weil sie immer für mich da ist, wenn ich sie brauche, weil sie eine ganze Menge aufgegeben hat, um uns mit so viel Liebe und Aufmerksamkeit großzuziehen, weil ich mit Ihr über die wichtigen und unwichtigen Dinge des Lebens reden kann - Alltagsheldin eben. . . Die Frage mach dem persönlichen Alltagshelden ist ein Teil der Kampagne von @teaheros, einem Tee-Startup hinter dem die liebe Janina steckt und dessen Produkte ich testen durfte. Für jedes Bedürfnis gibt es eine bestimmte Teesorte: Detox, Gelassenheit, entspannter Schlaf oder Konzentration und jede Sorte wird von einer Superheldin repräsentiert! Dabei handelt es sich vorwiegend um grünen oder Kräutertee. Mein Favorit? Miss Mindful, der Tee für mehr Gelassenheit im Alltag der mich persönlich sehr an Chai-Tee erinnert. ☕️ Geschmacklich fand ich aber alle super lecker, obwohl ich sonst eher der Früchtetee-Typ bin - perfekt für die anstehenden kühleren Tage!☕️🍂 . . Und um jetzt noch ein bisschen Liebe zu verbreiten: Wer ist dein Alltagsheld und warum? Erzählt doch mal und markiert eure Lieblingsmenschen gerne in den Kommentaren!✨ Eure Jule ♥️

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Unbezahlte Werbung / #giveaway What‘s in my (bib-)bag? Okay, um ehrlich zu sein bin ich gar nicht so der Bibliotheks-Lerner, aber das könnte eventuell auch daran liegen, dass unsere Medi-Übergangs-Bib während den Renovierungsarbeiten auch nicht die allerschönste Athmosphäre vermittelt, sondern einen eher glauben lässt man säße im Präpsaal - warum sind die Wände bitte gefliest? 🤷🏽‍♀️ Aber bald (😅) soll die neue Bib aufmachen und dann werde ich bestimmt auch öfter mal da vorbeischauen. Also, was ist jetzt in meinem Bib-Rucksack? Klar, Lehrbuch/Skripte, die man nicht als eBook hat. Mein iPad mit Mitschriften und eBooks, Notizbuch, Lernkarten, Stifte, Geldbeutel, Handcreme und ganz wichtig: Eigener Kaffeebecher! Ich bin nämlich der Meinung, dass man seinen Coffee to-go nicht unbedingt in einem Einwegpappbecher genießen muss, sondern es auch der eigene Becher tut, Stichwort Nachhaltigkeit. 🍍 Und jetzt zum Rucksack! In vielen Bibliotheken darf man ja keine Taschen etc. mit rein nehmen, außer man sieht direkt was drin ist. Genau das erfüllt der Rucksack von @thefriendlystudent, den ich zum Testen bekommen habe und der extra für diverse Lernmarathons in der Bib entworfen wurde. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass er super aussieht und echt meeeega viel reinpasst. Und das Beste: Ich darf einen von euch glücklich machen und unter diesem Post einen verlosen, mit folgenden Bedingungen: 🍍 Folgt mir und @thefriendlystudent 🍍 Likt das Bild, markiert jemanden in den Kommentaren, der sich auch über so einen Bib-Rucksack freuen würde und erzählt kurz wo Ihr am Besten lernen könnt. ☺️ Das Gewinnspiel läuft bis 31.07 2018 um Mitternacht und steht in keiner Verbindung zu Instagram. Geht Ihr oft in die Bib? Oder braucht Ihr so wie ich Kühlschrank und Kaffeemaschine in Reichweite? ☕️ Erzählt mal :b Eure Jule ♥️

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Jule sieht das etwas anders. Auch sie wirbt auf ihrem Profil, zum Beispiel für Stethoskope und Lehrbücher. Es sind ebenfalls Produkte dabei, die keine direkte Verbindung zu ihrem Medizinstudium besitzen, darunter Tee und Rucksäcke. „Warum nicht Produkte testen? Das ist eine schöne Chance, Neues zu lernen.“ An ihren Erkenntnissen möchte sie ihre Follower teilhaben lassen und ihnen mit Empfehlungen helfen. Dabei betont sie: „Es gibt Grenzen.“ So werbe sie nur für Dinge, die sie persönlich interessierten und ihre Meinung dazu sei immer ehrlich. 

Dass sie als beliebte Medizinstudentin auf Instagram eine gewisse Verantwortung hat, sieht sie ein. Doch komplett auf Werbung zu verzichten, findet sie nicht notwendig. „Ich sehe das eher hilfreich als schädigend.“