Polizei-Einsatz gegen einen 15-Jährigen wird scharf kritisiert

Bei einer Festnahme in Hamburg eskalierte die Situation. Das sieht man in einem kurzen Video, das sich im Netz verbreitet. Eine längere Version des Videos weitet den Blick auf den Vorfall.
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Foto: Christoph Schmidt / dpa / Collage: jetzt

In Hamburg haben Polizist*innen am Montag einen umstrittenen Einsatz  gegen einen 15-Jährigen durchgeführt. Zu der Situation kam es, als die Beamt*innen versuchten, den Minderjährigen festzunehmen. Das Einschreiten wird der Polizei zufolge nun vom Dezernat Interne Ermittlungen überprüft. Ein Video der Aktion wird seit gestern Abend auf Twitter tausendfach geteilt. Darin sieht man einen jungen Mann, der mit dem Rücken zu einer Wand steht und von bis zu acht Polizeibeamt*innen umringt und schließlich überwältigt wird. In einem zweiten Video sieht man, wie die Sicherheitskräfte ihn am Boden fixieren. 

Im Video hört man die Polizist*innen mehrmals die Forderung „Auf den Boden!“ schreien. Eine Frau, die die Szene mit ihrem Handy filmt, wird währenddessen von einer unbekannten Person aufgefordert, ihre Aufnahme zu stoppen. Sie filmt allerdings weiter, immer wieder hört man sie sagen, dass man so etwas nicht mit einem Jungen machen könne. Auch andere umherstehende Menschen rufen den Beamt*innen zu, dass sie ruhig bleiben sollen. Als der Junge aus unbekannten Gründen versucht, sein Shirt über den Kopf zu ziehen, greift die Polizei allerdings zu. Als er dann am Boden liegt, sagt er: „Ich krieg’ keine Luft.“ Auf der Wand hinter dem Jungen steht „Please, I can’t breathe“ an die Wand gesprayt. Der Polizei zufolge ist der Teenager bei der Aktion nicht verletzt worden, ein Beamter habe aber eine leichte Verletzung davon getragen.

Offenbar fehlen in der viralen Version des ersten Videos einige Sekunden am Anfang des Videos. In einer längeren Version, die ebenfalls auf Twitter geteilt wird, ist zu sehen, wie der Junge Widerstand leistet und Polizist*innen von sich wegstößt. Dass diese längere Version existiert, lässt einige Twitter-User*innen glauben, dass extra die „manipulierte“ gekürzte Variante veröffentlicht wurde, um die Kritik an der Polizei zu befeuern.

Geteilt wurde das erste kürzere Video, genau wie das zweite Video, von „Yerim Seni Avrupa“ (wenn man das als türkischen Satz liest, bedeutet es: Ich esse dich, Europa), eine Person, die ihrer Twitter-Biographie zufolge in Berlin lebt. Der Account bekennt sich in einem angehefteten Tweet zu der Allianz Deutscher Demokraten; eine Kleinpartei, die sich vornehmlich an türkischstämmige Einwohner*innen richtet, und als patriotisch-nationalistisch gilt. Er fällt zudem über die Verwendung von Begriffen wie „Hetzmedien“ und wohl ironisch „Herrenmenschen“ auf, die offenbar Stimmung gegen die deutsche Medienlandschaft und die Polizei machen sollen.

Ob „Yerim“ auch der oder die Urheber*in des Videos ist, lässt sich nicht nachvollziehen, auf Anfrage von jetzt reagierte der Account bisher nicht. Allerdings antwortete „Yerim“ auf den Kommentar eines Users. Der hatte sich bedankt, dass sie „drangeblieben“ sei, das „dokumentiert und veröffentlicht“ habe. Darauf schrieb „Yerim“: „gerne“, und sie habe deswegen bereits Hunderte Drohnachrichten bekommen. „Yerim Seni Avrupa“ kritisiert auf Twitter die deutsche Polizei heftigst.

Laut der Polizei hat sich der 15-Jährige gewehrt und um sich geschlagen

Zu der Situation in Hamburg ist es der Polizei zufolge gekommen, weil der Junge auf dem Gehweg E-Scooter gefahren ist. Das Hamburger Abendblatt zitiert einen ungenannten Zeugen der Situation: Mindestens zwei Polizisten sollen auf dem Jungen gelegen haben, außerdem sollen ein Schlagstock und Pfefferspray gegen ihn eingesetzt worden sein. Das Alter des Festgenommenen wurde jetzt von einem Pressesprecher der Hamburger Polizei bestätigt.

In einer Pressemitteilung, die die Polizei am Dienstagmittag herausgab, heißt es, dass der junge Mann einem Beamten in den vergangenen Tagen aufgefallen war, weil dieser „wiederholt verbotswidrig den Gehweg“ mit einem Elektro-Roller benutzt habe. Der Polizist habe ihn bereits vermahnt. Am Montag schließlich habe sich der Jugendliche nicht ausweisen können. Man habe darafhin versucht, ihn zu durchsuchen. Er habe sich gewehrt, mit den Armen um sich geschlagen, Einsatzkräfte geschubst, und die Faust geballt. Als der Jugendliche „zu Boden“ gebracht wurde, hätte er jederzeit atmen können. Grundsätzlich sei die Polizei in einem Spannungsfeld, wenn „Zwangsmaßnahmen gegen Personen durchgeführt werden, die körperlich sehr groß und stark sowie erkennbar jugendlich sind“, heißt es in der Erklärung.

In den vergangenen Tagen tauchten im Internet immer wieder Videos von Festnahmen in Deutschland auf, die User*innen auf Twitter zum Teil schockierten, etwa ein Polizeieinsatz in Düsseldorf, bei dem ein Teenager am Boden fixiert wurde. Ein Beamter kniete dabei offenbar auf seinem Hals. Am Dienstag wurde außerdem bekannt, dass gegen einen Beamten ermittelt wird, der in Frankfurt auf eine am Boden liegende Person eingetreten hatte. Aus Hannover wird ein Video viel geteilt, in dem zu sehen ist, wie ein Polizist einer Frau ins Gesicht schlägt. 

mpu

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels haben wir die Tweets zwar kritisch eingeordnet, aber den Account, der die erste Version hochgeladen hat, nicht näher erklärt. Dies haben wir nachgeholt.

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