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Screenshot: YouTube

„Red Dead Redemption 2“ (RDR2) ist das von vielen Leuten wohl am sehnsüchtigsten erwartete Spiel des Jahres 2018. Das Open-World-Game mit Western-Setting erschien am 26. Oktober und hat sämtliche Erwartungen übertroffen. Knappe zwei Wochen nach Release gingen 17 Millionen Spiele über die Ladentheke. In den ersten acht Tagen wurden mehr Einheiten verkauft, als von seinem Vorgänger „Red Dead Redemption“ in acht Jahren. Das hat der Mutterkonzern von Rockstar, Take-Two Interactive, am Mittwoch bekanntgegeben. Jetzt ist Kritik laut geworden. Wegen Szenen wie diesen:

In dem Spiel steht eine Suffragette (historische Frauenrechtlerin) an einer belebten Straße und fordert lautstark das Wahlrecht ein. Aber nicht lange. Schnell zieht sie den Unmut eines Mannes auf sich. Nachdem sie ein paar Worte gewechselt haben, schlägt er sie bewusstlos. Ein anderes Mal jagt er sie durch die halbe Stadt und prügelt sie nieder. Wieder ein anderes Mal fesselt er sie und wirft sie einem Krokodil zum Fraß vor. Solche Szenen wurden in verschiedenen Videos von dem Youtuber Shirrako hochgeladen und teilweise mehr als 1,6 Millionen Mal geklickt (Stand: 08.11.2018) Noch erschreckender als die Videos sind aber die Kommentare, die sich unter ihnen befinden. Während der Lektüre bekommt man zunehmend den Eindruck, sich in besonders finstere Kreise verirrt zu haben:

Ein User schreibt „Ein Spiel wo ich Feministinnen die Sch** aus dem Leib prügeln kann …. wo ist mein Portemonnaie?“ Ein anderer: „Ich meine ich bin kein allzu großer Frauenhasser, aber könntest du sie nicht an den Beinen aufhängen und mit einem Pfeil in ihren Kopf schießen und gucken was passiert?“ Wieder ein anderer fragt, warum man das nicht auch in echt machen könne. Der Youtuber hat sich offensichtlich von der großen Resonanz anspornen lassen und mehrere solcher Videos hochgeladen.

RDR 2 ist bei Fans und professionellen Kritikern vor allem wegen der Freiheiten beliebt, die das Spiel zulässt. Mit fast jedem Charakter kannst du interagieren. Wie genau, das bleibt so ziemlich dir überlassen. Und so kommt es auch zu den beschriebenen Szenen auf Youtube.

Emanuel Maiberg vom Technologie-Magazin Motherboard adressiert die Problematik relativ treffgenau. Vor allem Open-World-Spiele wie RDR 2, die dem Spieler so viele Freiheiten lassen, verleiten Gamer dazu, eben diese zu missbrauchen.

In einem Gespräch mit Motherboard distanziert sich der YouTuber Shirrako von den Kommentaren, die unter seinen Videos gemacht worden sind: „Ich stimme den sexistischen Kommentaren natürlich nicht zu. Ich kann aber auch nichts gegen sie machen. Ich will nicht die Meinung anderer Leute zensieren – egal ob ich nun genauso denke oder nicht.“

Rockstar Games stand schon häufiger in der Kritik, weil die offenen Welten ihrer Spiele Gamer in moralisch fragwürdige Positionen brachte. Teile der GTA-Serie des Entwicklers haben es dem Spieler erlaubt, Sex mit Prostituierten zu haben, die man danach umbringen konnte, um das Geld zurückzubekommen. Für RDR 2 hat man sich dazu entschieden, den Protagonisten nicht mehr mit Sexarbeiterinnen schlafen zu lassen. Auch Kinder töten funktioniert nicht.

Youtube hat übrigens, seitdem es Kritik gibt, angefangen, die Videos nach und nach zu löschen. Später wurde der Account von Shirrako komplett gelöscht. Jetzt scheint der Kanal aber auf Druck der Community hin wieder online gegangen zu sein. Unter anderem hatte sich der populäre Youtuber Daniel Keem („DramaAlert“) in einem Tweet an Ryan WyattGlobal Head of Gaming and Virtual Reality bei YouTube, zum Thema geäußert und die Verantwortlichen zum Einlenken bewegt.

Frauenhass in der Gaming-Community ist ein Thema, dass immer mal wieder aufflammt. Online-Plattformen wie Youtube bieten eine anonyme Plattform und damit auch einen Nährboden für Hasskommentare. Vielleicht wird durch die aktuelle Kontroverse ja die Debatte neu angestoßen.

schja

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