Eine Mutter aus Guatemala kann zum ersten Mal seit Monaten ihren Sohn in den Arm nehmen. Für Momente wie diesen spenden derzeit viele Menschen Flugmeilen.

Eine Mutter aus Guatemala kann zum ersten Mal seit Monaten ihren Sohn in den Arm nehmen. Für Momente wie diesen spenden derzeit viele Menschen Flugmeilen.

Foto: John Moore / getty

Beth Wilensky lebt im US-Bundesstaat Michigan und ist Professorin an der dortigen Universität. Ihr Mann reist sehr viel und manchmal ist das traurig, weil sie sich dadurch nicht so viel sehen. Aber jetzt haben die beiden einen Weg gefunden, diesen häufigen Reisen etwas Gutes abzugewinnen: Sie haben seine „Frequent Flyer Miles“, also die auf den vielen Flügen gesammelten Bonusmeilen gespendet, um einen Vater und seinen dreijährigen Sohn wieder zu vereinen. Und damit einen Trend gesetzt, dem sich gerade viele Amerikaner anschließen.

Vater und Sohn waren Leidtragende der sogenannten „Null-Toleranz-Politik“ der US-Regierung, in deren Zuge asylsuchende Einwanderer-Familien aus Lateinamerika an der amerikanisch-mexikanischen Grenze getrennt wurden. Seit Mitte April waren davon 2000 Kinder betroffen, die in speziellen Auffanglagern untergebracht wurden. Ende Juni entschied ein US-Bundesrichter, dass diese Familien innerhalb von 30 Tagen wieder zusammengeführt werden müssen, sogar innerhalb von 14 Tagen, wenn die Kinder jünger sind als fünf Jahre. Trotzdem geht der Prozess seitdem nur schleppend voran. Nicht immer liegt das an den Behörden, der Bürokratie oder der Logistik, sondern manchmal auch ganz einfach am Geld, weil sich Familien die Flüge nicht leisten können. 

Anfang dieser Woche hatte Beth Wilensky auf Twitter davon berichtet, dass ihr Mann und sie die Bonusmeilen gespendet und so einer Familie ermöglicht haben, wieder vereint zu sein. Dieser Tweet wurde bisher fast 140.000 Mal geliked und mehr als 30.000 Mal geretweetet (Stand 11.08., 12 Uhr). 

Viele User fragten sie daraufhin, wie das mit der Meilen-Spende funktioniere. Wilensky verwies auf den „Michigan Support Circle“, über den sie gespendet habe. Die lokale Aktivistengruppe setzt sich für Migrantenfamilien ein und hilft ihnen etwa mit Geld, Sachspenden und Fahrdiensten aus.

Außerdem verwies Wilensky auf die Organisation „Miles4Migrants“. Diese sammelt bereits seit 2016 gespendete Bonusmeilen, um getrennte Familien zusammenzuführen. In den vergangenen zwei Jahren erhielt „Miles4Migrants“ 3,1 Millionen Bonusmeilen von Vielfliegern und buchte damit Flüge für etwa 150 Menschen, vor allem für Syrer und Afghanen. Doch nach Wilenskys Tweet gingen die Zahlen in dieser Woche auf einmal rasant nach oben: Innerhalb von 24 Stunden wurden mehr als 3 Millionen Bonusmeilen gespendet, bis Freitag waren es schon fast 8 Millionen, berichtet CNN

Das dürfe reichen, um Flüge für mehr als 300 Menschen zu buchen, sagte Seth Stanton, einer der Gründer der Organisation, CNN. Sein Kollege Nick Ruiz sagte gegenüber Buzzfeed, er habe so nah der Heimat nicht mit einer Krise in diesem Ausmaß gerechnet. Es ermutige ihn aber, dass nun so viele Menschen helfen wollen, die auseinandergerissenen Familien wieder zu vereinen.

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