Frauen weltweit fühlen sich durch das „Be a Lady they said“-Video verstanden

Dabei werden widersprüchliche Anforderungen an Frauen schon lange kritisiert.
Von Sophie Aschenbrenner

Be a Lady They Said

„Sei nicht zu dick. Sei nicht zu dünn. Mach eine Diät. Iss deinen Teller auf. Sei gesund. Sieh bitte nicht krank aus. Tu was gegen deine Falten. Push deine Brüste.“

All diese Forderungen rattert die Schauspielerin und Politikerin Cynthia Nixon im Video „Be a Lady they said“ herunter. Sie rezitiert das gleichnamige Gedicht von Camille Rainville. Was Nixon mit ihren Worten deutlich machen will: An Frauen werden die unterschiedlichsten, sich widersprechenden Anforderungen gestellt. Dennoch haben sie irrationalerweise das Gefühl, diese erfüllen zu müssen.

Das Video wurde bereits millionenfach geklickt, tausendfach geteilt und kommentiert, weltweit gefeiert. Obwohl es eigentlich keine Neuigkeiten enthält. Fast alle Frauen dürften zumindest manche dieser Sätze im Laufe ihres Lebens schon gehört und gelesen haben. Sie hören sie von Männern, lesen sie in Magazinen, bekommen sie vielleicht auch von anderen Frauen gesagt, kriegen sie in der Werbung und in Filmen vor Augen geführt. Das Video ist daher vor allem eines: frustrierend wahr.

Der Clip, produziert als Werbevideo vom High-Fashion-Magazin „girls girls girls“, das sich sonst vor allem mit teurer Mode und passenden Accessoires beschäftigt, wird nun als feministisches Statement gefeiert. „Sei eine Lady, haben sie gesagt“ – dieser Satz fällt im Video immer wieder. Cynthia Nixon spricht ihn in die Kamera. Sie sieht dabei ziemlich ernst aus. Und wird zunehmend wütend im Laufe der drei Minuten, die der Clip dauert.

Frauen sollen alles gleichzeitig sein

„Sei top gepflegt. Sei sexy. Zieh High Heels an. Hab manikürte Fingernägel. Hab bloß keine grauen Haare – ABER FÄRB DIE HAARE DOCH NICHT BLAU. Sei natürlich.“ Dass Frauen einfach ganz natürlich wunderschön sein sollen, ist doch wirklich nicht zu viel verlangt, das implizieren diese Forderungen.

Ist es eben doch. An dem Ideal, das Frauen vermittelt wird, hat die Body-Positivity-Bewegung zwar gekratzt. Wirklich etwas geändert hat sich dadurch leider nicht. Dass so viele sich in dem Video wiederfinden, beweist, dass Frauen die Ansprüche, die die Gesellschaft an ihr Aussehen stellt, zunehmend hinterfragen und kritisieren. Sie wissen eigentlich tief in sich drinnen, dass sie diese Ansprüche nicht erfüllen müssen. Und schaffen es oft doch nicht, sich von den Erwartungen zu lösen.

Doch in dem Video geht es nicht nur ums Aussehen: „Bitte sei nicht zu streng. Aber auch nicht zu soft. Durchsetzungsfähig. Aber nicht zickig. Nicht zu laut. Aber auch nicht ganz still.“

Thematisiert wird auch die weibliche Sexualität: „Sei nicht prüde. Nicht zu willig. Lächle mehr. Hab Erfahrung im Bett. Sei unschuldig. MÄNNER WOLLEN DAS, WAS SIE NICHT HABEN KÖNNEN. Also halt dich dran. Werd nicht vergewaltigt. Pass halt ein bisschen auf. Trink nicht zu viel. Sag nicht ja. Sag nicht nein. Vertraue niemandem.“

Das Video ist professionell produziert, es ist stark, es zieht einen rein, es funktioniert, das zeigt sein Erfolg. Ein bisschen weh tut beim Zusehen dennoch, dass fast alle Frauen im Video aussehen wie Topmodels und all die Forderungen verkörpern, die Cynthia Nixons Stimme anprangert: schlank, perfekt geschminkt und wunderschön.

Dennoch ist der Clip wichtig, das zeigt allein die Resonanz, die er hervorruft. Eine Resonanz, die gleichzeitig nachdenklich machen sollte: Es ist frustrierend, dass sich auch heute noch so viele Frauen in diesem Video wiedererkennen, dass sie das Gefühl haben, der Gesellschaft nicht gerecht werden zu können, dass sie zerbrechen zwischen allem, was sie sein sollen. Feministinnen prangern die genannten Missstände schon lange an. Geändert hat sich offenbar immer noch viel zu wenig.

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