Es liest sich wie die Gästeliste für eine Oscar-After-Show-Party: Grace Gummer aus "Mr. Robot", Harry J. Lennix aus "Matrix Reloaded", Cynthia Nixon aus "Sex and the City", Emmy Rossum aus "The Day after Tomorrow", Michael Kelly aus "House of Cards". Tatsächlich handelt es sich aber um die Besetzung einer Kampagne gegen sexuelle Belästigung.

Der „Friends“-Schauspieler David Schwimmer hat das Projekt „#ThatsHarassment“ ins Leben gerufen. Zusammen mit Regisseurin Sigal Avin drehte er sechs Kurzfilme, die zeigen, wie sexuelle Belästigung aussehen kann. Die Filme beruhen auf wahren Begebenheiten und werfen den Zuschauer in die Rolle der Opfer. 

Die Kurzfilme, die jetzt in New Yorker Taxis, im TV und online ausgestrahlt werden, sind nach den Tätern benannt: dem Arzt, dem Kollegen, dem Politiker, dem Boss, dem Schauspieler und dem Fotografen. Die Filme zeigen sowohl eindeutige Fälle, als auch Situationen, die schwerer zu deuten sind.

In einem auf den ersten Blick weniger eindeutigen Fall sehen wir eine Frau beim Arzt. Obwohl dessen erste Vermutung ist, dass sie an einer Nasennebenhöhlenentzündung leidet, besteht er darauf, die Patientin auch abzuhören. Als er dabei angeblich einen Knoten in ihrer Brust entdeckt, nutzt er ihren Schock, um sie „abzutasten“. Weil ein Arzt manchmal lieber sicher gehen will und alles abcheckt, wird dem Opfer erst am Ende bewusst, dass es ihm nur darum ging, ihre Brust zu berühren. 

Eindeutiger ist das Video „The Photographer“. In seinem Fotoshooting ergötzt sich der Fotograf an dem jungen Model und erzählt ihr von seiner Erektion. Er nutzt seine Machtposition und befielt ihr, vor ihm zu masturbieren. Aus ihrer hilflosen Miene wird von Beginn an deutlich, dass sie das nicht möchte. Dann schwenkt die Kamera  – und zeigt, dass 15 Menschen – das Fotografenteam –  zusehen. Und nichts tun. 

Während das Model des Fotografen absolut hilflos ist, weiß eine Journalistin in einem anderen Video sich zumindest zu wehren. Sie kann die Belästigung als einzige von sich aus beenden. Das ist, woran es den Videos mangelt. Schwimmer und Avin sagen zwar, dass sie nicht nur veranschaulichen wollen, wie sexuelle Belästigung aussieht, sondern auch, was man dagegen tun kann. Das zeigen ihre Videos aber nicht. Mehr Videos mit Opfern, die ihre Lage rechtzeitig erkennen und sich wehren, wären vielleicht eine wichtige Ergänzung gewesen.

Auch dass Männer in jedem der Videos die Täter sind, ist schade. „Männer begehen die meisten Vergewaltigungen, Nötigungen und Belästigung. Deshalb haben Männer eine besondere Verantwortung, etwas dagegen zu tun und sich einzubringen“, sagt Schwimmer. Trotzdem fehlt der Aspekt, dass auch Männer Opfer sein können. Das dürfte spätestens seit dem Fall Kevin Spacey klar sein. 

 

nake 

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