Weil Gil das sexistische Gespräch nicht akzeptieren wollte, tippte er eine Nachricht.

Weil Gil das sexistische Gespräch nicht akzeptieren wollte, tippte er eine Nachricht.

Foto: Privat

Oft kriegt man Sexismus ja so im Vorbeigehen mit, oder im Mithören, und ärgert sich dann, und macht trotzdem nichts. Wenn Männer sich abfällig über Frauen äußern zum Beispiel, nur weil sie Frauen sind. Oder einen Kommentar bringen, der weit unter der Gürtellinie ist. Der 26-jährige Gil Wenger hörte vor einigen Tagen ein frauenverachtendes Gespräch im Zug mit – und wollte seine Wut nicht für sich behalten. Sein Sitznachbar telefonierte laut mit seinem Geschäftspartner und äußerte sich mehr als abfällig über eine Kollegin.

„Das ist noch vertraulich, aber wir haben die Frau Winkler eingestellt. [...] Jaaa, die muss sich erst noch beweisen. [...] Das Gute ist, dass wir dadurch die Frauenquote wieder etwas verbessern können. Und zum Glück in einem Bereich, in dem es nicht so schlimm ist. [...] Immerhin ist sie nicht mehr schwangerschaftsgefährdet“, sagte er.

Gil wollte das nicht so stehen lassen. Zuerst zögerte er noch, erzählt er via Facebookchat. „Das Verhalten des Mannes und dass er mit seinem Kollegen noch solche Sprüche klopfte, wollte ich nicht einfach so hinnehmen. Ich wollte einen Weg finden, ihm irgendwie bewusst machen, dass er sich respektlos benimmt.“ Während der Fahrt hatte der Mann sowieso immer wieder auf Gils Laptop geschaut, erzählt der 26-Jährige. „Da wir bald unsere Destination erreichten und der Herr immer noch am Telefon hing, kam mir die Idee mit der Laptopbotschaft. Denn ich wollte ihm bewusst machen, wie er sich verhielt und mit einer schriftlichen Botschaft malte ich mir größere Chancen aus, ihn zu erreichen.“

Also tippe er kurzentschlossen eine Botschaft auf seinem Laptop. In roter Schrift und maximaler Schriftgröße, sodass sein Sitznachbar auf jeden Fall sehen musste, was er schrieb: „Frauenquoten sind schon deswegen nötig, damit es weniger Kotzbrocken wie dich in Führungspositionen gibt.“ Der Sexist fand das weniger gut. Verdutzt habe er den Satz gelesen, sei dann wütend aufgestanden und habe etwas von „Frechheit“ ins Telefon gesagt, berichtet Gil. 

„Ich wollte die Botschaft mit meinen Freunden teilen und ein Zeichen setzen gegen Diskriminierung und Sexismus“, erzählt Gil. Daher postete er kurzerhand ein Foto vom Bildschirm mit einem kurzen Text auf Facebook. In den vergangenen Tagen wurde der Beitrag mehr als 2000 Mal geliked, 700 Mal geteilt und hundertfach kommentiert. Das erstaunt ihn selbst, sagt er. „Für mich zeigt dies ebenfalls auf, dass wir noch viel zu tun haben, wenn es darum geht, gegen Sexismus und Diskriminierung anzukämpfen“, erzählt Gil. Das sollten seiner Meinung nach viel mehr Menschen tun, „damit sexistische Menschen merken, dass ein großer Teil der Bevölkerung anders denkt als sie und sich für eine offene Gesellschaft stark macht. Wenn mehr Leute so reagieren würden, könnten wir diese überholten Rollenbilder schneller aus der Welt schaffen.“

Auf jeden Fall kann man sich von der Aktion eine Scheibe Kreativität und Mut abschneiden. Denn jemanden darauf hinzuweisen, dass Sexismus genauso wie Rassismus und jede andere Diskriminierung keinen Platz in unserer Gesellschaft haben, dafür sollten wir immer Zeit und Energie haben.

soas

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