Morgen kommt die Weihnachtsfrau

Das Berliner Studierendenwerk schickt 2017 das erste Mal auch Frauen los, um im roten Mantel Geschenke zu verteilen.

Hoffentlich bald gleichberechtigt: Weihnachtsmann und Weihnachtsfrau.

Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Bisher waren die Geschlechterrollen im Weihnachtsgeschäft klar verteilt: Männer arbeiten als Weihnachtsmänner. Die haben lange Bärte, einen stämmigen Körperbau und eine Liste, die bestimmt, wer denn überhaupt Geschenke bekommen soll. Frauen sind Engel. Die haben lange Locken, einen Heiligenschein, in der Regel keine solche Liste.

Das soll sich dieses Jahr ändern – zumindest in Berlin. Das Studierendenwerk der Hauptstadt hat nämlich beschlossen, das erste Mal auch Weihnachtsfrauen zu den Bescherungen in Berliner Wohnungen zu schicken.

Die dürfen dann also endlich auch mal ohne Heiligenschein und fernab des "Frauen sind besonders zahme Geschöpfe"-Klischees Geschenke an die Berliner Kinder verteilen.

Das ist vor allem deshalb etwas Besonderes, weil es so lange anders war: Seit 1949 schickt das Studentenwerk auf Bestellung Weihnachtsmänner zu Berliner Familien nach Hause. Im vergangenen Jahr wurden über 2500 solcher Besuche gebucht. Engel, also Frauen, hatten nur rund 110 Familien in der Vorweihnachtszeit zu sich eingeladen.

Ob die Emanzipation der Weihnachtsfrau, die vorher maximal als Helferin ihres Mannes bekannt war, aus dem Wertewandel unserer Gesellschaft herrührt, darf man übrigens bezweifeln. Das Studierendenwerk Berlin schreibt auf seiner Website: "Da es immer mehr Kinder auf der Welt und in Berlin gibt, und weil der Weihnachtsmann nicht mehr alles alleine bewältigt, geht die Weihnachtsmannfrau seit diesem Jahr ebenfalls auf Tour!"

 

Tatsächlich dürfte die Entscheidung zur Etablierung der Weihnachtsfrau also vor allem vom Mangel an Weihnachtsmännern kommen. 2016 hatte es schon deutlich mehr Aufträge gegeben, als die Studierenden bewältigen konnten, vielen Kunden musste abgesagt werden. Um das in Zukunft zu vermeiden, schicke man ab sofort also auch Weihnachtsfrauen zur Bescherung, wie die Sprecherin des Studentenwerks Jana Judisch gegenüber der Berliner Zeitung sagte.

 

Das Problem gibt es in Bundesländern wie Bayern, wenn überhaupt, übrigens nur andersherum: Die meisten Kinder glauben hier an das traditionell weibliche Christkind.

 

 

 

lath

 

 

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