In Göttingen sprießt der Hanf

Eine Aktionsgruppe will so ein Zeichen für die Cannabis-Legalisierung in Deutschland setzen.
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Foto: Grüne Jugend Göttingen, CC BY-NC-SA 3.0

Eigentlich eine feine Sache, wenn junge Menschen im Freien unterwegs sind. Wenn sie ihre Stadt mit Blumen und Gewächs aufhübschen, vernachlässigte Grünflächen bepflanzen, garteln. In Göttingen ist das seit ein paar Jahren besonders beliebt, fast schon eine Tradition. Allerdings sind nicht alle Bewohner begeistert von dem, was die Gruppe „Einige Autonome Blumenkinder“ in der Stadt aussät. Keine Begonien nämlich, keine Tulpen oder Gurkensetzlinge – sondern Hanf.

Seit 2013 pflanzen die Aktivistinnen und Aktivisten jedes Jahr Hanfsamen in Göttingen aus. Am Hauptbahnhof, auf Grünstreifen und gerne auch vor Polizeistationen. Sie wollen sich so für die Legalisierung von Cannabis einsetzen. Bei der Polizei stößt die Gruppe damit nicht unbedingt auf Gegenliebe. Immer dann, wenn die Pflanzen austreiben und im Stadtgebiet sichtbar werden, ziehen Polizisten durch Göttingen und reißen die Pflanzen aus.

Dabei betonen „Einige Autonome Blumenkinder“, dass sie größtenteils Nutzhanfsamen aus dem Baumarkt aussäen. Der Anteil des berauschenden Wirkstoffs THC ist darin sehr gering. Ob sie zwischen den Nutzhanf auch Pflanzen mit hohem THC-Anteil setzen? Das lässt die Gruppe offen: „Ob alle Pflanzen tatsächlich von Samen aus dem Baumarkt stammen, darf dann wieder im Labor festgestellt werden.“ Selbst wenn Hanfsorten darunter wären, die sich zum Konsum eignen: Die Polizei häckselt die meisten Pflanzen, bevor sie blühen. Bevor also irgendein Kiffer etwas davon hätte.

Im Gegensatz zur Polizei sind die Vertreter der Grünen Jugend Göttingen von der Aktion begeistert. Jedes Jahr rufen sie deshalb zu einem Foto-Wettbewerb auf. Bitten die Bürgerinnen und Bürger der Stadt, Fotos von Hanfpflanzen aus ihrer Nachbarschaft einzusenden. Die Grüne Jugend postet diese dann auf Twitter. Der Hashtag dazu: #potcitygoe.

Zu gewinnen gibt es in dem Wettbewerb nichts. Den Jungpolitikern geht es eher darum, möglichst viele Bilder zu sammeln. „Wir erklären uns jedes Jahr solidarisch, weil wir die Aktion für sinnvoll und lustig halten (...) Wir laden die Bilder auf unserer Seite hoch und setzen damit ein Zeichen, Cannabis zu legalisieren und zu entkriminalisieren“, sagte ein Sprecher der Grünen Jugend der Vice kürzlich in einem Interview. Er wollte dabei anonym bleiben und hat nicht unter seinem Klarnamen gesprochen – obwohl seine Jugendorganisation sich offen für „Einige Autonome Blumenkinder“ ausspricht.

 

Die Polizei ermittelt derweil auch dieses Jahr wieder wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Stört die Aktivisten aber nicht. Im Gegenteil: "Legalize it! Ärgert die Behörden, bis sie aufhören, uns zu ärgern!" Getreu diesem Motto werden sie wohl auch im nächsten Jahr wieder mit dem Samenbeutel ausziehen.

 

jwh

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