„Bohemian Rhapsody“ ohne den schwulen Freddie Mercury

In China wurden Andeutungen auf die Homosexualität des Frontsängers aus dem Queen-Film geschnitten.

Rami Malek als Freddie Mercury in einer Szene von „Bohemian Rhapsody“.

Foto: dpa

Queen ohne ihren schwulen Sänger Freddie Mercury: Das geht doch gar nicht oder?

Ist aber jetzt in China passiert. Dort wurden einige Referenzen zu der Homosexualität des Bandleaders aus dem Oscar-nominierten Film „Bohemian Rhapsody“ entfernt. Der Blockbuster ist zum erfolgreichsten musikalischen Biopic aller Zeiten geworden und lief vergangenes Wochenende in einer ausgewählten Anzahl von Programmkinos in China an.

Rund vier Minuten wurden aus dem über zwei Stunden langen Film entfernt: Darunter Drogen-Szenen und solche, die Mercury in seinen intimen Beziehungen zeigten. Selbst eine Szene, in der Mercury sein Mikro in der Nähe seiner Leiste hält, durfte nicht im Film bleiben. Eine andere Szene, in der Mercury seiner damaligen Partnerin seine Bisexualität gestand, wurde rausgeschnitten. Die Zuschauer erfahren nicht, warum ihre Beziehung auseinanderbrach. Noch 2005 hat China den Oscar-prämierten Film „Brokeback Mountain“ verboten. Er behandelte die Liebesbeziehungen zweier Cowboys. Und auch andere Filme mit LGBT-Inhalten aus den letzten Jahren wie der Oscar-Gewinner „Moonlight“ oder „Call me by your Name“ wurden in China nicht veröffentlicht.

Dinge abseits der Norm duldet das politische China nicht, das ist an sich nichts besonders Neues. Ob die Zensur des Films aber tatsächlich so viel über Chinas Verhältnis zu Homosexualität aussagt, ist fraglich. Seit 2001 hat die Regierung Homosexualität von der Liste psychischer Erkrankungen gestrichen. In den Großstädten gibt es Filmfestivals und Pride-Events als Anlaufpunkte für Homosexuelle, sogar einige LGBT-Dating-Apps. In einem Bericht der UN hieß es 2016, Chinesen hätten nur noch wenige Vorurteile gegenüber Homosexuellen und könnten ihre eigene Sexualität selbst frei ausleben.

Im Privaten gibt es also die Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung. Das Bild, das China in die Öffentlichkeit sendet, ist aber ein anderes. Das zeigte sich auch bei der Übertragung von Rami Maleks Oscar-Dankesrede als „Bester Hauptdarsteller“. Der chinesische Streaming-Dienst hat den Untertitel des Videos umbenannt: von „homosexueller Mann“ im amerikanischen Fernsehen zu „Sondergruppe“ im chinesischen.

merw

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