Binden und Tampons sind teuer. Zu teuer für viele Frauen, die mit wenig Geld auskommen müssen.

Binden und Tampons sind teuer. Zu teuer für viele Frauen, die mit wenig Geld auskommen müssen.

Foto: Reuters/Stefan Wermuth

Binden und Tampons kosten Geld. Und zwar gar nicht so wenig: Eine Packung o.b. mit 56 Tampons normaler Größe beispielsweise kostet rund fünf Euro. Es gibt zwar auch etwas günstigere Alternativen – allerdings verwendet eine Frau eben zehntausende Tampons in ihrem Leben.

Nach Berechnungen der Huffington Post geben Frauen durchschnittlich 4.500 US-Dollar im Leben für Tampons, Slipeinlagen und Binden sowie für neue Unterwäsche aus, weil sie ihre vollgeblutet haben. Alleine das Menstruationsblut aufsaugen zu können geht also schon ins Geld – zusätzliche Ausgaben während der Periode, zum Beispiel für Schmerzmittel und Wärmekissen, sind da noch gar nicht eingerechnet.

Während manche Frauen, die genügend Geld zur Verfügung haben, sich einfach damit abfinden, werden die Kosten für andere zum echten Problem. In Großbritannien beispielsweise bleiben regelmäßig Schülerinnen während ihrer Periode von der Schule zu Hause, weil sie sich nicht genügend Tampons und Binden leisten können und befürchten, ihre Kleidung in der Schule vollzubluten. Rund eine von zehn Schülerinnen kann sich laut einer Studie der wohltätigen Einrichtung „Plan International UK“ überhaupt keine sanitären Produkte leisten. Eine Umfrage des Guardian zeigte außerdem, dass auch viele erwachsene Frauen aufgrund niedrigen Einkommens auf Zeitungen oder alte Kleidung anstelle von Binden zurückgreifen müssten.

Solche Schicksale will der schottische Verwaltungsbezirk North Ayrshire Council, in dem knapp 140.000 Menschen leben, vermeiden: Frauen sollen dort von nun an in sämtlichen öffentlichen Gebäuden, wie zum Beispiel Bibliotheken oder Gemeindezentren, freien Zugang zu Sanitärprodukten haben. So sollen sie in den Toilettenräumen von rund 100 Gebäuden Tampons und Binden gratis aus Automaten ziehen können. In den weiterführenden Schulen des Bezirks werden außerdem schon länger kostenlose sanitäre Produkte angeboten.

Bezirksrat Joe Cullinane begründete diese Neuerung gegenüber BBC: „Sanitärprodukte sind eine Notwendigkeit, keine Entscheidung.“ Er wünsche sich deshalb, dass sich ab sofort „keine Frau und kein Mädchen in North Ayrshire mehr in der peinlichen und oft entwürdigenden Situation befinden muss, keinen guten hygienischen Schutz zu haben, nur weil sie es sich nicht leisten kann.“ Der Periode sei es schließlich egal, wie arm oder reich jemand sei. 

Das ist auch deshalb wichtig, weil einige Frauen eben häufiger und stärker bluten als andere. Sie brauchen dann also dickere, teurere Tampons. Das Frausein kann so sehr teuer werden.

Das Thema „Periodenarmut“ wird in Großbritannien seit Ende 2016 öffentlich diskutiert, nachdem unter anderem eine Szene im Film „I, Daniel Blake“, in der eine weibliche Figur Binden klaut, auf das Problem aufmerksam machte. Wenige Monate später fand man in den Medien außerdem immer wieder Berichte drüber, dass Schülerinnen wegen fehlenden Zugangs zu Binden den Unterricht schwänzten. Seitdem wird in den Sozialen Netzwerken immer wieder eine #FreePeriod gefordert – dass Tampons und Binden also grundsätzlich kostenlos zur Verfügung gestellt werden sollten.

Auch in Deutschland wird immer wieder über die Kosten für Binden und Tampons diskutiert. Hier geht es vor allem darum, dass sie mit 19 Prozent besteuert werden – anders als andere Produkte des „täglichen Gebrauchs“ wie Lebensmittel, die nur mit sieben Prozent besteuert werden.

lath

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