In der jetzt-Redaktion musste heute sechs Minuten lang die Arbeit ruhen. Wir konnten in der Zeit leider keine Mails checken, keine Anrufe beantworten, keine Texte schreiben. Wir waren zu sehr mit Lachen beschäftigt. Der Grund: der Auftritt von Jennifer Lawrence bei Ellen DeGeneres.

Die Schauspielerin erzählt in der Sendung von ihrem Alter Ego „Gail“. Gail tritt immer dann in Erscheinung, wenn Lawrence trinkt. Ein paar Gläser Rum, zack, schon verwandelt sie sich. Als Beweis zeigt Ellen Fotos, auf denen Lawrence’ Gesichtszüge entgleisen. Auf denen sie versucht, nüchtern zu wirken, ihr Blick stattdessen aber ins Zombie-eske tendiert. Gail ist im Gegensatz zu Jennifer Lawrence keine vorsichtige Frau, sondern ein unerschrockener Adrenalin-Junkie. Eine, die „Auf ins Wasser!“ ruft, wenn am Strand ein Schild vor Haien warnt.

Nachdem sich unser Lachen gelegt hatte, schlich sich eine nachdenkliche Stille in den Redaktionsraum. Jeder sah kurz den anderen an. Moment mal, diese Gail... Dieses Phänomen, dass der Alkohol ein Alter Ego aus uns hervorholt... Irgendwas klingelt da.

Genau: Jeder von uns hat einen Suff-Charakter. Da wären zum Beispiel die Sentimentalen – Leute, die mit jedem Shot anhänglicher werden, den Arm immer enger um die Schulter legen und ihren Kumpels einen Kuss nach dem anderen auf die Wange schmatzen. Die irgendwann zu penetranten Menschenfreunden werden, denen die Welt nur noch pink und plüschig erscheint.

Den Schläfern ist im Suff jede Theke, jedes Sofa, jede Pfütze lauschig genug

Dann wären da die Schläfer, denen nach ausreichend Alkohol jede Theke, jedes Sofa, jede Pfütze lauschig genug aussieht, um eine Runde zu ratzen. Oder die Dreisten, denen dann kein Spruch zu flapsig, kein Rempler zu ungestüm ist.

Ein Redaktionsmitglied kennt jemanden, der im Suff jedes Gefühl für Gefahr verliert. Der dann sehr offensiv Frauen anflirtet, auch wenn daneben ihr Freund steht – ein Betonierer aus Tirol, der einen Totenkopf auf seiner Lederhose trägt. Hätte brenzlig werden können, wenn seine Freunde ihn nicht rechtzeitig vor sich selbst bewahrt hätten. Aber eines ist sicher: Mit Gail würde er sich wahrscheinlich gut verstehen.  

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