Sexroboter Samantha erhält ein Anti-Missbrauchs-Update

Und das macht alles womöglich nur schlimmer.

Sergi Santos mit seinem Roboter Samantha.

Screenshot: Youtube

Sexroboter sind Projektionsflächen für alle möglichen Triebe. Auch für Gewalt. Und um diese von vorneherein zu unterbinden, hat Sergi Santos, Erfinder des Sexroboters Samantha, seiner Schöpfung ein Update verpasst; den sogenannten „Dummy Mode“. Dieses zweifelhaft benannte Feature führt laut The Daily Mail dazu, dass Samantha bei sexuellen Grenzüberschreitungen in Zukunft automatisch herunterfährt. Heißt konkret: Die Sensoren des Roboters registrieren aggressive Berührungen und sorgen dafür, dass Samantha ihre beweglichen Körperteile wie Hände, Arme, Hüfte und das Gesicht abschaltet. Übrig bleibt eine regungslose Hülle. Damit soll der Roboter zeigen, wenn eine Grenze überschritten wird, was wiederum den respektvollen Umgang mit dem Bot fördern soll. 

Ob das Feature dieses Ziel jedoch erreicht, ist fraglich. Denn Menschen, die an Robotern möglicherweise ihre gewalttätigen Neigungen ausleben, werden sicherlich nicht aufhören, nur weil der Sexroboter regungslos daliegt. Im Gegenteil. Für viele könnte das einen ganz neuen Anreiz schaffen: den Roboter so lange zu malträtieren, bis er still ist - und selbst dann noch weiter zu machen. Denn auch wenn Samantha ihre Funktionen abschaltet, ist Sex mit ihr weiterhin möglich. Sie macht zwar nicht mehr aktiv mit, kann sich im Gegenzug aber auch nicht wehren. Und auch wenn die Vergewaltigung eines Roboters nicht strafbar ist, so birgt sie doch die Gefahr, bei einigen Menschen unschöne Gewaltfantasien zu wecken, die sie auch auf die reale Frauenwelt und das eigene Frauenbild übertragen könnten. 

Das sieht Kathleen Richardson ähnlich. Die Professorin für Ethik und Kultur von Robotern und Künstlicher Intelligenz an der De Monfort University in Leicester (UK), kritisiert die Nutzung von Sexrobotern scharf. Sie sieht dies als Ausweitung von Pornografie und Prostitution und hält die Anschaffung laut The Daily Mail zudem für Geldverschwendung. Deshalb hat sie die „Kampagne gegen Sexroboter“ gegründet. Auf ihrer Webseite heißt es unter anderem, dass man Roboter nicht als bewusste Wesen sehen sollte, sondern als Produkt des menschlichen Bewusstseins und der menschlichen Kreativität. Dabei aber spiegelten Sexroboter in ihrer Produktion, ihrem Design und der vorgeschlagenen Verwendung menschliche Machtverhältnisse wider.  Zum Beispiel eben im Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Aus diesem Grund richtet sich die Kampagne von Richardson gegen jegliche Bemühungen, Roboter zu entwickeln, die zur Benachteiligung eines Geschlechts beitragen.

Angesichts der aufkommenden Kritik, sollte sich Erfinder Sergi Santos wohl noch einmal genauer überlegen, inwiefern er seiner Samantha mit dem „Dummy Mode“ wirklich gegen sexuelle Übergriffe geholfen hat. Er selbst scheint nach wie vor überzeugt von seinem Update und lässt Samantha auf ihrem eigenen Twitter-Profil zu Wort kommen. Dort werden Medien verhöhnt, die sich kritisch über das neue Update äußern. Professionalität sieht anders aus.

mfry 

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