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Pflegende protestieren auf Twitter gegen schlechte Arbeitsbedingungen

Sie reagieren auf einen Tweet des CDU-Politikers Erwin Rüddel, in dem er ihnen Mitschuld am Nachwuchsmangel gibt.
  • pflege quadr
    Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Über kaum ein Berufsfeld wird im Moment so viel diskutiert wie über das der Pflege. Neben der schlechten Bezahlung, dem hohen Zeitdruck und dem ständigen Personalmangel geht es in diesen Diskussionen vor allem um eins: dass zu wenig junge Menschen den Beruf ergreifen möchten.

 

Der CDU-Politiker Erwin Rüddel kennt diese Diskussionen. Er ist Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag und war 16 Jahre lang Geschäftsführer eines Seniorenheims. Er twittert regelmäßig zum Thema Pflege. Vor drei Tagen etwa, als er einen Deal vorgeschlagen hat. Die Politik solle konsequent handeln, die Pflegenden wiederum sollen anfangen, gut über ihren Beruf zu sprechen: „Dann kommen viele wieder in die Pflege zurück und es beginnen #gutezeitenfürgutepflege“.

Dröselt man den Tweet auf, kommt raus: An Pflegepersonal mangelt es unter anderem, weil Pflegerinnen und Pfleger sich beschweren. Dass die darüber verärgert sind: kein Wunder. 

Seit Erwin Rüddels Tweet protestieren darum Pflegekräfte mit einem eigenen Hashtag: #twitternwierueddel. Sie schreiben, unter welchen Bedingungen sie arbeiten und woran es in ihrem Beruf mangelt. Nicht nur an Zeit und Arbeitnehmerschutz, sondern manchmal auch am Verständnis der Vorgesetzten. Etwa dafür, dass man am Tag seiner Hochzeit nicht unbedingt arbeiten möchte.

Besonders bewegend sind die Tweets, in denen die User berichten, wie sich ihre Arbeitsbedingungen auf die Patienten auswirken. 

Die Bedingungen im Pflegesystem sind aktuell Thema der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD. Die Parteien haben sich unter anderem auf höhere Löhne in der Alten- und Krankenpflege verständigt. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer sprach außerdem von Sofortmaßnahmen, mit denen die Personalausstattung verbessert werden soll.

 

Update vom 6. Februar 2018, 15 Uhr: Auf Anfrage der jetzt-Redaktion übermittelte Erwin Rüddel ein Statement zu den Diskussionen um seinen Post vom 3. Februar. Er schreibt: „Mein Tweet sollte keine Anschuldigung gegenüber den Pflegekräften sein, sondern vielmehr darauf hinweisen, dass wir den Herausforderungen in der Pflege nur gemeinsam begegnen können. Die Reaktionen darauf zeigen allerdings, wie sensibilisiert die Menschen in der Pflege sind.“ Er geht außerdem auf die körperlichen und auch emotionalen Herausforderungen ein, denen Pflegende täglich begegnen, weshalb „die Politik für die bestmöglichen Rahmenbedingungen in der Pflege sorgen“ müsse. Rüddel habe sich in den Koalitionsverhandlungen dafür stark gemacht und werde die Ergebnisse dazu nach Abschluss der Verhandlungen auf seiner Homepage veröffentlichen.

jwh 

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