In Portland schützen Mütter Protestierende vor der Bundespolizei

Die „Wall of Moms“ lässt sich nicht einmal von Blendgranaten abschrecken.
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In Portland (Oregon) haben sich Mütter schützend vor „Black Lives Matter“-Demonstrierende gestellt.

Foto: AP/Noah Berger

Ein Graffito des Streetart-Künstlers Banksy zeigt eine Mutter, die ihrem Anarcho-Sohn das Tuch zurechtrückt, mit dem er sein Gesicht verdeckt. Daneben steht: „Vergiss nicht, dein Mittagessen zu essen und für Unruhe zu sorgen.“ Ein mütterlicher Rat auf eine etwas andere Weise. In Portland, im US-Bundesstaat Oregon, sind die Rollen vertauscht. Zumindest in diesem Twitter-Video. Es zeigt, wie ein Punk mit einem Bollerwagen herumgeht und die demonstrierenden Mütter mit Wasser versorgt:

Seit ein paar Tagen stehen Mütter der Bundespolizei an vorderster Front  gegenüber, um gegen den Einsatz und das Vorgehen der Bundespolizei in Portland zu protestieren. Sie wollen mit ihren Körpern Protestierende schützen. Die Mütter, die sich vor die Polizist*innen stellen, nennen sich selbst „Wall of Moms“ (zu deutsch: Mauer aus Müttern). „Wir verteidigen friedlich das Demonstrationsrecht aller Bürger*innen“, sagte die 35-jährige Initiatorin Bev Barnum gegenüber Buzz Feed News. Nicht alle sind so jung wie Barnum, sie eint das Mutter-Sein und die Entrüstung über das Vorgehen der Polizei. Sie tragen Schilder mit der Aufschrift „Nicht schießen, ich bin eine Mama!“, „Was ist eure Vision von Gerechtigkeit?“ oder „Ich bin so enttäuscht von euch! – Mama“.

Anlass ist der von der Regierung Donald Trumps angeordnete Einsatz der Bundespolizei in Portland, im US-Bundesstaat Oregon – gegen den Willen der lokalen Behörden. Seit dem Mord an George Floyd durch einen US-Polizisten gehen in Portland täglich Menschen auf die Straße, um gegen Polizeigewalt und Rassismus zu protestieren. Immer wieder kommt es zu Ausschreitungen. Die Regierung von Donald Trump entsandte daraufhin Bundespolizist*innen mit der Begründung, ein Bundesgericht schützen zu wollen. Die Kritik an diesem Vorgehen wird immer lauter. Befeuert wird sie durch das Agieren der Bundesbehörden: Fehlende Markierungen auf der Uniform, nicht gekennzeichnete Wagen und der Einsatz von Tränengas.

Mit Letzterem hat auch die „Wall of Moms“ Erfahrung gemacht. Der Zweck, die Mütter damit zurückzudrängen, scheint allerdings den gegenteiligen Effekt ausgelöst zu haben.

Viele seien zuvor noch nie auf Demonstrationen gewesen, aber die aktuelle Situation treibe viele Mütter auf die Straße, so Barnum. Der Auslöser sei ein Vorfall gewesen, bei dem eine Person von bewaffneten und nicht als solche gekennzeichneten Bundespolizeikräften in ein ebenfalls nicht gekennzeichnetes Auto verfrachtetet und weggefahren worden sei. Dieses Vorgehen lasse die Lage weiter eskalieren und sei ein „Angriff auf unsere Demokratie“, so  Ted Wheeler, Bürgermeister von Portland. 

Andere Mütter treibt die Angst um die eigenen Kinder zu den Protesten. Ein Video zeigt die Mutter eines schwer verletzten Demonstranten, wie sie Polizist*innen konfrontiert.

Nun haben sich die Mütter organisiert. Mit Mundschutz und Fahrradhelmen treten sie der Bundespolizei eingehakt gegenüber und machen deutlich, dass es ihnen ein ernstes Anliegen ist. Waren es am Anfang noch eine Handvoll Mütter, bildeten Sonntagabend bereits Hunderte einen Schutzwall und skandierten „Feds stay clear! Moms are here!“ (zu deutsch: Bundespolizei bleib weg! Die Mamas sind hier!).

„Diese Demonstration ist irgendwie, als ob alle von der lokalen Hundewiese, aus dem Fitness-Center, dem Yoga-Studio und vom Radweg sich entschlossen hätten, die Bundesregierung aus Portland zu vertreiben“, schreibt ein Twitter-Nutzer. Die „Wall of Moms“ scheint fest entschlossen, auch weiterhin  der Bundespolizei Paroli bieten zu wollen – trotz Gewalterfahrungen. In einem Video ist beispielsweise zu sehen, wie die Mütter mit Blendgranaten beschossen werden. 

tmn

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