Unis und Schulen in Schottland stellen kostenlose Binden und Tampons bereit

Das Land ist weltweit das erste mit einer solchen Regelung.

Binden und Tampons sind teuer. Zu teuer für viele Frauen, die mit wenig Geld auskommen müssen.

Foto: Reuters/Stefan Wermuth

Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass es in den Toiletten in Schulen und Unis Toilettenpapier umsonst gibt. Klar, braucht ja jeder. Nach dieser Logik müsste es aber eigentlich auch auf jeder Frauentoilette Binden und Tampons umsonst geben. Das ist aber nicht der Fall und bringt ein Problem mit sich, das schon einen eigenen Fachbegriff bekommen hat: „Periodenarmut“. 

In Großbritannien beispielsweise bleiben regelmäßig Schülerinnen während ihrer Periode zu Hauseweil sie sich nicht genügend Tampons und Binden leisten können und befürchten, ihre Kleidung in der Schule vollzubluten. Rund eine von zehn Schülerinnen kann sich laut einer Studie der wohltätigen Einrichtung „Plan International UK“ überhaupt keine sanitären Produkte leisten. 

Schottland ist gerade dabei, sich zum Vorreiter-Land im Kampf gegen die Periodenarmut zu entwickeln. Erst vor ein paar Tagen wurde der schottische Verwaltungsbezirk North Ayrshire auf einmal sehr berühmt, weil dort künftig in sämtlichen öffentlichen Gebäuden Frauen umsonst Binden und Tampons aus Automaten ziehen können. Und jetzt hat die schottische Regierung einen noch viel weitreichenderen Plan angekündigt:

Zum neuen Schuljahr wird es an allen öffentlichen Schulen und Unis in Schottland kostenlos Binden und Tampons geben. 5,2 Millionen lässt sich der Staat sein Programm zum Kampf gegen die Periodenarmut kosten, 395.000 Schülerinnen und Studentinnen werden davon profitieren. Schottland ist damit weltweit das erste Land, in dem es eine solche Regelung gibt.

Mit einigem Stolz verkündete die zuständige Staatssekretärin, Aileen Campbell, deshalb auch das Programm. „In einem so reichen Land wie Schottland ist es inakzeptabel, dass irgendjemand damit zu kämpfen hat, grundlegende Hygieneprodukte zu kaufen.“ Die Millioneninvestition werde bewirken, dass Frauen die nötigen Artikel „auf sensible und würdevolle Art zur Verfügung gestellt wird und sie sich leichter voll aufs Lernen konzentrieren können.“

Alison Cosla vom ebenfalls an dem Programm beteiligten Verband der schottischen Kommunalbehörden wies noch auf einen weitern Punkt hin. Man werde so auch dazu beitragen, dass offener über das Thema Periode geredet werden kann und das „unnötige Stigma“, das damit verbunden sei, abgebaut werde.

Möglicherweise wird Schottland seine Vorreiterrolle noch ausbauen

 

Das Thema „Periodenarmut“ wird in Großbritannien seit Ende 2016 öffentlich diskutiert, nachdem unter anderem eine Szene im Film „I, Daniel Blake“, in der eine weibliche Figur Binden klaut, auf das Problem aufmerksam machte. Wenige Monate später fand man in den Medien außerdem immer wieder Berichte drüber, dass Schülerinnen wegen fehlenden Zugangs zu Binden den Unterricht schwänzten. Seitdem wird in den Sozialen Netzwerken immer wieder eine #FreePeriod gefordert – dass Tampons und Binden also grundsätzlich kostenlos zur Verfügung gestellt werden sollten.

Möglicherweise wird Schottland seine Vorreiterrolle noch ausbauen. Zumindest, wenn es nach der Labour-Parlamentarierin Monica Lennon geht. Sie arbeitet nach eigenen Angaben an Gesetzgebungsplänen für ein „universales System des freien Zugangs zu Periodenprodukten für jeden in Schottland“. Vielleicht wird in Schottland auf allen Damentoiletten ein Tampon-Spender so selbstverständlich sein wie eine Rolle Klopapier.

In Deutschland sieht es noch lange nicht danach aus. Auch hier wird aber immer wieder über die Kosten für Binden und Tampons diskutiert, vor allem im Zusammenhang mit dem Mehrwertsteuersatz. Denn sie werden mit 19 Prozent besteuert und nicht mit sieben Prozent; dieser niedrigere Steuersatz gilt für Produkte des „täglichen Gebrauchs“ wie Lebensmittel oder Busfahrkarten.

che

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