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Foto: inkje / photocase.de

Der Untergang des Herrn B. beginnt mit einem Artikel auf der Webseite des Guardian. In dem wird das Projekt der Fotografin Laura Dodsworth vorgestellt: eine Bilderserie mit Porträts von 100 Vulven. Dodsworth, die das vorher auch schon mit 100 Brüsten und 100 Penissen gemacht hat, will mit ihren Fotos zeigen, dass es kein „normal“ oder „abnormal“ gibt, dass die Bilder, die uns Pornografie vermittelt, verzerrt sind und sie will jeden darin bestärken sich so anzunehmen, wie er oder sie ist. Grob zusammengefasst.

Dieser Artikel wird vom Guardian auf Twitter gepostet mit dem Text: „Ich und meine Vulva: 100 Frauen offenbaren alles“. Ein User namens Paul Bullen, antwortet auf diesen Tweet: „Das korrekte Wort ist Vagina“. Und ab da ist es wie ein Unfall, bei dem man einfach nicht wegschauen kann und dessen Ausmaß man nicht für möglich gehalten hätte.

Dass er mit seiner „Korrektur“ da vielleicht ein bisschen daneben liegt und dass das doppelt blöd ist, weil er als Mann naturgegeben nun mal vielleicht nicht der Oberexperte ist, was weibliche Geschlechtsmerkmale angeht, wird ihm von anderen Usern schnell klargemacht.

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt steigt auch die Gynäkologin Dr. Jennifer Gunter in die Diskussion ein, die nebenbei erwähnt in diesem Jahr ein Buch herausbringen wird mit dem Titel „The Vagina Bible: The Vulva and the Vagina: Separating the Myth from the Medicine“. Sie stellt sich höflich als Expertin in Sachen Vaginas und Vulvas vor und reicht direkt noch einen Blogpost inklusive anschaulicher Grafik mit.

Und jetzt Herr B., zweiter Auftritt:

Zum einen – und das ist jetzt fast schon zu witzig, um wahr zu sein – belehrt er die Userin, die ihn des Mansplainings bezichtigt hat, dass sie den Begriff falsch verwenden würde. Was dann irgendwie als Mansplaining zum Quadrat bezeichnet werden könnte.

Hier versuchen jetzt auch Geschlechtsgenossen, Bullen davon abzubringen, noch weiter an dem Loch zu buddeln, in dem er sich schon befindet.

Andere müssen ihm einfach Props dafür geben, dass er’s knallhart durchzieht.

Zum anderen lässt er auch den Tweet von Gunter nicht aus, ohne die Chance zu nutzen, sich noch tiefer in die Nesseln zu setzen. Oder eher zu legen. Nackt. Und sich darin hin und her zu rollen. Denn sein nächster Tweet beginnt mit den Worten: „Diese Frage (der Unterscheidung zwischen Vagina und Vulva, Anm. d. Red.) erfordert diese Art der Expertise nicht. Tatsächlich könnte das Teil des Problems sein“. Worauf er erklärt, er rede nicht von Fachbegriffen, sondern von Umgangssprache.

Gunter scheint jetzt schon recht amüsiert zu sein und in freudiger Erwartung auf das, was noch kommen mag. Sie weist Bullen nochmal kurz auf seinen ersten Tweet hin:

Und erklärt ihm auch das mit dem Mansplaining nochmal.

Und damit hätte der Spaß Mitte Februar vorbei sein können. Herr B. hätte die Twitter-Bühne als uneinsichtiger Anti-Held aber als König der Uneinsichtigen verlassen können und zwei Wochen später, wäre alles schon in Vergessenheit geraten gewesen.

Aber nein.

Herr B. meldet sich zurück.

Und zwar mit einem 20-seitigen Aufsatz darüber, was er eigentlich sagen wollte – während alle ihn wohl falsch verstanden haben.

Gunter kommentiert richtig: „Das ist nicht mehr zu toppen“.

Das Onlinedokument, in dem sich die Abhandlung befand, behinhaltet mittlerweile nur noch den Songtext zu Bob Dylans „Tell Me“ und einen Hinweis: Wenn man sein Essay lesen wolle, solle man Bullen eine Email schreiben. (Das hat die Autorin dieses Textes natürlich direkt gemacht, bisher aber keine Antwort bekommen, Anm. d. Red.). Macht aber nichts, denn er hat eine Zusammenfassung der 20 Seiten in einer siebenteiligen Tweet-Reihe gepostet.

Kann man lesen, macht es aber auch nicht besser. Ernsthaft aufregen kann sich da jetzt wirklich niemand mehr. Aus den Antworten liest man eine Mischung aus Mitleid, müdem Lächeln und einem klein wenig Bewunderung.

Und Gunter schließt mit den Worten.

Ende.

(Zumindest vorerst.)

tf