Jugendliche wollen Aufklärung über Depressionen an Schulen

Deshalb richten sie sich mit einer Petition an den bayerischen Landtag.

Alexander Spöri (2. v. r.) und seine Mitschüler, mit denen er eine Petition an den bayerischen Landtag eingereicht hat.

Foto: MovieJam Studios

Abschluss zu machen, bedeutet vor allem eines: Stress. Besonders vor dem Abitur fürchten sich viele Schüler, der Leistungsdruck ist hoch. „Bei uns im Klassenzimmer sind sogar schon Leute zusammengebrochen“, erzählt Alexander Spöri. Der 18-Jährige aus Taufkirchen schreibt in einem Monat seine Abschlussprüfungen am Gymnasium.

Neben der Abiturvorbereitung hat er deshalb mit einigen Mitschülern eine 30-seitige Petition an den bayerischen Landtag eingereicht. Sie fordern, dass im Schulunterricht verpflichtend über psychische Krankheiten aufgeklärt wird. Über den Antrag wird der Landtag in einigen Wochen im Bildungsausschuss beraten. Nebenbei läuft auch eine Online-Petition. „Wir können noch mehr Druck aufbauen, wenn auch dort so viele Leute wie möglich unterschreiben“, sagt Alexander im Gespräch mit jetzt.

Die Abiturienten haben sich wegen eines gemeinsamen Filmprojekts, das durch Fördergelder finanziert wurde, mit dem Thema Depression auseinandergesetzt. Ihr Doku-Drama „Grau ist keine Farbe“, wird am 6. April im Münchner Mathäser Filmpalast uraufgeführt. Später wird ihn auch das Max-Planck-Institut zeigen.

Der Film zeigt durch Gespräche mit Betroffenen, Ärzten und Aktivisten, dass oftmals die Schule einer der auslösenden Faktoren für eine depressive Erkrankung sei. „Insgesamt haben wir jetzt 16 Monate an unserem Projekt und den beiden Petitionen gearbeitet“, erzählt Alexander. „Uns ist es wert, darüber zu berichten. Es gibt in dieser Hinsicht so viel Leid in unserer Klasse und an unserer Schule. Und niemand achtet darauf. Die meisten fühlen sich einfach nur im Stich gelassen.“

GRAU IST KEINE FARBE (2019) || OFFIZIELLE FILMVORSCHAU

In ihrer Petition fordern die Schüler zum Beispiel eine Änderung der Ausbildung von Lehrern und Pädagogen sowie Maßnahmen gegen die Stigmatisierung Betroffener. Dabei müsse gar nicht alles auf den Kopf gestellt werden, sagt Alexander. Es gebe auch kurzfristige Maßnahmen, die Wirkung zeigen könnten. „Im Kleinen könnte man das Thema erstmal in bereits bestehende Unterrichtsfächer einbinden. Wenn in Deutsch etwa über die Literaturepoche des Expressionismus gesprochen wird. Oder natürlich in Biologie und Chemie, wo man auch wissenschaftliche Hintergründe beleuchten könnte.“

Ängste, Lustlosigkeit, Selbstzweifel. Das können Symptome einer Depression sein. Je nach Alter kann die Symptomatik anders aussehen. Vor allem bei Teenagern können ein vermindertes Selbstvertrauen sowie Konzentrationsmängel und Leistungsstörungen hinzukommen. Ein Behandlungsansatz kann, laut Deutscher Depressionshilfe, die alters- und entwicklungsgerechte Aufklärung der Jugendlichen und ihrer Eltern über die Erkrankung sein.

„Ich habe selbst eine Freundin, die von einer Depression betroffen ist. Auch deswegen ist das Thema für mich ein so großes Anliegen. Meine Mitschüler und ich wollen den Erkrankten eine Stimme geben“, sagt Alexander. Auch weil Erwachsene oftmals gar nicht wüssten, was eine Depression sei – und sie deswegen nicht bei ihren Kindern entdecken könnten. „Es ist ein sensibles Thema. Aber wir wollen den Finger in die Wunde legen.“

mse