„Seit wann dürfen Männer eigentlich Nationalmannschaften trainieren?“

Ein Twitter-Account kritisiert Sexismus im Sport auf sehr lustige Weise.

Screenshot: Twitter @shebehindhim

„Sorry, aber wir können über dieses Männerspiel im Sportteil nicht berichten. Für unsere Leser ist es wichtiger, dass wir alle Frauenspiele abbilden. Außerdem ist Männerfußball mittlerweile eh nicht mehr benachteiligt.“ Na, klingt das nach verkehrter Welt? Unter dem Hashtag #SheBehindHim verdrehen Twitter-User*innen ein bisschen die Wirklichkeit: Sie schreiben über Männer im Sport wie sonst über Frauen im Sport berichtet wird. „Sie hinter ihm“ wird zu „Er hinter ihr“. Initiatorin des Hashtags und Twitter-Accounts ist Sportjournalistin Mara Pfeiffer.

„Man könnte jeden Tag einen Auslöser dafür finden, sich so einen Hashtag zu überlegen. Am Wochenende ging ein Artikel mit der Zeile ‚Hübsche Tochter von Schalke-Trainer Wagner wird Sportschau-Moderatorin‘ rum“, erzählt die Sportjournalistin im Gespräch mit jetzt. Sie sei genervt davon, wie dieses Framing funktioniert. Sie sagt weiter: „Mein Kollege Günter Klein hat daraus ‚Schnuckeliger Vater von Sportschau-Moderatorin trainiert Schalke 04‘ gemacht.“

Was will Mara Pfeiffer erreichen? „Die Leute dazu zu bewegen, über dieses sexistische Framing nachzudenken. Wenn man es so umdreht und vorführt, holt man die Leute vielleicht eher ab“, sagt sie. Vor allem bezogen auf sportliche Themen verbreitet sich der Hashtag #SheBehindHim jetzt:

Das alles finden wir wohl deshalb urkomisch, weil es in der Realität so selten vorkommt, dass Männer in der üblichen Berichterstattung nur als Beiwerk ihrer Frau genannt werden. Das zeigt ein prominentes Beispiel aus dem Jahr 2016: ein Tagesschau-Post über die Menschenrechtsanwältin Amal Clooney. Damals traf sie sich mit Kanzlerin Merkel. Mit dabei: ihr Ehemann. Untypisch für den Post ist, dass ihr Mann, George Clooney, nicht zuerst genannt wird. Das bemerkten viele in den Kommentarspalten.

Das Reframing von #SheBehindHim erinnert an den Twitter-Account „Das bisschen Arbeit“. In der vom Account geschaffenen Parallelwelt sehen sich Männer mit Sexismus konfrontiert. Zum Beispiel: „Ihr jungen Männer solltet dankbar sein, was euch in den letzten Jahren alles ermöglicht wurde! In meiner Jugend mussten wir froh sein, wenn wir ⅓ von dem bekamen, was Frauen für die gleiche Arbeit bekamen!“ Innerhalb von weniger als zwei Monaten hat der Account nun schon mehr als 12 000 Follower*innen.

ckun

  • teilen
  • schließen