Wie ticken eigentlich die Hipster von heute?

Das bringt das Video „Shit Hipsters say 2020“ ziemlich gut auf den Punkt.

Screenshot: YouTube @MTV Deutschland

Alle paar Jahre wieder wird das gesellschaftliche Leben der Teenies und Twens neu durchgewürfelt, dreimal durchgerührt und BOOM: Eine neue Jugendkultur ist geboren. Nachdem Holzfällerhemd, Club Mate und große Brillengläser seit spätestens 2018 nicht mehr trendy sind, fragen sie manche: Wie ticken die hippen Millennials heute eigentlich? Das hat sich Moderatorin und Produzentin und auch sonstiges Multitalent Wana Limar in dem Youtube-Format „Wernsehen“ von MTV Germany angeschaut (und ja, wir waren genauso überrascht wie ihr, dass es MTV noch gibt). 

Der knackige Titel des sechsminütigen Videos lautet: „Shit Hipsters say 2020“. Bereits seit 2015 veröffentlicht Limar entlarvende Hipster-Videos. In ihrem neuesten sitzt Wana Limar in ihrer Wohnung, mal mit hochgesteckten Haaren, dunklem Lippenstift und Kreolen-Ohrringen, mal ausgestattet mit Airpods, beigem Jackett und Marken-Handtasche, mal beim Durchblättern eines Bildbands mit Mittelscheitel, bunten Klämmerchen und Edel-Kunstleder-Hose. Dazu haut sie im Metronom-Takt Hipster-Floskeln raus: Von „Sag mal, weißt du, wo ich einen guten Töpferkurs finde?“, „Du, ich kann dir hier so einen Freilandhof nebenan empfehlen, der wird von so einem super sympathischen Frauen-Kollektiv betrieben“ bis zu „Ich hab’ ja so viele diverse Freund-INNEN“.

Shit Hipsters say 2020 | MTV Deutschland

Limar zufolge ist es 2020 also – verkürzt dargestellt – hip, einfach richtig politisch aufgeklärt und progressiv zu sein. Allerdings: Ob jemand wirklich für ein Thema brennt, ist da nebensächlich, hauptsache man lässt ein paar Buzzwörter wie „Privilegien“ und „Cis-Heteronormativität“ fallen und weiß, dass man Gemüse „saisonal“ kaufen muss – weil Superfoods sind wirklich so von gestern. Millennials wissen, was „Intersektionalität“ bedeutet, und wollen auch sichergehen, dass alle anderen mitbekommen, dass sie es wissen.

Die Satire-Nummer tut beim Anschauen auch ein bisschen weh: Nicht nur, weil der ein oder andere sich in ein paar Sätzen vielleicht selbst wiedererkennt, sondern auch weil Limar durchscheinen lässt, dass hinter den Phrasen oft wenig echte Integrität steckt. Sängerin Lizzo etwa wird erst abgefeiert, aber schon Sekunden später wegen ihrer „toxischen Positivität“ wieder abgeschrieben – was auch immer „toxische Positivität“ sein soll. Und während man versucht, so liberal und offen wie möglich rüberzukommen, geht es irgendwie doch oft nur um den Anschein: „Kennst du zufällig noch jemand Behinderten, weil ich caste grad für so ein Shooting.“

Dabei – selbst wenn nicht alle Millennial-Floskeln immer von Herzen kommen – könnte man  auch argumentieren, dass es vielleicht ein bisschen  problematisch ist, dass in Limars Video Wokeness und Realness so negativ dargestellt werden. Schließlich ist es doch erst mal eine feine Sache, dass die Jugend politisch aufgeklärt ist.

mpu

  • teilen
  • schließen