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Foto: btf / philipp kaeßbohrer

Am Donnerstagabend eröffnet im NRW-Forum Düsseldorf die erste museale Ausstellung von Jan Böhmermann und der Bildundtonfabrik. Eine Ausstellung, bei der man sich, wie so häufig bei den Werken von Jan Böhmermann, bei jedem Ausstellungsstück unweigerlich fragt: Ist das jetzt echt, oder nicht? Ein Gespräch mit Alain Bieber, dem künstlerischen Leiter des NRW-Forums Düsseldorf, über die Hintergründe der Ausstellung und die Rolle von Jan Böhmermann als Künstler.

jetzt: Muss man Jan Böhmermann mögen, um die Ausstellung gut zu finden?

Alain Bieber: Nein. Es geht eigentlich darum, dass ein solches Werk einen Diskurs verursacht, dass es polarisiert, provoziert und dass man als Besucher gezwungen wird, sich zu positionieren. Es ist aber hilfreich zum Verständnis der Werke, wenn man Jan Böhmermanns Arbeit kennt, denn es gibt viele kleine Details und Insidergags.

Warum heißt die Ausstellung „Deuscthland“ und nicht „Deutschland“?

Es geht um die Rückkehr des hässlichen Deutschlands. Das macht bereits das Ausstellungsmotiv, die Nachstellung dieses historischen Bildes von Harald Ewert in Rostock-Lichtenhagen, klar. Deshalb gibt es diesen absichtlichen Rechtschreibfehler.

Im Trailer zur Ausstellung erklärt ein Mann mit starkem Akzent: „Das alles ist Deutschland, das alles sind wir.“ Was für ein Bild zeichnet die Ausstellung von Deutschland?

Das ist der Original-Songtext von „Deutschland“ von den Prinzen. Es ist ein eher düsteres Bild von Deutschland. Es passiert gerade sehr viel und es ist eine sehr politische Ausstellung. Gerade jetzt durch die geplatzten Sondierungsverhandlungen wird deutlich: Es gibt eine Krise, sie ist wirklich da. Es geht darum, wie Medien funktionieren, wie deutsche Politiker interagieren, um Manipulation und Macht. Das Aufkommen des Populismus ist auch ein Thema der Ausstellung, aber es wird auf eine sehr unterhaltsame und manchmal auch komische Weise transportiert. Es hat nichts Moralisierendes, man kann eher auch mal darüber lachen – so als Kompensation.

Die zentrale Installation der Ausstellung ist der „Reichspark“. Das heißt, die Neo Magazin Royale-Sondersendung vergangene Woche steht im direkten Bezug zu dieser Ausstellung?

Ja, die Reichspark-Doku ist eigentlich ein großer Trailer zu der Ausstellung, denn er hört ja so auf: Jan Böhmermann geht in den Keller, entdeckt dort das Modell vom „Reichspark“ und dann geht das Licht aus. Hier in der Ausstellung geht das Licht wieder an und hier steht auch der „Reichspark“.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Jan Böhmermann und der Bildundtonfabrik (btf) entstanden?

Es gab immer wieder Sendungen vom Neo Magazin Royale, die mich total fasziniert haben. Bei denen ich dachte, Wahnsinn, wir müssen unbedingt was zusammen machen! Daraufhin habe ich den Kontakt zu der btf gesucht. Die hatten auch Lust und konnten sich gut vorstellen, mal in ein Ausstellungshaus zu gehen.

Welchen Stellenwert hat Jan Böhmermann als Künstler?

Als Künstler wird er bisher leider nicht wirklich wahrgenommen. Viele Kritiker tun ihn immer als „Moderator“ ab, was seiner Rolle aber nicht gerecht wird. Er hat sich sehr verändert, Böhmermann wird immer politischer in dem, was er tut. Ich finde es wirklich gut, dass jemand, der auch ein jüngeres Publikum erreichen kann, das nutzt, um eine Haltung zu wichtigen Themen zu transportieren.

Hat er beim Aufbau der Ausstellung selbst mitangepackt?

Ja, klar! Also die Ölgemälde in der Ausstellung sind ja auch von ihm, viele der Ausstellungsstücke hat er konzipiert und dann zusammen mit seinem Team umgesetzt. Heute Morgen hat er noch den letzten Feinschliff gemacht und dafür gesorgt, dass alles stimmt.

Welchen Wert hat Satire als Kunstform?

Satire ist eine Kunstform, klar, aber die Arbeit von Jan Böhmermann und der btf geht über die klassische Satire hinaus. Es ist die Verschmelzung von medialer Kunst, Internet und realem Raum – das ist eine ganz starke zeitgenössische Kunstposition. Es gibt sicher auch viele Leute, die das nicht so sehen, und darüber möchte ich gerne streiten.

Holen Sie sich mit Böhmermann nicht auch die Kritiker und den Hass ins Haus?

Wenn wir uns den Hass auch mit ins Haus holen würden, dann wäre es sehr spannend, den Hass in Liebe zu verwandeln. Es gibt sehr viele Leute, mit denen kann man nicht mehr reden. Aber es gibt eine differenzierbare Mitte, die man erreichen kann. Wenn wir die erreichen, dann haben wir unseren Kultur- und Bildungsauftrag geleistet. Darum geht es ja schließlich in solchen Institutionen: um das Vermitteln. 

 

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