Woher kommt die Faszination für Lady Di?

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Als die Zoom-Verbindung endlich steht, juckt es die Beine dann doch ein bisschen danach, einen kleinen Hofknicks zu machen: Die milde lächelnde Dame im magentafarbenen Rollkragenpulli hat durchaus etwas von der unaufdringlichen Eleganz der Diana Spencer, a.k.a. Princess of Wales, a.k.a. Prinzessin der Herzen, a.k.a. Lady Di. Deren Leben, also das des Originals, interessiert derzeit wieder so viele Menschen wie lange nicht mehr. Grund dafür ist vor allem die vierte Staffel der Netflix-Serie „The Crown“, in der Diana von Emma Corrin gespielt wird. Im Fahrwasser der Serie gab es vermehrt Texte und Podcasts zum Thema, Dokus wurden aufgewärmt, kurz: Die Leute hatten einen Heißhunger nach Diana-Content, der gestillt werden wollte.

Trotz all der Annäherungsversuche dürften sich vor allem junge Menschen noch immer fragen, was dieser Hype denn eigentlich soll. Woher kommt der Mythos um diese Frau? Das kann man nur einen Menschen fragen, der den Hype mitgemacht hat. Mit Haut und Haaren. Wortwörtlich. 

Maureen Karamales (damals Murray) ist 57 und hat 1985 mit 21 Jahren in Washington D.C. einen „Princess Diana Lookalike“-Contest gewonnen. In gewisser Hinsicht heißt das auch, dass kaum jemand Lady Di so nahe war wie sie – zumindest äußerlich. Vielleicht kann sie erklären, was heute und damals an der Prinzessin so faszinierend war und ist.

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Hat man als Lookalike eine besondere Verbindung zum Original?

Foto: Privat

jetzt: Maureen, was meinst du – hättest du einen besseren Job als Emma Corrin in „The Crown“ gemacht?

Maureen: Ich habe die Serie ehrlich gesagt noch nicht gesehen, obwohl sie mir die ganze Zeit von Freunden empfohlen wird. Aber unabhängig davon würde ich als Diana-Darstellerin wohl kläglich scheitern, wegen meines eher mäßig glaubwürdigen Royal-British-Accent.

Aber rein visuell ist auf jeden Fall immer noch eine gewisse Ähnlichkeit da.

Naja, vor allem in den 80ern. Da bin ich tatsächlich mehrmals für sie gehalten worden. Das erste Mal war in einem Restaurant mit meiner Tante. Wir hatten uns schick gemacht und ich hatte schon ein paar Jahre vor dem Lookalike-Contest die Diana-Frisur, die damals sehr populär war. Auf der Toilette kam dann eine Frau auf mich zu und stammelte: „Oh mein Gott! Sind Sie …“ – ihre Augen wurden ganz groß. „Sind Sie ... sie?“ Und meine Tante eiskalt: „Ja, sie ist es. Sie ist gerade inkognito und wir würden gerne unauffällig bleiben, wenn es Ihnen nichts ausmacht.“ Diese Frau erzählt wahrscheinlich bis heute, dass sie Diana getroffen hat. 

Großartig. Hast du diese Special Power jemals missbraucht?

Nein, aber ich habe Geld damit verdient.

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Die 80er in a nutshell: Diana und Charles Doubles beim Werbespotdreh in Miami.

Foto: Privat

Wie das?

Ein Teil des Preises des Contests war neben ein bisschen Geld und einem Trip nach England ein Vertrag mit einer Agentur für Promi-Doubles. Die haben mir dann alle möglichen Jobs vermittelt, zum Beispiel einen Werbespot für einen Möbelhersteller. Die hatten dafür sogar einen Charles organisiert.

„Sie war für uns diese perfekte Märchenprinzessin“

Wie läuft denn so ein „Princess Diana-Lookalike-Wettbewerb“ ab?

1985 kamen Diana und Charles nach Nordamerika und alle waren völlig aus dem Häuschen. Das war dann auch der Aufhänger für den Wettbewerb, der von einem Klamottenhersteller und einer Friseurkette gesponsert wurde. Er fand in Washington D.C. statt, wo sich Diana und Charles zur gleichen Zeit auch länger aufhielten. Die Dianas wurden von einer Jury in den Kategorien wie „Ähnlichkeit der Gesichtszüge“, „Königliche Haltung“ oder „Charme“ bewertet. Und scheinbar war ich ihr am ähnlichsten.

Du warst sicher stolz. Aber hat sich das auch irgendwie komisch angefühlt? Hast du dich Diana irgendwie besonders verbunden gefühlt?

Da war tatsächlich ein so unbestimmtes Gefühl der Verbundenheit. Ich stellte mir manchmal vor, wie es wäre, wirklich für einen Tag sie zu sein. Ich bin adoptiert und weiß nichts über meine biologischen Eltern. Deshalb haben Freunde von mir oft gescherzt, ich sei vielleicht eine verschollene Schwester von Diana. Das ist natürlich Blödsinn, aber ich war trotzdem ein begeisterter Fan. Ich zog mir alles rein, was im Fernsehen über sie kam und wusste über alles Bescheid. Das dachte ich zumindest, bis sie offen über ihre Probleme sprach. 

Die kaputte Ehe, die Essstörung?

Ja. Und die Suizidversuche. Sie war für uns diese perfekte Märchenprinzessin und wir konnten uns nicht vorstellen, dass es in ihrer Welt irgendwelche Schattenseiten geben könnte. Damals hatte sie für die Öffentlichkeit im Prinzip keine wirkliche Persönlichkeit. Es drehte sich alles um ihre Kleider, die Haare, die Fassade. Erst später, mit ihrem sozialen Engagement und ihren ehrlichen Interviews sahen wir den Menschen hinter diesem Traumbild. Aber gerade das machte sie noch liebenswerter. Sie begegnete Menschen auf Augenhöhe, ging auf sie zu, berührte sie.

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Sie hat die echte Diana nur knapp verpasst – sie war in einem Einkaufszentrum nahe ihrer Heimatstadt, aber die Menschnmassen haben Maureen abgeschreckt.

Fotos: Privat

Und der Wunsch, einen Tag lang in ihrer Haut zu stecken?

War verflogen. Einfach, weil ich merkte, dass ich in gewissem Sinn schon in ihrer Haut gesteckt hatte. Natürlich nicht, was den Glamour und das Drama angeht. Aber auch ich hatte damals als junge Frau zum Beispiel Essstörungen, was ich lange geheim gehalten hatte. Und es bedeutete sehr viel, sie offen darüber sprechen zu hören. Das hat vielen Mut gemacht. Und für mich persönlich ist diese Ähnlichkeit mit ihr entscheidender als mein Aussehen. 

Was hättest du ihr gesagt, wenn du sie hättest treffen können?

Ich glaube, ich hätte ihr einfach etwas Nettes gesagt. Hätte versucht, ihr einen Moment zum Aufatmen zu geben. Man muss sich klarmachen, dass ihr Leben andauernd bewertet wurde. Ich hätte ihr einfach gedankt für ihre Offenheit und das Gute, das sie bewirkt hat. Und ich hätte ihr ein Lächeln geschenkt. Denn ein Lächeln kostet dich nichts und du weißt nie, wessen Tag du damit vielleicht damit rettest.

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