Gesellschaftskritik durch Illusion

Screenshot: Youtube, Mirjana Kika Milosevic

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

Unheimlich wippt der Kopf der Puppe hin und her. Die riesigen Augen treten weit aus dem hölzernen Kopf hervor, unschuldig blinzeln sie. Unterhalb vom Nussknacker-Kinn verläuft ein dünner Stab, der den Kopf mit dem restlichen Körper verbindet. Die Puppe scheint einem Horror-Film entsprungen, den ich mir persönlich nie freiwillig nie anschauen würde.

Hinter der Illusion steckt die Body-Art-Künstlerin Mirjana „Kika“ Milosevic. Allein mit Farbe und Pinsel erschafft sie optische Täuschungen auf ihrer Haut und schafft es so, ganze Körperteile verschwinden zu lassen. Das alles hat sie sich selbst beigebracht. 

Ihre „Wooden Puppet Doll“ verbreitete sich vergangenen Januar rasend schnell im Internet und machte sie auf der ganzen Welt bekannt. Ihr Youtube-Kanal hat mittlerweile über acht Millionen Klicks. Außerdem arbeitet die alleinerziehende Mutter mit bekannten Models und Fotografen zusammen, hat unzählige Preise abgeräumt und nutzt ihre Reichweite, um Themen wie Magersucht, Gewalt oder Schönheitsideale in die öffentliche Diskussion zu bringen.

Ein Anruf bei Kika:

jetzt: Kika, wie kamst du dazu, optische Täuschungen auf deinen Körper zu malen?

Mirjana „Kika“ Milosevic: Nach der Geburt meines zweiten Sohnes wollte ich Kindergesichter bemalen. Das habe ich dann professionell bei Kindergeburtstagen gemacht.  Zum Üben von neuen Motiven habe ich oft auf meine Hände oder Beine gemalt. Letztes Jahr im Herbst war dann mal ein kleines 3D-Motiv dabei. Das war eine Herausforderung, die mir gefallen hat. Ich hatte das Gefühl, dass ich dabei meinen Charakter einbringen kann und mein Geschick herausfordere. Es ist wirklich nicht leicht, das realistisch aussehen zu lassen. Skizzen mache ich mir aber nicht. Das wäre nur Verschwendung von Kreativität und Energie.

Gelingen deine Videos trotzdem immer auf Anhieb?

Normalerweise schon, ich übe ja auch jeden Tag. Nur gestern war ich wirklich überhaupt  nicht zufrieden mit dem Ergebnis, da bin ich aber auch sehr perfektionistisch. Ich habe das Video dann auch nicht veröffentlicht.

Was inspiriert dich?

Eigentlich alles, was ich selbst erlebe oder was mir in der Vergangenheit passiert ist. Das hat den Nebeneffekt, dass man nie aus Versehen von anderen kopiert. Und das ist wirklich wichtig in meiner Branche.

Spielen deine beiden Söhne Danilo und Nikola dabei auch eine Rolle?

Ja, eine große! Meine Söhne bringen mich auf viele neue Ideen: Einmal bin ich völlig fertig auf dem Sofa gelegen und war verzweifelt auf der Suche nach einer neuen Idee für meine nächste Illusion. Ich hatte aber so viele andere Sachen im Kopf, dass mir einfach nichts einfallen wollte. „Warum lässt du nicht einfach deinen Kopf verschwinden?“, hat mich Nikola gefragt, und so ist das Werk „Hollow“ entstanden, bei dem es so aussieht als hätte ich keinen Kopf.

Was willst du mit deiner Kunst erreichen?

Fast jedes meiner Werke hat eine Bedeutung. Ich war selbst Opfer von psychischer Gewalt und hatte stressbedingt lange Zeit Probleme mit meinem Gewicht. Ich weiß aber, dass es viele Menschen da draußen gibt, die auch mit solchen schlechten Erfahrungen zu kämpfen haben. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, diese Probleme durch meine Kunst öffentlich zu thematisieren. Das hat mich viel Mut gekostet, jetzt bin ich aber sehr stolz darauf.

Ich finde deine pinken Haare übrigens super. Haben die auch was mit deiner Kunst zu tun?

Irgendwie schon, ja. Ich liebe Farben und ich lebe in Farben. Ich wohne allerdings an einem Ort, an dem es sehr ungewöhnlich ist, anders auszusehen. Früher hatte ich Angst davor, was andere über mich denken könnten. Aber das ist unwichtig. Wenn du in den Spiegel schaust und zufrieden mit dir selbst bist, ist es das, was wirklich zählt.

An welcher Illusion arbeitest du momentan?

Sie hat mit Fleischfressenden Pflanzen zu tun. Mehr kann ich aber leider noch nicht verraten.

Mehr fürs Auge:

  • teilen
  • schließen