Warum mich eure Augenbrauen-Trends überfordern

... und ich sie mit passivem Widerstand boykottiere!
Von Viktoria Klimpfinger
Fotos: Instagram

Da kam Cara Delevingne und plötzlich war es voll in Ordnung, die Brauen sprießen zu lassen wie die Achselhaare in den 60ern. Seitdem arbeiten alle an der perfekten Cara-Brauen-Kopie: dicht muss sie sein, aber nicht struppig; dunkel, aber nicht zu dunkel, und am besten noch mit Persönlichkeit. Eigentlich waren meine Freundinnen und ich vor Cara ja darauf bedacht, uns die Brauen mikroskopisch dünn zu stutzen, bis nur mehr zwei schmale Linien übrigblieben. Schwer genug! Da steht man mit gezückter Pinzette vor dem Spiegel, sucht pingelig nach jedem einzelnen überflüssigen Haar – und hat plötzlich eine kahle Stelle mittendrin. Und dann kommt Cara und mit aller Macht muss man plötzlich jedes jemals ausgezupfte Haar wieder mühsam zusammensuchen und festkleben. Den meisten ist dann aber doch der Absprung zu einer schön geschwungenen Braue gelungen. Nur ich habe noch immer nur verwunderte Striche oder wütende Balken im Repertoire – und zähle mich deshalb mittlerweile stolz zu den Brauen-Hype-Verweigerern.

www.instagram.com/stella.s.makeup/

Die aktuellen Trends wären somit sowieso zu hoch für mich: Im April dieses Jahres waren es die Feather Brows, die Instagram spalteten. Die finnische Make-up-Artistin Stella Sironen postete ihre mit Kleber gestylten Augenbrauen eigentlich als Scherz – den verstand nur keiner. Bald ging das Netz über vor Selfies von Frauen, deren Augenbrauen aussahen, als hätten sie sie einem Vogel ausgerupft. Davon inspiriert kreierte die 23-jährige Instagrammerin Harlibi daraufhin die „Dragon Brow“, für die sie ihre Brauen mit Wimpernkleber zu Zacken formte. 

instagram.com/promisetamang/

Der letzte Schrei sind nun die „Squiggle“-Brauen, deren Anfänge der Beauty-Bloggerin Promise Tamang zugeschrieben werden. Dabei zupft und bemalt man sich die Brauen in einer Form, die verdächtig nach unterwellten Fehlern in Deutsch-Hausarbeiten aussieht. Die etwas klassischere Variante dazu sind die „Wavy Brows“, die irgendwie der glamourös anliegenden Dauerwelle der 20er-Jahre-Frisuren ähneln. Und wem das noch zu wenig Pep hat, der kann sich ja an einem richtig bescheuerten Trend versuchen: der Penis-Augenbraue. Ja, richtig gehört: Peniszeichnungen im Gesicht sind jetzt nicht mehr nur etwas für schlafende Partygäste, sondern total angesagt. Man malt sich einfach eine Penisform um die Brauen (geht notfalls auch mit Photoshop). Dank dafür gebührt Make-up-Artistin Priscilla DiCapiro. Das Ganze funktioniert übrigens auch als Penis-Eyeliner um die Augen. Ein Glück! 

Meine Frage, wie ich es trotz mangelnder feinmotorischer Fähigkeiten und kosmetischem Talent doch noch schaffe, modisch angesagte Brauen in mein Gesicht zu zaubern, hat sich durch diese Auswüchse mehr oder weniger erübrigt. Und um mir von professionellen Kosmetikern einen Penis ins Gesicht zupfen zu lassen, ist mir mein Geld dann doch zu schade. Da ich mit meinem spärlichen Gesichtshaarwuchs ohnehin aber nicht einmal die klassische Cara-Braue zusammenkriege, habe ich irgendwann einfach beschlossen, aufzugeben und mich dem Ganzen generell zu verweigern. Was soll ich sagen – kein stundenlanges Zupfen vor dem Spiegel, kein schmerzvolles Ausreißen meiner Härchen: Es ist ein sehr komfortabler Boykott.  

 

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