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Foto: Elsa Okazaki

Im Prinzip unterscheidet sich die Hysteria nicht sonderlich von anderen Burschenschaften: Strenge Kleiderordnung, Traditionsbewusstsein, erzkonservative bis radikale Wertvorstellungen. Den Unterschied macht das Geschlecht. Während andere Burschenschaften nicht nur durch rechtes Gedankengut, sondern auch wegen ihres ziemlich überkommenen Frauenbildes auffallen, tut die Hysteria genau das Gegenteil – sie diskriminiert systematisch Männer. Und zwar so sehr, dass auch der letzte österreichische Maskulinist kapiert, dass sie es mit ihren Forderungen vielleicht doch nicht so ganz ernst meinen: Einschränkung des Männerwahlrechts, Männer an den Herd, Hodenamputation bei Ausbleiben des weiblichen Orgasmus. Damit treiben sie die seltsamen Ansichten der "echten" Burschenschaftler Österreichs ins Absurde, deren prominentester Vertreter Norbert Hofer möglicherweise bald zum Staatspräsidenten gewählt wird. Sie selbst wollen ihre Aktionen aber auf keinen Fall als Satire verstanden wissen.

Am vergangenen Sonntag hielten die Hysteria-Mitglieder einen "Trauermarsch für das Patriarchat" ab, Männern war die Teilnahme nur mit Kopftuch erlaubt. Nach langem Hin und Her hat sich die Propagandaabteilung der Hysteria zu einem Interview mit der "Systempresse" bereit erklärt:

jetzt: Gestern haben Sie das Patriarchat in einem feierlichen Festzug zu Grabe getragen. Muss ich als Mann künftig um meine Arbeitsstelle fürchten?

Burschenschaft Hysteria: Das kommt natürlich ganz auf Ihre Familiensituation an. Wenn Sie Kinder haben, sollten Sie Ihren Erziehungspflichten nachkommen, eine berufliche Anstellung kann diesen im Weg stehen. Wenn Sie einer geringfügigen Beschäfigung nachgehen möchten, sollte es ein einfacher Job sein, den Sie neben den vielen Ablenkungen zuhause noch sinnvoll ausüben können. Auch in einer kinderlosen Beziehung empfehlen wir eine Reduktion der Arbeitszeiten, um sich ausreichend dem Haushalt widmen zu können, denn keine Frau schätzt einen schlampigen Mann! Wenn Sie noch Single sind, dann fragen Sie sich warum. Machen Sie genug Sport? Sind Sie gepflegt? Gehen Sie für Frauen attraktiven Hobbies nach? Da das Problem mit Sicherheit bei Ihnen liegt, empfiehlt es sich auch hier, weniger zu arbeiten und mehr Zeit dem Aufpolieren Ihres Marktwertes zu widmen.

Können Sie die Ängste der Männer nachvollziehen? Wie bringen Sie das schöne Geschlecht auf Ihre Seite?

Wir lieben Männer! Ohne sie gäbe es keine Kinder und damit auch keine Frauen! Wir schätzen den männlichen Körper als schönstes Wunder der Natur und wollen seine Reinheit mit all unserer Kraft beschützen! Jedem Mann, der sich mit unserer Ideologie auseinandersetzt, leuchtet dies sofort ein. Darum müssen wir uns auch nicht um männlichen Zulauf bemühen, im Gegenteil, wir können uns vor männlichen Fans kaum retten. Ein richtiger Mann betrachtet das Patriarchat als widernatürliches Gefängnis, aus dem er befreit werden möchte!

Der „Totenmarsch in Gedenken an das Patriarchat"

Der „Totenmarsch in Gedenken an das Patriarchat"

Foto: Elsa Okazaki

Sie fordern die Vollverschleierung der Männer. Welche Regeln gilt es zu beachten, um männliche Reize nicht doch ungewollt zur Schau zu stellen?

Die Burschenschaft Hysteria sieht sich nicht als moralische Instanz, wir leben ja in einem freien Land und so wollen wir keiner Frau Vorschriften machen. Darum fragen Sie als Mann einfach Ihre Frau, Freundin, Mutter, Oma oder Schwester, ob Ihre Bekleidung angemessen ist. Wir empfehlen jedoch, offensichtliche männliche Reize auf jeden Fall bedeckt zu halten, da es sonst zu unangenehmen Zwischenfällen kommen kann. Der Sexualtrieb von Frauen kann sehr stark ausgeprägt sein und es ist die Pflicht des Mannes, sie nicht in Versuchung zu führen. Entblößte Männer im öffentlichen Raum sind eine Schande für uns alle!

Sie beanspruchen, die älteste Burschenschaft Österreichs zu sein. Können Sie kurz den historischen Werdegang der Hysteria skizzieren?

Die Burschenschaft Hysteria geht auf eine Geheimloge im Jahre 1816 im Kreise der Hofdamen um Kaiserin Leopoldine von Österreich zurück. Zu einer akademischen Burschenschaft wurde die Hysteria unter der berühmten Philosophin Helene von Druskowitz. Seitdem haben zahlreiche Frauen die Hysteria zu dem mächtigen Netzwerk geformt, das es heute ist. Diskretion ist jedoch eine der Säulen, auf denen die Burschenschaft Hysteria fußt, darum geben wir keine Auskünfte zu noch lebenden Burschen.

Trotz Ihres streng konservativen Weltbilds und gelebter Werte scheint die Zusammenarbeit mit anderen Burschenschaften nur bedingt zu gelingen.  Unter dem Hashtag #linkeweiberausknocken wurden Sie von der Burschenschaft Hansea zu Wien bedroht. Bei einem versöhnlichen Besuch ihrerseits war diese nicht bereit, ihr Haus für Ihre Zwecke zu räumen. Wie erklären Sie sich diese Zurückweisung?

Diese Zwistigkeit wurde nach traditioneller Burschenschaftsmanier beigelegt. Die betroffenen nicht satisfaktionsfähigen Phritten (abschätziger Ausdruck für Burschenschaftsmitglieder, Anm. d. Red.) haben den für den Tusch (die Beleidigung) ursächlichen Facebook-Beitrag demütig gelöscht.

In einer Plakatkampagne sprachen Sie von einer Gefährdung der österreichischen Männer mit dem Spruch "Unsere Männer gehören uns!" Auf welche Vorfälle reagierten Sie damit?

Wie Sie als Deutscher sicherlich wissen, sind die österreichischen Männer auf der ganzen Welt für ihre Schönheit bekannt. Dies führt leider auch dazu, dass einige Touristinnen unser Land mit unehrenhaften Absichten besuchen. Unsere Männer reagieren besonders sensibel auf den Genuss alkoholischer Getränke und da ist es unsere Pflicht, sie vor falschen Entscheidungen zu beschützen. Schon so mancher junge Bursch' hat für leere Versprechungen und mit schlimmen Folgen seine Jungfräulichkeit verschenkt! Mit unserer leider notwendigen Plakat-Aktion hoffen wir, ein starkes Zeichen gegen den Missbrauch gesetzt zu haben.

 

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